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Synchronizing Healthcare

Unisex für alle

Gleiche Ausstattung lautet neuerdings die Devise bei der Arbeitskleidung der verschiedenen Berufsgruppen im Krankenhaus. Was die Reinigung anlangt, geht der Trend in Richtung Auslagerung; einige heimische Spitäler betreiben aber weiterhin eine eigene Wäscherei, die ein hochtechnisiertes Logistikunternehmen darstellt.

02. Februar 2020
Christian F. Freisleben
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 12
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ClipDealer / auremar

Bildinhalt: Ausgabe Wäscherei

Bildrechte: ClipDealer / auremar

Die Dezember-Ausgabe der Österreichischen Krankenhaus-Zeitung von 1960 war zur Gänze den Wäsche- und Wäschereifragen der Spitäler gewidmet. Um die „Bewicklung von Mangeln und Pressen“ ging es da ebenso wie um das „Schrumpfen und Eingehen der Wäsche“ bis zum „Korrisions- und Versteinerungsschutz“ der Maschinen. Die Themen haben sich gewandelt. In jeder Hinsicht.

Die Zeit der nur selten gereinigten schwarzen Gehröcke für Ärzte ist lang vorbei und war es schon 1960. Da waren Ärzte bereits wie seit Ende des 19. Jahrhunderts typischerweise in Weiß gekleidet ebenso wie Krankenschwestern, bei denen manchmal Grau oder Blau dazukam. Im Bereich der Textilien, die von verschiedenen Berufsgruppen im Spital getragen werden, ortet Klaus Vander, ärztlicher Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der KAGes, derzeit eine Wende: „Es gab bislang immer die Unterscheidung der Arbeits- und Bereichskleidung. Letztere hat eine eindeutige Farbe und wird etwa ausschließlich im Operationssaal getragen. Mit Hygiene hat die Farbe nichts zu tun.“ Die grüne OP-Kleidung soll vielmehr den sogenannten Nachbild-Effekt verhindern. Nach stundenlangem Starren auf rote Operationswunden können beim Blickwechsel auf Weiß plötzlich irreale grüne Flecken visuelle Probleme des Operateurs verursachen. Grüne Kleidung neutralisiert diesen Effekt. In einigen Intensivbereichen der KAGes gibt es – wie in vielen anderen heimischen Krankenhäusern – inzwischen jedoch eine einheitliche Arbeitskleidung, die nicht mehr einer Person – und damit einem Berufsstand – zugeordnet ist, die kein aufgenähtes oder aufgedrucktes Namensschild mehr hat: Unisex-Arbeitskleidung, die in unbegrenzter Anzahl zum Wechseln zur Verfügung steht.

Anlassbezogenes Wechseln der Kleidung

Die Abkehr von der Berufskleidung vollzieht sich jedenfalls in immer mehr Spitälern. Können da die Patienten noch unterscheiden, mit wem sie es zu tun haben? Dazu Rainer Mooshammer, technischer Direktor der Oberösterreichischen Gesundheitsholding: „Die Mitarbeitenden stellen sich bei den Patienten namentlich und mit ihrer Funktion vor. Damit kann eine Verwechslungsgefahr minimiert werden. Wird eine Berufsgruppe mit einem Anliegen konfrontiert, welches nicht in ihren Kompetenzbereich fällt, weist diese den Patienten auf diesen Umstand hin und verweist an die fachlich zuständige Ansprechperson weiter.“ Zudem bestehe Tragepflicht der Mitarbeiteridentifikationskarte, auf der Name und Berufsgruppe klar ersichtlich sind.

Mitarbeiter der KAGes beziehen ihre Arbeitskleidung von Automaten, wo sie auch gleichzeitig verschmutzte Kleidung zurückgeben. Die Hosen, Hemden und Mäntel sind mit Near Field Detection (NFD) kodiert, mit einer Technologie, wie sie etwa bei Bankomatkarten zum Einsatz kommt. „Das ist eine sinnvolle Abkehr von fixen Wechselzyklen wie etwa alle 24 Stunden hin zu indikations- und anlassbezogenem Wechseln der Kleidung“, so Vander. Denn es kann ja schon nach Stunde eins eines Dienstes eine Kontamination aufgetreten sein. Die bisher damit gemachten Erfahrungen seien sehr positiv gewesen, „es gab vielleicht am Anfang leichte Irritationen, weil die verschiedenen Berufsstände nicht mehr von Weitem klar unterscheidbar waren, das war aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase kein Thema mehr.“ Vander betont, dass durch diese Vorgangsweise nicht plötzlich deutlich mehr an Schmutzwäsche anfällt. Bei namentlich gekennzeichneten Textilien wurden diese teils gehortet, um immer genug zur Verfügung zu haben, dies würde nun völlig wegfallen, es sei insgesamt deutlich weniger Wäsche im Umlauf.

Individuelle Bedürfnisse

An der KAGes versorgt zum einen ein Textilservice in Graz, das zu diesem Krankenhausträger gehört, die Mitarbeitenden mit Kleidung. Dieses besteht seit 23 Jahren, hat 115 Mitarbeiter und verarbeitet jährlich über fünf Millionen Kilogramm Wäsche, was etwa der Hälfte des Wäschebedarfs aller KAGes-Häuser entspricht. Im OP-Bereich beispielsweise wird mit Mietwäsche von einem externen Anbieter gearbeitet. Die Begründung: Für diese Textilien braucht es eine intensivere Desinfizierung, die am ehesten von externen Dienstleistern gewährleistet werden könne. Für Vander der entscheidende Punkt ist die „nachweislich desinfizierte Aufbereitung der Textilien, ausgehend von den aktuellen Guidelines dazu, ganz egal ob Miet- oder Kaufwäsche“.

Vander unterstreicht, dass das Thema Textilien auch eines ist, das mit höchst individuellen Bedürfnissen nicht nur von Berufsgruppen zu tun hat, sondern von einzelnen Personen und was diese unter Tragekomfort verstehen. In den letzten Jahren wurde versucht, hier einen Mittelweg zu finden, „allen recht machen wird man es nie können“. Es gebe immer wieder Befragungen, eine Feedbackschleife zu Behaglichkeit, Tragekomfort, Zweckmäßigkeit der Bekleidung. Ein aktueller Trend sei dabei auch, wegzukommen von Kleidung mit hohem Synthetikanteil hin zu natürlicheren Produkten. Derzeit werde vermehrt auf Fasern zurückgegriffen, die aus dem Rohstoff Holz aus nachhaltigem Anbau hergestellt werden. Ein Vorteil sei dabei auch, dass der Wasserverbrauch für den Anbau zehnmal niedriger sei als bei Baumwolle. Diese Textilien seien zudem 100 Prozent biologisch abbaubar.

Als „Flachwäsche“ bezeichnet werden Textilien, die etwa in Patientenbetten zum Einsatz kommen, auch für diese gibt es Richtlinien in Bezug auf Hygiene. „Wir haben derzeit ein Pilotprojekt laufen, bei dem es um die Implementierung von flüssigkeits-, bakterien- und virusdichten Kopfkissenbezügen für Risikobereiche wie z.B. Intensivstation und Kieferchirurgie geht“, berichtet Vander.

Zentrale Wäschereien als Ausnahmeerscheinung

Im Dezember 1960 berichtete die Österreichische Krankenhauszeitung von einer gerade anstehenden Neuerrichtung der Krankenhauswäscherei, die zum Landesklinikum St. Pölten gehörte. Die alte Wäscherei, in der Anfang der 1930er-Jahre an die 70.000 Kilogramm Wäsche pro Jahr gereinigt worden waren, war an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen, denn 1960 fielen pro Jahr 420.000 Kilo an. Es war sogar nötig geworden, aus Wäschemangel Operationen abzusetzen, Pflegepersonal musste stundenlang auf saubere Textilien warten. Überlegt wurde damals auch, wie die Wasserversorgung rund um die Uhr zu gewährleisten sei. Zentrale Wäschereien sind inzwischen eine Ausnahmeerscheinung und Nachhaltigkeit ist dort zu einem der Hauptthemen geworden:

Schon seit 1969 existiert in Penzing die Zentralwäscherei des Wiener Krankenanstaltenverbundes. Vorher im Karl-MarxHof im 19. Bezirk angesiedelt, wanderte die Reinigung 1952 zunächst nach Meidling, wo 400.000 Kilogramm Wäsche im Jahr gereinigt wurden. Heute sind es über 100.000 Leintücher, Nachthemden und T-Shirts, die dort von über 170 Mitarbeitern täglich gewaschen und desinfiziert werden. Die meiste der jährlich acht Millionen Kilogramm Wäsche stammt aus dem AKH. Inzwischen werde dort deutlich effizienter gearbeitet, auch in Hinblick auf den Verbrauch von Wasser, Energie und den Aufwand beim Transport, sagt Anton Glaninger, Leiter der Serviceeinheit Wäsche und Reinigung im Krankenanstaltenverbund. „Wuschen wir vor 50 Jahren ein Kilogramm Wäsche noch mit rund 70 Liter Wasser, so sind es heute durchschnittlich um die sieben Liter. Früher waren wir nur eine große Wäscherei, heute sind wir ein hochtechnisiertes Logistikunternehmen mit moderner Wäscherei, das seine Leistungen unter Einsatz neuester Technologie – z.B. Wäscheausgabeautomaten, umweltgerechte Wäschereitechnik, Automatisationstechnik – auch bis auf die Station erbringt.“

Wäscheaufhängen bleibt Handarbeit

Durch modernste EDV wird auch der Einsatz der für den Reinigungsprozess notwendigen Chemikalien reduziert. Das Wäscheaufhängen ist oft nach wie vor Handarbeit, allerdings wird die Wäsche nicht mehr gebügelt, sondern im sogenannten Finisher automatisiert gedampft und geföhnt. Und wie in jedem privaten Haushalt können auch nach wie vor Gegenstände für Probleme sorgen, die in den Hosentaschen vergessen wurden, also nicht nur das typische Taschentuch, sondern auch Schlüssel und Smartphones.

15 Personen sind in der seit den 1950er-Jahren bestehenden, deutlich kleineren Wäscherei des Landeskrankenhauses Steyr tätig, wo bis zu 4500 Kilogramm Wäsche täglich gereinigt werden. Das LKH Steyr ist eines der wenigen Krankenhäuser der Oberösterreichischen Gesundheitsholding, das noch eine eigene Wäscherei betreibt. Gewaschen wird die gesamte Krankenhauswäsche, mit Ausnahme der sterilen OP-Wäsche. Dazu Rainer Mooshammer: „In der Holding haben wir ein Mischsystem aus Eigen- und Fremdwäsche. Mehrheitlich leben wir in unseren Kliniken das Fremdwäsche-System, bei dem wir uns eines Mietwäsche-Dienstleisters bedienen, der unseren Kliniken die benötigten Textilien zur Verfügung stellt und reinigt. An einigen Standorten wie Steyr betreiben wir auch Eigenwäschereien. Dort stehen die Textilien in unserem Eigentum und werden vor Ort gereinigt. Ausgenommen davon ist die Sterilware. Diese wird allerorts fremdgereinigt.“

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