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Synchronizing Healthcare

Prävention und Hilfe für Angehörige gefordert

Welt-Alzheimer-Tag

20. September 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / lightwise

Weltweit sind derzeit rund 50 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Aus Anlass des Welt-Alzheimer-Tages (21. September) fordern österrei­chische Experten mehr Prävention und vor allem mehr Hilfe und Unter­stützung für pflegende Angehörige.

"Es gibt zwar noch keine kausale, aber doch sympto­matische Therapien gegen Alzheimer und eine Reihe von vorbeu­genden Maß­nahmen. Darauf möchten wir aufmerk­sam machen", wurde Peter Dal Bianco, Präsi­dent der Öster­rei­chischen Alzheimer Gesell­schaft (ÖAG), jetzt in einer Aus­sendung zitiert. Allein in Öster­reich sind rund 130.000 Menschen von Hirn­leistungs­störungen betroffen, rund 100.000 davon leiden an Morbus Alzheimer.

"Die Zahl der Betroffenen (Patienten und Betreuer) und die hohen Folge­kosten von derzeit mehr als zwei Mil­liarden Euro pro Jahr in Öster­reich, werden sich aufgrund der stei­genden Lebens­erwar­tung bis 2050 mehr als verdoppeln. Die ÖAG und die Öster­rei­chische Gesell­schaft für Neuro­logie (ÖNG) fordern, dem Thema Alzheimer weiter­hin die nötige Aufmerk­samkeit zu widmen", stellten die Alzheimer Gesell­schaft und Verei­nigung der Neuro­logen fest. "Die Ange­hörigen von Alzheimer-Patienten brauchen best­mögliche Unter­stützung. Wir müssen dafür sorgen, dass die beste­henden Hilfs­angebote noch praxis­taug­licher werden und wirk­lich bei den Betrof­fenen ankommen", betonte ÖGN-Präsident Eugen Trinka (Uni­versi­täts­klinik Salzburg).

Bei Morbus Alzheimer gehen in speziellen Gehirn­arealen Nerven­zellen zugrunde. Die Folgen: Das Gedächt­nis schwindet, das geistige Leistungs­vermögen nimmt ab, und auch die Persön­lich­keit der Betrof­fenen kann sich verändern. Nur zwei bis drei Prozent der Alzheimer­patienten haben eine vererbte Variante der Erkran­kung. Eine Verän­derung am Chromo­som 14 ("Präsenilin1") ist dafür verant­wortlich. Die klini­schen Beschwer­den treten bereits vor dem 50. Lebens­jahr auf. Die häufigste Form aber ist die "spora­dische" Alzheimer­krankheit. Sie beginnt mit ihrer Sympto­matik zumeist erst im Alter zwischen 65 und 70 oder auch später und hat eine Verlaufs­zeit von mehr als zehn Jahren. "Dabei gibt es sehr unter­schied­liche klini­sche Verlaufs­formen. Bei manchen Patienten bleiben die Krank­heits­symptome sogar über Jahre relativ stabil", sagte Dal Bianco.

"Wir können nur die Symptome der Krank­heit beein­flussen und das Fort­schreiten der kogni­tiven Beein­träch­tigung verlang­samen", erklärte Bianco. Derzeit stehen zwei Wirk­stoffe mit unter­schied­lichen Mecha­nismen zur Verfügung. Zur Cholin­esterase-Hemmung dienen die Medika­mente Rivas­tigmin, Done­pezil und Galan­tamin. Sie wirken ähnlich, sind aber indivi­duell unter­schied­lich gut verträg­lich. Die zweite Medika­menten­gruppe sind die Glutamat­rezeptor­anta­gonisten (z.B. Memantin).

Neue Studien haben Risiko­faktoren für die Ent­stehung von Morbus Alzheimer aufge­zeigt. Wichtig ist demnach ständige geistige Beschäf­tigung. Es besteht ein Zusammen­hang zwischen der Funktion und der Struktur im Gehirn. Geistige Beschäf­tigung führt dazu, dass neue Synapsen und Verbin­dungen zwischen den Nerven­zellen ent­stehen. Blut­hoch­druck, Bewegungs­armut und Fett­leibig­keit sind ebenso ungünstig. Auch das Rauchen und Alkohol­konsum haben einen negativen Effekt.

Das Vermeiden von Risiken kann helfen, den Zeit­punkt des klini­schen Ausbruchs von Alzheimer so weit wie möglich nach hinten zu ver­schieben. "Mit multi­modalen Therapien zur Alzheimer­prävention kann man zwar keine Wunder bewirken. Aber die ersten Ergeb­nisse der soge­nannten FINGER-Studie zeigen: Mehr Bewegung, Kondi­tions­training, gesunde Ernährung, soziale Inter­aktion und Über­wachung von vasku­lären Risiko­faktoren können die Auswir­kungen der Alzheimer­hirn­ver­änderungen abmildern", berichtete Dal Bianco.

Ein Problem für pflegende Ange­hörige besteht in der Ein­stufung der Pflege­geld­stufe, da die Schwere der Erkran­kung oft falsch einge­schätzt wird. Insbe­sondere Begut­achter, die nicht oft mit Alzheimer­patienten zu tun haben, können sich täuschen lassen. "Die Patienten wollen bei der Begut­achtung gut dastehen und zeigen eine geistige Leistungs­fähig­keit, die sie im Alltag bei weitem nicht haben", erklärte der Alzheimer-Spezialist (www.alzheimer-gesellschaft.at).

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