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PRAEVENIRE: Proaktives Herangehen für Frühe Diagnose und Therapie

Krankheitsbilder und deren Symptome frühzeitig zu diagnostizieren, ist die Voraussetzung für das Setzen von Interventionen und erfolgreichen therapeutischen Maßnahmen. Doch wie und in welcher Form frühere Diagnosen und frühere Interventionen möglich sind - auch vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung - darüber diskutierten Experten beim Gipfelgespräch zum Themenkreis "Frühe Diagnose und Therapie" für die Erstellung des Weißbuchs "Zukunft der Gesundheitsversorgung".

22. Mai 2020
Walter Zifferer (CGM)
APAMED
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Bildinhalt: Userin einer Gesundheits-App

Bildrechte: ClipDealer / georgejmclittle

In Österreich herrscht Misstrauen gegenüber der Nutzung von Gesundheitsdaten. Nach Ansicht der Experten muss deshalb gelingen, die Datennutzung als "Lebensschutz" zu betrachten. Auch die Pharmawirtschaft soll als Teil des Gesundheitssystems betrachtet werden, insbesondere wenn es um die Verknüpfung und Nutzung großer anonymisierter Datenmengen für die Diagnostik geht.

Im Unterschied zu den USA, wo zu 90% die Krankengeschichten abrufbar sind, fehlt es in Österreich flächendeckend an elektronischen Krankengeschichten. Gerade die elektronische Gesundheitsakte würde ermöglichen, Menschen mit besonderen, z.B. genetisch bedingten, Risikofaktoren zu eruieren, diese gezielt beispielsweise via Hausarzt zu konsultieren und in weiterer Folge therapeutisch zu begleiten. Geht es nach den am Gipfelgespräch teilgenommenen Experten, so soll eine proaktive Herangehensweise für "Frühe Diagnose und Therapie" forciert werden.

Patienten in ihrer Gesamtheit

Je früher eine Diagnose erfolgt, umso eher kann mit einer erfolgsversprechenden Therapie begonnen werden. Eine optimale Wirkung setzt wiederum innovative Medikamente und maßgeschneiderte Therapiepläne voraus. Gerade bei chronisch Kranken sei die Aufklärung durch den Arzt und motivierende Faktoren für ihre Therapietreue äußerst wichtig. Die Zeitkomponente ist nach Ansicht der Mediziner ausschlaggebend für eine gute Primärversorgung und Beratung. Ein Abgehen der Verrechnung von Einzelleistungen hin zu einer Modulabrechnung und Abgeltung von Tele-Medizin und Tele-Kommunikation könnte unterstützen, dass Patienten in ihrer Gesamtheit gesehen und behandelt werden.

Auch eine strukturierte Verschränkung der Gesundheitsberufe würde zu mehr Effizienz, besserem Outcome und mehr Sicherheit für Patienten führen. Es sei allzu oft beobachtbar, dass es an einem konsequenten Disease Management fehle. Ausschlaggebend für eine optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten sei ein Miteinander der einzelnen Gesundheitsberufe und nicht ein Nebeneinander oder Gegeneinander. Als erfolgreiches Beispiel für eine bessere Verzahnung der einzelnen Berufsgruppen wurde das oberösterreichische Weiterbildungsprojekt der Krebsakademie genannt. Bei diesem sind gemeinsame Lern- und Lehr-Module eingeplant. Die Erfahrung zeigt, dass die Absolventinnen und Absolventen größeres Verständnis für andere Gesundheitsberufe zeigen, deren Tätigkeitsfelder besser kennen und in Folge auf dieses Netzwerk zurückgegriffen wird.

Einig waren sich die Experten auch darin, dass es den Menschen mittels strukturierter Maßnahmen möglichst leicht gemacht werden muss, Präventionsangebote zu nützen. Das könne beispielsweise über zertifizierte qualitätsvolle Gesundheits-Apps erfolgen. Und auch Apotheken bieten durch ihre niederschwelligen Kontakte mit rund 420.000 Menschen pro Tag eine ideale Möglichkeit für eine frühere Intervention.

Dass in den einzelnen Bundesländern zwar zahlreiche Pilotprojekte für eine frühere Diagnose und Therapie initiiert werden, diese jedoch trotz erfolgreicher Evaluierung aufgrund des Föderalismus nicht von anderen Bundesländern übernommen werden, sorgt bei den am Gipfelgespräch teilgenommenen Experten für Unverständnis und soll sich im Interesse der Patienten ändern. Wichtig wäre zudem die Errichtung einheitlicher Register, welche das große Potenzial bieten, steigende Behandlungs- und Therapiekosten effizient zu kontrollieren und die Evidenz neuer Anwendungen oder Finanzierungsmodelle zu zeigen.

Beim Themenkreis Frühe Diagnose und Therapie für das Weißbuch "Zukunft der Gesundheitsversorgung" wirken u. a. mit:

Mag. pharm. Monika Aichberger, Dr. Gerald Bachinger, Dr. Andrea Vincenzo Braga, Dr. Thomas Czypionka, Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Dr. Achim Hein, Andreas Huss, MBA, Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser, KommR Matthias Krenn, Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, MSc, Mag. Ulrich Lübcke, Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Priv.-Doz. Dr. Johannes Pleiner-Duxneuner, Dr. Erwin Rebhandl, Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Priv.-Doz. Mag. pharm. DDr. Philipp Saiko, Mag. Martin Schaffenrath, Dr. Günter Schreiber, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hannes Stockinger, Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Mag. pharm. Thomas W. Veitschegger, Mag. DDr. Wolfgang Wein (Stand 20. Mai 2020).

PRAEVENIRE Weißbuch "Zukunft der Gesundheitsversorgung"

Bis Ende April fanden die abschließenden Gipfelgespräche zu den 15 Themenkreisen statt. Im Oktober erfolgt im Rahmen der 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten die Präsentation und Diskussion des Weißbuchs "Zukunft der Gesundheitsversorgung" (Version 2020) durch PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling. Auch wird im Herbst die Übergabe des Weißbuchs an die Bundesregierung und die Landesregierungen erfolgen.

5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten

Die 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten finden vom 14. - 16. Oktober 2020 statt. In diesen Tagen wird der Verein PRAEVENIRE mit dem Weißbuch "Zukunft der Gesundheitsversorgung" Version 2020 sowohl erste Vorschläge zur Optimierung der Gesundheitsversorgung präsentieren als auch mit Top-Experten an einer Weiterentwicklung arbeiten. Informationen zu Programm und Anmeldung unter www.praevenire.at

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