Close

Synchronizing Healthcare

Unspezifischer Rückenschmerz: Nicht ignorieren, sondern aktiv werden

Rückenschmerzen gehören zu den am weitest verbreiteten Gründen, warum Patienten den Arzt konsultieren. Wenn die Schmerzen keine eindeutig erkennbare Ursache haben, sprechen Experten von unspezifischen Rückenschmerzen. Viele Betroffene erholen sich binnen weniger Wochen wieder. Das heißt aber nicht, dass man das Problem ignorieren sollte, warnten Mediziner in Graz.

21. November 2019
Philipp Streinz
APAMED
Dieser Artkel wurde 15 mal gelesen.
ClipDealer / aberheide

Bildinhalt: Rückenschmerzen

Bildrechte: ClipDealer / aberheide

Nicht in allen Fällen spielen bei spontan auftretenden ausgeprägten Rückenschmerzen ernsthafte körperliche Veränderungen eine Rolle. Ursache für die Mehrzahl der sogenannten "unspezifischen" Rückenschmerzen können etwa sogenannte Funktionsstörungen im Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Gelenken und Sehnen durch Bewegungsmangel, Fehlhaltungen und einseitige Belastung sein. Vielfach tritt binnen weniger Wochen wieder ein Rückgang der Schmerzen ein.

"Das heißt aber nicht, dass man sie ignorieren sollte", hob Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV) an der Med-Uni Graz am Donnerstag per Aussendung hervor. "Im Gegenteil: Man sollte jedenfalls alles tun, um zu verhindern, dass der Rückenschmerz chronisch wird". Was angeraten ist und was nicht und wie Allgemeinmediziner und Teams in Primärversorgungszentren vorgehen sollten, hat das Grazer Institut im Auftrag des Hauptverbands der Österreichischen Sozialversicherungsträger zusammengefasst und einen Behandlungspfad für Patientinnen und Patienten mit nicht-spezifischem Rückenschmerz erstellt.

Erste Anlaufstelle und Hauptkoordinator für den Versorgungsprozess sollte laut den Grazer Experten der Arzt sein. Finden sich keine Warnhinweise auf gefährliche Verläufe wie Fieber, Ermüdbarkeit oder Schüttelfrost oder auch besonders starke Schmerzen in der Nacht, sind demnach vorerst keine Röntgen- oder MRT-Untersuchungen erforderlich. Tritt der Rückenschmerz plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auf, sei es das Wichtigste in Bewegung zu bleiben. "Viele Menschen machen den Fehler und legen sich mit den Schmerzen ins Bett. Das verschlimmert aber in der Regel die Beschwerden", hob der ärztliche Leiter des Projekts , Karl Horvath, hervor.

Wenn der Rückenschmerz keine ernst zu nehmenden Ursachen oder krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule hat, sei es wichtig, die normalen Alltagsaktivitäten nicht einzuschränken. Empfohlen werden auch Ausdauer- und Krafttraining unter Anleitung, Dehnungsübungen und Wärmetherapien. Zeigen die nicht-medikamentösen Therapien keinen ausreichenden Erfolg, können Medikamente aus der Gruppe der Nicht-Steroidalen Antirheumatika helfen, die Beschwerden zu lindern.

Erst wenn sich nach vier bis sechs Wochen keine Besserung zeigt, sollten weitere Abklärungen durch bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, CT) Labor, bzw. eine Überweisung an einen Facharzt oder Spezialambulanz erfolgen. Hält der Schmerz länger als zwölf Wochen an, spricht man von chronischem Rückenschmerz, für den es umfassende Therapie- und Rehabilitationsprogramme gibt.

Die vorliegenden strukturierten Behandlungspfade wurden auf Basis von nationalen bzw. internationalen evidenzbasierten Leitlinien erstellt und sind laut Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger "essenziell, um eine Chronifizierung zu verhindern". Sie sollen helfen, Diagnose- und Behandlungsschritte übersichtlich zu planen. "Sie geben den Patientinnen und Patienten Sicherheit, dass sie optimal nach dem Stand der Wissenschaft versorgt werden. Vertrauen in eine strukturierte Vorgangsweise verhindert unsinniges Hin- und Herlaufen von Arzt zu Arzt", begründete Probst das Projekt.

Das IAMEV in Graz wurde im Jahr 2015 gegründet und an der Med-Uni Graz angesiedelt. Hauptaufgabe ist die evidenzbasierte und praxisorientierte Forschung sowie Analysen des Versorgungsgeschehens in Einzelordinationen und in den neuen Primärversorgungseinheiten. Zu den Schwerpunkten zählen neben der Erstellung von Behandlungspfaden u.a. die Entwicklung evidenzbasierter Gesundheitsinformationen, die systematische Zusammenfassung von bestehenden Studien zu unterschiedlichen medizinischen Themen bis hin zur Erstellung von Versorgungskonzepten für neue Primärversorgungseinheiten sowie die universitäre Lehre.

Diese Website verwendet Cookies.
Mehr erfahrenOK