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Tabuthema Einsamkeit wird zur zentralen Herausforderung

Treibende Faktoren für die Zunahme von Einsamkeit gerade bei älteren Menschen sind Alters­armut und sinkender sozialer Zusammen­halt innerhalb der Generationen. Die Folgen sind ein Rückzug aus dem gesell­schaft­lichen Leben, Demo­kratie- und Politik­verdrossen­heit sowie ein erhöhtes Gesund­heits­risiko durch Einsamkeit.

26. September 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Einsamkeit im Alter

Bildrechte: ClipDealer / elbepictures

"Kontaktarmut ist Altersarmut. Die ältere Generation wird zum Opfer sinkender Gesprächs­bereit­schaft und Zuhör­fähig­keit. Menschen brauchen aber Menschen, um ihre Probleme und Gedanken zu besprechen. Drama­tisch ist für die Betrof­fenen vor allem, dass Einsam­keit tabu­isiert wird und mit großer Scham behaftet ist. Wer gibt schon gerne zu, einsam zu sein? Umso wichtiger ist es jetzt, Einsam­keit und wirkungs­volle Maß­nahmen dagegen auf die poli­tische Agenda zu setzen", sagt Senioren­bund-Präsi­dentin Ingrid Korosec. Auf der Agenda des Senioren­bundes steht das Thema freilich längst, das reicht aber nicht.

So musste etwa das Öster­rei­chische Rote Kreuz die Zahl seiner frei­willigen Helfer inner­halb von drei Jahren um fast ein Drittel erhöhen, da der Bedarf an Besuchs­diensten deutlich gestiegen ist. Sehr ernst wird es vor allem, wenn sich Menschen etwa durch eine Alters­depression zu keinen Aktivi­täten mehr aufraffen können.

Laut einer Studie der Euro­päischen Kommission fühlen sich europa­weit bereits 30 Mil­lionen Menschen einsam, 75 Mil­lionen haben nur mehr einmal im Monat Kontakt zu anderen Menschen. "Wir wissen aus den Unter­suchungen, dass die gesell­schaft­liche Teil­habe der Menschen an deren finan­ziellen Ressourcen hängt. Ein Grund mehr, warum ich so für die finan­zielle Absiche­rung durch eine ausrei­chende Pension kämpfe. Wer sich keinen Besuch im Kaffee­haus oder Ausflug leisten kann, bleibt zu Hause und vereinsamt", sagt Korosec.

Ingrid Korosec fordert neben der sozialen Sicher­heit noch weitere Maßnahmen:

  • Den Ausbau alternativer Wohn­formen wie betreutes und genera­tionen­über­greifendes Wohnen.
  • Innovative Mobilitäts­konzepte, um gesell­schaft­liche Teilhabe zu fördern.
  • Der Faktor Verein­samung muss künftig bei der Pflege­geld­ein­stufung berück­sich­tigt werden. Derzeit gilt das Motto: warm, satt und sauber - finan­zierte Zeit für Sozial­kontakte ist nicht einkalkuliert.
  • Psychosoziale Gruppen­rehabi­litation für ältere, von Einsam­keit bedrohte Menschen muss als medizi­nische Leistung eta­bliert werden, um Einsam­keit vorzu­beugen und Eigen­initia­tive zu fördern.
  • Der Ausbau und die Förde­rung der Besuchs­dienste durch die öffent­liche Hand.
  • Das Schaffen von niedrig­schwelligen sozialen Ange­boten wie etwa Begeg­nungs­orten in länd­lichen Gemeinden, zum Beispiel durch einen "gemein­samen Mittags­tisch" als Alter­native zu Essen auf Rädern.

Die Initiative Silber­netz Berlin zeigt es vor: In einer Hotline wird über Angebote für ältere Menschen (Besuchs­dienste, Mobilitäts­dienste, Beratungs­einrich­tungen etc.) infor­miert und echte Gespräche ange­boten. Der Erfolg: 30.000 Anrufe und 7.000 richtige Gespräche im ersten Jahr.

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