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Urologen fordern Einladungssystem für Prostatakarzinom-Früherkennung

In Österreichs Gesundheits­politik sind Defizite auf­gelaufen, was die Früh­erken­nung von häufigen Krebs­erkran­kungen angeht. Die Urologen fordern ein Früh­erken­nungs-Ein­ladungs­system für Männer ab 45 Jahren für Prostata­karzinom­erkran­kungen. Gene­tische Unter­suchun­gen bei Verdacht auf erblich bedingte Erkran­kungen werden eben­falls nicht bezahlt, hieß es am Montag bei einer Presse­konferenz in Wien.

15. Januar 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildrechte: ClipDealer / SeanPrior

"Männer ab 45 Jahren sollten informiert werden. (...) Ich bin für eine Einladung. Die Aussage­kraft einer Mammo­grafie für Brust­krebs ist ähnlich jener der PSA-Unter­suchungen beim Prostata­karzinom. Ich verlange für die Männer die selben Möglich­keiten wie für die Frauen", sagte Michael Eisen­menger, Fach­gruppen­obmann Uro­logie der Nieder­öster­rei­chischen Ärzte­kammer und Präsident der Öster­rei­chischen Gesell­schaft für Mann und Gesund­heit.

Mehr, gezielte und in einem qualitäts­gesicherten System organi­sierte Prostata­krebs-Früh­erken­nung wäre wohl wichtig: 2015 wurde die Diagnose Prostata­krebs bei 4.854 öster­rei­chischen Männern gestellt. 1.128 Männer starben an einer solchen Erkran­kung. Jeder zehnte Krebs­todes­fall bei einem Mann war auf ein Prostata­karzinom zurück­zuführen. "73 Prozent der Männer wissen, dass es eine Vor­sorge­unter­suchung auf das Prostata­karzinom gibt. Aber nur 49 Prozent haben sie bisher auch durch­führen lassen", sagte Christoph Klingler, Präsident der Öster­rei­chischen Gesell­schaft für Urologie.

Derzeit werden erst 60 Prozent der Neu­dia­gnosen auf ein Prostata­karzinom im lokali­sierten und somit prinzi­piell heil­baren Stadium gestellt. Die Fünf-Jahres-Über­lebens­rate liegt zwar mittler­weile bei 92 Prozent, doch je früher Krebs der Vorsteher­drüse fest­gestellt wird, desto eher ist er heilbar oder - selbst bei einem fort­geschrit­tenen Stadium - in eine lang­fristig chronische Erkran­kung überführbar.

Früherkennung und darauf möglichst genaue gene­tische Charakte­risierung der Art der Erkran­kung wären speziell für betroffene Männer und deren Familien wichtig, wenn es um mono­gene­tisch erblich bedingten oder familiär gehäuft auftre­tenden (Prostata-)­Krebs geht. "Fünf Prozent der Erkran­kungen sind erblich bedingt durch mono­gene­tische Verän­derungen. 15 Prozent treten familiär gehäuft auf - mit gene­tischer Ursache, aber hier spielen viele Gene zusammen", sagte Shahrokh Shariat, Vor­stand der Uni­versi­täts­klinik für Urologie im Wiener AKH (MedUni Wien). Unter die erste Gruppe fallen Patienten mit Prostata­karzinomen durch Mutationen im BRCA1-, BRCA2-, ATM-, HOXB13-Gen oder mit einem vererb­baren Lynch-Syndrom. Männer mit einer HOXB13-Mutation können ein bis zu 60-prozentiges Risiko für die Ent­wicklung eines Prostata­karzinoms haben. Ebenso deutlich erhöht ist das bei Vorliegen von Mutationen in den Brust­krebs-Genen (BRCA1 und BRCA2). "Genetische Unter­suchungen wären hier für die Patienten für eine ziel­gerich­tete und wirksame indi­viduelle Therapie genauso wichtig wie für ihre Familien­ange­hörigen", sagte der Experte. In diesen Familien kommt es nämlich bei den Frauen oft sehr früh­zeitig zum Auf­treten sehr aggres­siver Mammakarzinome.

Während in den USA diese Unter­suchungen in diesem Jahr bereits in die offi­ziellen Empfeh­lungen auf­ge­nommen werden und sich damit eine Über­nahme der Kosten durch die staat­liche US-Gesund­heits­ver­sorgung Medicare ankündigt, ist davon in Öster­reich bisher nichts zu hören. Shariat formu­lierte das so: "No interest! Das wird von niemanden bezahlt." Unter den ent­sprechenden Voraus­setzungen gebe es für Frauen mit Mamma- oder Ovarial­karzinomen - und somit auch für ihre nächsten Anver­wandten - diese Gen-Tests, über die Männer im Fall eines Prostata­karzinoms jedoch nicht.

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