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Synchronizing Healthcare

Waschmaschinen können resistente Keime verbreiten

Antibiotikaresistente Erreger können über Wasch­maschinen verbreitet werden. Das wiesen Hygieniker der Uni­versität Bonn für ein Kinder­kranken­haus nach, in dem mehrfach ein Bakterium vom Typ Klebsiella oxytoca auf Neu­geborene über­tragen wurde, wie die Hoch­schule kürzlich mit­teilte. Glücklicher­weise kam es demnach nicht zu einer gefähr­lichen Infektion.

30. September 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Waschmaschine

Bildrechte: ClipDealer / CarmenSteiner

Quelle war eine handelsübliche Wasch­maschine, in der Kleidungs­stücke der Neu­geborenen gewaschen wurden. Der Fall lasse auf­horchen, zumal auch in Haus­halten mit zu pfle­genden Menschen anti­biotika­resistente Bakterien über die Wasch­maschine über­tragen werden könnten, erklärte die Uni­versität. In einer weiteren Studie soll nun dieser Verbrei­tungs­weg genauer unter­sucht werden.

Die Forscher berichteten über die Ergeb­nisse ihrer Unter­suchungen im Journal "Applied and Environ­mental Micro­biology". Auf der Neu­geborenen­station eines Kinder­kranken­hauses in Deutsch­land wurde demnach bei routine­mäßigen Hygiene­screenings vermehrt das Bakterium Klebsiella oxytoca fest­gestellt. Das Bakterium kann zu Magen-Darm- und Atem­wegs­infek­tionen sowie im schlimmsten Fall zur tödlichen Sepsis führen.

In diesem besonderen Fall konnten gängige Anti­biotika gegen diesen Erreger nur einge­schränkt oder über­haupt nicht mehr einge­setzt werden. Nachdem der Keim wiederholt auf Neu­geborene über­tragen wurde war und intensive Hygiene­inter­ventions­maß­nahmen erfolg­los blieben, zog das Kranken­haus das Institut für Hygiene und Öffent­liche Gesund­heit (IHPH) des Uni­versitäts­klinikums Bonn hinzu.

"Dieser Klebsiella-oxytoca-Typ war so einzig­artig, dass er bisher in dieser Form noch nicht in der Daten­bank des Natio­nalen Referenz­zentrums (NRZ) für Gramnegative Kranken­haus­erreger erfasst war", erläu­terte die Leiterin des One Health-Fach­bereichs am IHPH, Ricarda Schmithausen. Diese Besonder­heit war den Angaben zufolge ein Vorteil, weil sich dadurch der Verbrei­tungs­weg eindeutig nach­voll­ziehen ließ. Weder Eltern noch das Pflege­personal hatten die Bakterien übertragen.

"Der Klebsiella-oxytoca-Typ war eindeutig im Spülfach und am Türgummi einer Wasch­maschine im Keller nach­zuweisen, mit der die hand­gestrickten Söckchen und Mützchen der Babys auf der Station gewaschen wurden", berich­tete der Direktor des Insti­tuts für Hygiene und Öffent­liche Gesund­heit der Uni­versi­täts­kliniken Bonn, Martin Exner. Über die Kleidung wurden die Keime auf die Neu­geborenen übertragen.

Normalerweise sind demnach in Kranken­häusern spezielle Wasch­maschinen und Wasch­verfahren im Einsatz, die bei hohen Tempera­turen und mit Desin­fektions­mitteln waschen - oder ausge­wiesene Wäsche­reien bereiten die Wäsche extern auf. Auf der Früh­geborenen­station handelte es sich bei dem etwas länger zurück­lie­genden Fall dagegen um eine handels­übliche Wasch­maschine, wie die Bonner Uni­versität weiter berich­tete. "Es handelt sich um einen Sonder­fall", betonte Schmithausen.

In Studien wurde bereits beschrieben, dass sich anti­biotika­resistente Bakterien in Wasch­maschinen einnisten können. "Wir haben jedoch erstmals nach­gewiesen, dass es durch eine Wasch­maschine auch zur Über­tragung von anti­biotika­resistenten Keimen auf den Menschen kommen kann", berichtete Exner.

Dieses Resultat habe unter anderem auch Konse­quenzen für den häus­lichen Bereich. Denn aus Umwelt­schutz­gründen gehe bei üblichen Haushalts­maschinen der Trend zu niedri­geren Tempera­turen deutlich unter 60 Grad Celsius. Dies sei im Prinzip eine sehr positive Ent­wicklung, weil dadurch Energie einge­spart und das Klima geschont werde, erklärten die Forscher.

Sofern jedoch pflegebedürftige, ältere Menschen mit offenen Wunden oder Blasen­kathetern oder auch jüngere Menschen mit eiternden Verlet­zungen oder Infek­tionen im Haushalt lebten, sollte die Wäsche bei höheren Tempera­turen - zum Beispiel 60 Grad - gewaschen werden, um die Über­tragung von gefähr­lichen Keimen zu vermeiden. Hygieniker sehen darin eine wachsende Heraus­forderung, weil die Zahl der in Familien versorgten Pflege­bedürftigen ständig zunimmt.

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