Close

Synchronizing Healthcare

Stammzellenspende: Lebensretter für Patienten mit Leukämie

Wenn ein Mensch an Leukämie erkrankt, ist die Blutbildung schwer gestört. Anstatt gesunder Blutstammzellen wachsen böse entartete Leukämie-Zellen im Knochenmark. Die außer Kontrolle geratenen Leukämie-Zellen verdrängen die gesunden Blutzellen. Dadurch kann die normale Blutbildung nicht mehr stattfinden. Durch die darausfolgende Armut an Blut- und Immunzellen ist das Leben des Patienten bedroht. Je nach Verlauf unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Leukämie. Akute Leukämien sind lebensbedrohliche Erkrankungen, die unbehandelt in wenigen Wochen bis Monaten zum Tod führen. Chronische Leukämien verlaufen meist über mehrere Jahre und sind im Anfangsstadium häufig symptomarm.

24. April 2020
Philipp Streinz (CGM)
Dieser Artkel wurde 153 mal gelesen.
DKMS

Bildinhalt: Lukas ist einer von vielen jungen Männern, die bereits Stammzellen gespendet haben.

Bildrechte: DKMS

Heilungsmöglichkeit Stammzellenspende

Durch die Spende und Transplantation von Knochenmark oder Blutstamm eines freiwilligen Spenders kann Leukämie prinzipiell geheilt werden. Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Transplantation ist jedoch, dass der Spender und der Patient gewebeverträglich sind. Nur bei einem Bruchteil der Patienten kann dieser gewebeverträgliche Spender in der eigenen Familie gefunden werden. Alle anderen Patienten sind auf einen freiwilligen nicht verwandten Spender angewiesen. Für Patienten mit einer bösartigen Blutkrankheit wie Leukämie ist eine Stammzellspende oft die einzige Aussicht auf Hilfe und Heilung.

Stammzellen sind für die Blutbildung verantwortlich. Sie befinden sich im Knochenmark und erneuern sich durch Zellteilung laufend. Aus Blutstammzellen entstehen reife Blutzellen (Leukozyten, Erythrozyten oder Thrombozyten). Bei der Transplantation von Blutstammzellen werden die entarteten kranken Leukämie-Zellen durch Medikamente ausgeschaltet. Dann werden die gesunden Blutstammzellen des Spenders dem Patienten wie eine Blutkonserve transfundiert. Die neue gesunde Blutbildung wächst im Knochenmark des Patienten an: Damit kann der Patient von der Leukämie geheilt und wieder gesund werden.

Wie findet man den passenden Spender?

In etwa einem Viertel der Fälle findet sich in der Familie des Patienten ein passender Spender. Dieser ist der ideale Knochenmark- oder Blutstammzell-Spender. In allen anderen Fällen muss dafür ein passender Fremd-Spender gefunden werden. In Österreich sind derzeit beinahe 70.000 Spender in verschiedenen Spenderzentren registriert. Weltweit stehen rund 30 Millionen Spender von Stammzellen bzw. Nabelschnurbluteinheiten zur Verfügung. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei nicht verwandte Personen gewebeverträglich sind, ist im Durchschnitt nur eins zu einer halben Million. Die internationale Suche nach einem passenden Spender ist also eine aufwändige telemedizinische Tätigkeit, die hierzulande vom Österreichischen Stammzellregister durchgeführt wird. Das Suchsystem über das Stammzellregister bietet einem Patienten Zugang zu allen international verfügbaren Spendern. Die Chance auf eine geeignete Stammzellspende ist somit wesentlich höher als bei einer individuellen Suche auf nationaler Ebene oder bei privaten Spendenaufrufen.

Wie kann man Spender werden?

Als freiwilliger Spender von Stammzellen kommen gesunde Personen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren infrage. Die Registrierung der Spender von Stammzellen erfolgt in Österreich in den Spenderzentren und ist bis zu einem Alter von maximal 35 Jahre möglich. Aufgrund der besseren Qualität der Stammzellen eignen sich jüngere Personen am besten. Jeder Spender muss über Zweck, Durchführung und potenzielle Gefahren der Stammzellspende umfassend von einem Arzt des Spenderzentrums informiert werden. Der Arzt untersucht auch die Spendentauglichkeit. Für die Gewebetypisierung wird eine Blutprobe oder ein Wangenabstrich abgenommen. Nach der Registrierung des potenziellen Spenders werden die Daten in das Österreichische Stammzellregister in anonymisierter Form aufgenommen. Die Spenderdaten stehen damit auch weltweit für Suchanfragen zur Verfügung. Ab diesem Zeitpunkt kann der Spender jederzeit weltweit für eine Stammzellspende angefragt werden. Nicht jede Person, die sich als Spender gemeldet hat, wird sofort als Spender benötigt. Oft dauert es Monate bis Jahre, bis man schlussendlich als Spender angefragt wird. Sobald die Gewebemerkmale mit einem blutkranken Empfänger übereinstimmen, koordiniert das Stammzellregister in der Folge den weiteren Prozess (Entnahme der Stammzellen und Transport in das Transplantationszentrum).

Wer sich als möglicher Spender von Stammzellen registrieren lassen möchte, um bei Bedarf für eine lebensrettende Stammzelltransplantation zur Verfügung zu stehen, kann sich an ein Spenderzentrum wenden. Eine Stammzellspende erfolgt freiwillig und unentgeltlich. Es entstehen dem Spender grundsätzlich keine Kosten.

Ablauf einer Stammzellspende

Die Stammzellspende kann auf verschiedene Weise gewonnen werden und wird erst direkt vor der Stammzelltransplantation durchgeführt:

  • Bei der am häufigsten durchgeführten peripheren Stammzellspende erhält der Spender fünf Tag lang einen Wachstumsfaktor, um vermehrt Blutstammzellen zu produzieren. Anschließend werden die Stammzellen ambulant mittels Stammzellapherese entnommen. Der Vorgang dauert ca. fünf Stunden. Anschließend wird die Stammzellspende für die Transplantation aufbereitet.
  • Bei der seltener durchgeführten Knochenmarkspende werden stationär in Vollnarkose mittels Punktion in den Beckenknochen ca. ein bis 1,5 Liter Knochenmark entnommen. Der Vorgang dauert rund eine Stunde. Anschließend wird die Knochenmarkspende für die Transplantation aufbereitet. Meist kann der Spender das Spital am nächsten Tag verlassen. Das Knochenmark bildet sich in wenigen Wochen vollständig nach.
  • Bei der Nabelschnurblutspende werden nach Abnabelung des Babys, in der Plazenta verbliebene Stammzellen über das Nabelschnurblut gewonnen. Dieses Restblut wird normalerweise mit der Plazenta verworfen, da es das Kind nicht benötigt. Nach der Entnahme des Nabelschnurbluts wird das Stammzellpräparat aufbereitet.

Über das Österreichische Stammzellregister (ÖSZR)

Das Österreichische Stammzellregister (ÖSZR) wird seit 2015 von der Gesundheit Österreich GmbH betrieben. Hier werden die Daten aller freiwilligen Stammzellspender, die in den österreichischen Spenderzentren gemeldet sind, gesammelt. Es ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fremdspendersuchen im In- und Ausland und weltweit mit anderen Spenderregistern verbunden.

Literatur:

1

Rosenmayr A, Pointner-Prager M: Der Fonds Österreichisches Stammzellregister und die internationale Vernetzung. Internet: https://www.goinginternational.eu/pdfs/fachartikel/Rosenmayr_Pointner-Prager_Hauptartikel.pdf Zugriff: 22.4.2020

2

Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Leuk%C3%A4mie Zugriff: 24.4.2020

3

Österreichisches Stammzellregister. Internet: https://www.gesundheit.gv.at/gesundheitsleistungen/stammzellregister/inhalt Zugriff: 24.4.2020

Diese Website verwendet Cookies.
Mehr erfahrenOK