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Synchronizing Healthcare

Schizophrenie

Gute Behandlung möglich und unbedingt notwendig

05. Oktober 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / bialasiewicz

Sowohl was Suizidalität als auch Gewalt­akte betrifft, sind Menschen mit psychischen Erkran­kungen hoch gefährdet. "90 Prozent aller Personen, die Suizid begangen haben, hatten eine psychische Erkran­kung", sagte der Wiener Psychiater Nestor Kapusta Dienstag­abend bei einem Hinter­grund­gespräch in Wien. Neben Depres­siven sind auch Schizo­phrenie­patienten besonders gefährdet.

Laut wissenschaftlichen Studien ist das Suizid­risiko bei Schizo­phrenen - etwa ein Prozent der Menschen sind von dieser Krank­heit betroffen - im Ver­gleich zur Gesamt­bevöl­kerung um das 8,5-Fache erhöht. Die Gefähr­dung bei Menschen mit Depres­sionen steigt auf das etwa 20-Fache. Eine Studie aus Toronto ergab, dass bei etwa zwölf Prozent der Selbst­tötungen eine schizo­phrene Störung im Hinter­grund fest­zu­stellen war. "Fünf bis zwölf Prozent der Schizo­phrenie-Patienten ver­sterben durch Suizid, 18 bis 55 Prozent verüben zumindest einen Suizid­versuch", sagte Nestor.

Psychisch Kranke sind laut wissen­schaft­lichen Studien einer­seits häufiger Opfer von Gewalt. Auf der anderen Seite kann - zum Beispiel bei Vor­liegen einer Schizo­phrenie - auch zeit­weise eine erhöhte Gewalt­bereit­schaft auf­treten. "Das Risiko, eine leichte Körper­ver­letzung zu begehen, war in der Gruppe Schizo­phrenie-Kranker gegen­über der All­gemein­bevöl­kerung um ein Zwei­faches erhöht, das Risiko für schwere Körper­ver­letzungen um ein Vier­faches - und das Risiko für ein Tötungs­delikt um ein Acht­faches", sagte die Linzer Gerichts­psychiaterin Heide Kastner.

Aus solchen Statistiken eine besondere Gefähr­dung abzu­leiten, sei aber auch falsch. "Mit einer Erkran­kungs­häufig­keit von einem Prozent ist jeden­falls das Risiko, Opfer eines psycho­tisch moti­vierten Gewalt­täters zu werden, deutlich geringer als das Risiko, Opfer eines psy­chisch gesunden Täters zu werden. Deshalb hat die generelle Mahnung vor der von Schizo­phrenie-Kranken ausgehenden Gefähr­lich­keit wenig alltags­prak­tische Relevanz. Immer wieder dient sie dazu, die Stigma­ti­sierung psychisch Kranker all­gemein argu­men­tativ zu unter­mauern", sagte die Expertin.

Frühzeitige Diagnose und optimale Therapie ver­ringern sowohl das Suizid- als auch das Risiko für Gewalt­ausbrüche infolge mangel­hafter Impuls­kon­trolle und auf­tretenden Wahn­vor­stellungen. "Schizo­phrenie ist heute zumeist gut behandel­bar, wenn auch noch allzu häufig nicht heilbar", erläuterte Christoph Correll, Direktor der Klinik für Psychia­trie, Psycho­somatik und Psycho­therapie des Kindes- und Jugend­alters an der Charite-Uni­versi­täts­klinik in Berlin. Die Behand­lung setze sich im Ideal­fall aus einer indi­viduell abge­stimmten Kombi­nation von medi­kamen­töser Behand­lung, Psycho­therapie und anderen thera­peu­tischen Ver­fahren wie Ergo­therapie, Sozio­therapie etc. zusammen. Als Medi­kamente kommen Anti­psychotika zum Einsatz, welche die Boten­stoffe in bestimmten Gehirn­regionen so beein­flussen, dass vor allem die psycho­tischen Positiv-Symptome (z.B. Hallu­zina­tionen, Wahn­vor­stellungen, Zer­fahren­heit der Gedanken) gehemmt werden.

"Der Therapieerfolg ist maß­geblich von der Dauer der unbe­han­delten Psychose abhängig. Je schneller nach Auf­treten der ersten psycho­tischen Phase mit einer geeig­neten Therapie begonnen wird, desto besser wirkt sich dies auf den weiteren Verlauf aus", betonte der Experte. Es gelte, Rück­fälle in psycho­tische Phasen unbedingt zu ver­hindern - denn das Gehirn lerne nicht nur "Ski zu fahren", sondern es "erlerne" auch Psychosen: Je mehr Rück­fälle der Patient erleide, desto schneller ent­wickle er eine weitere psycho­tische Episode und desto schwerer komme er wieder daraus heraus.

"Rückfälle produzieren mehr Symptome - und die Symptome produ­zieren wiederum mehr Rück­fälle. Rück­fälle ver­schlech­tern auch das Ansprechen auf die medika­mentöse Therapie enorm. Es steigt auch das Risiko für eine sekundären Therapie­resistenz als auch für eine Ver­schlech­terung der kogni­tiven Fähig­keiten", erklärte Correll.

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