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Synchronizing Healthcare

"Vernetzung wird wichtiger"

Die Vinzenz Gruppe betreibt in Wien eine Zentrale Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte am Standort Speising. Im Interview mit der ÖKZ erzählt Bereichsleiterin Maria Gusenbauer von der Wichtigkeit guter Kommunikation und genauer Personaleinsatzpläne, von Haftungsfragen und logistischen Herausforderungen.

18. Oktober 2019
Elisabeth Tschachler
Schaffler Verlag, ÖKZ: 60. JG (2019) 08-09
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Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: CGM

Was war die Initialzündung für die Errichtung der Zentralen Aufbereitungseinheit?

Maria Gusenbauer: Es ging um die langfristige Optimierung der Sterilgutversorgung, darum, die Fachkompetenz der Mitarbeiter an einer Stelle zu bündeln und die kostenintensiven Maschinen, die erneuert werden mussten, zu optimieren und natürlich um die Qualitätssicherung. Früher hatte jedes Haus eine eigene, an den OP angeschlossene Aufbereitungseinheit. Bereits 2005 wurde die Ist-Situation evaluiert, zudem gab es eine Machbarkeitsstudie, auch was die baulichen Maßnahmen betraf. Es wurde ja ein eigenes Gebäude geschaffen, das optimale Arbeitsbedingungen bieten sollte. 2013 ging die Zentrale Aufbereitungseinheit in Betrieb.

Wo erleben Sie die größten Herausforderungen für einen reibungslosen Ablauf?

Gusenbauer: Sowohl die Kunden – die fünf Krankenhäuser in Wien mit insgesamt 28 OP-Sälen, zwei Pflegehäuser sowie ein Haartransplantationsunternehmen und verschiedene Ordinationen – als auch die Aufbereiter müssen sich an strikt getroffene Vereinbarungen halten. Die Anlage ist sieben Tage in der Woche 24 Stunden in Betrieb, die Arbeitsspitze ist der Nachmittag. Für Abholung und Anlieferung – jeder Kunde wird viermal pro Tag beliefert – gibt es bestimmte Zeiten, an die auch die externe Logistikfirma gebunden ist, sowie einen genauen Personaleinsatzplan, der dem Logistikplan angepasst ist. Zudem ist eine gute Kommunikation mit allen an dem Prozess beteiligten Personen Voraussetzung.

Welche Qualitätssicherungsmaßnahmen sind vorgesehen?

Gusenbauer: Die Qualität hat natürlich höchste Priorität. Gesetze und Normen verlangen, dass der gesamte Prozessablauf, wie Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Medizinprodukten, nach geeigneten validierten Verfahren durchzuführen ist. Jährlich wird überprüft, ob der Maschinenpark regelmäßig gewartet wird, ob es klare Arbeitsanweisungen gibt, ob die Aufzeichnung und Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte lückenlos nachvollziehbar sind sowie ausgebildetes Personal zur Verfügung steht. Für die gesamte Dokumentation gibt es ein EDV-gestütztes Dokumentationssystem. 2008 wurde die Anlage erstmalig zertifiziert, das heißt, das Qualitätsmanagementsystem wurde im Zuge eines Audits überprüft und die Anforderungen der Normengrundlage wurden und werden erfüllt. Zudem gibt es alle drei Monate häuserübergreifende Qualitätszirkel. Dabei analysieren die Teilnehmer Probleme und Schwachstellen aus ihrem jeweiligen Arbeitsbereich. Verbesserungsvorschläge werden diskutiert, vor allem mit dem Ziel, die Kundenzufriedenheit zu steigern. Die Mitarbeiter in den Arbeitskreisen bringen ihr Wissen sowie Ideen und Erfahrungen verantwortungsvoll ein.

Wer übernimmt die Haftung?

Gusenbauer: Grundsätzlich ist die Sterilisation dafür verantwortlich, dass die Ware vollständig und steril für den Patienten einsetzbar ist. Es werden nur Medizinprodukte aufbereitet, die über eine CE-Kennzeichnung verfügen und die vom Hersteller zur Wiederaufbereitung zugelassen sind. Für schadhafte Instrumente und Verzögerungen bei der Anlieferung wird keine Haftung übernommen.

Nach mehr als zehn Jahren, die die Anlage in Betrieb ist: Hat sich das Konzept bewährt?

Gusenbauer: Es gab 2012 eine Studie des IHS, aus der hervorgeht, dass Vernetzung im Gesundheitswesen immer wichtiger wird. Das sehen wir auch. Durch diese Art der Leistungsbündelung gelingt eine optimale Geräteauslastung und Wegeführung, darüber hinaus ist der Personaleinsatz optimiert. Die Validierungs- und Zertifizierungsverfahren sind nur einmal im Jahr notwendig und die Wartungsverträge sind gebündelt. Kurzum, es ist also zu dem gekommen, was man Synergieeffekte nennt.

Und es gibt gar keine Nachteile?

Gusenbauer: Die strikten Vereinbarungen der gesamten Logistik setzen eine vorausschauende Planung des nächsten Tages in den operativen Einheiten voraus, was dazu führt, dass die OP-Planung gut durchdacht sein muss.

Insgesamt: Was braucht es, um die Kunden zufriedenzustellen?

Gusenbauer: Abgesehen von der Qualitätssicherung braucht es ein Team, das sich an Gegebenheiten anpasst, dass sich, wie gesagt, alle an die Prozesse und Verbindlichkeiten halten, es braucht regelmäßige Schulungen und vor allem regelmäßigen Kontakt zu den externen Partnern und den Kunden. Was noch gesagt werden muss, ist, dass der Österreichischer Sterilgutverband im Orthopädischen Spital Speising den Sterilkundelehrgang Teil III für leitende Fachkräfte anbietet.

Schaffler Verlag

Zeitschrift
ÖKZ EXTRA

Ausgabe
MedTech & MEDICA 2019 (Jahrgang 60)

Verlag
Schaffler Verlag

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