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Synchronizing Healthcare

Patienten in ihrem Leben betreuen

Was können Jungmediziner von erfahrenen Hausärzten lernen? Eindrücke von der Salzburger Summer School Allgemeinmedizin 2019.

14. Dezember 2019
Erika Pichler
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 11
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ClipDealer / CandyBoxImages

Bildinhalt: Ärztin mit Patient

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Spricht man mit Medizinstudierenden, die die Salzburger Summer School Allgemeinmedizin absolviert haben, hat man für kurze Zeit das Gefühl, es könnte alles gut werden mit dem Hausärztewesen in Österreich. „Ich finde, es ist wahnsinnig vielseitig. Man erlebt Patienten jeden Alters und mit Krankheitsbildern aus allen Fächern“, sagt Ilia Valentin, Studentin im elften Semester an der Medizinischen Universität Innsbruck. Ursprünglich sei es nicht ihr Ziel gewesen, praktische Ärztin zu werden, so Valentin, die inzwischen das Klinisch-Praktische Jahr begonnen hat. Sie sei einfach auf der Suche nach einer Sommer-Fortbildung gewesen, um generell mehr Praxis zu bekommen. Angeregt durch die Summer School, denke sie inzwischen jedoch darüber nach, sich der Allgemeinmedizin zuzuwenden. Die Vorstellung, nach kurzer Zeit eine Praxis zu eröffnen, sei attraktiv. Außerdem empfinde sie die Tätigkeit einer Hausärztin als familienfreundlich – im Unterschied zum eher vereinnahmenden Klinikalltag mit vielen Nachtdiensten. Dass derzeit gerade auch der Landarztberuf mancherorts als 24/7-Tätigkeit empfunden wird, ist Valentin nicht entgangen, bewirkt aber keinerlei Abschreckung. Möglich, dass in dieser Generation bereits die Arbeit in Gruppenpraxen oder auf geteilten Kassenstellen als realistisch gilt. Möglich auch, dass der medizinische Nachwuchs bei der Summer School durch den Einblick in die Ordinationen von Ärzten, die selbst von ihrem Fach begeistert sind, mit dem Virus der Allgemeinmedizin infiziert wurde.

Freundschaftliche Beziehungen

Die Summer School, die im September zum dritten Mal stattfand, soll auch in Zukunft in einer Zusammenarbeit des Landes Salzburg, der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und anderer Partner organisiert werden. Medizinstudierende ab dem vierten Semester werden dabei für eine Woche kostenlos in einem Studentenheim untergebracht und bekommen die Möglichkeit, Charakteristika der Allgemeinmedizin theoretisch und praktisch aufzuarbeiten, spezifische Skills in Workshops zu trainieren, erfahrene Hausärzte in der Ordinationsarbeit zu beobachten und sich mit ihnen auszutauschen. „Sehr schön fand ich, den Unterschied zwischen einer städtischen Ordination und einer ländlichen wahrzunehmen: die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Arzt und Patient“, sagt die Wiener Medizinstudentin Bora Kim. Auch dass die Gesprächsthemen „über die Krankheit hinaus gingen“, also auch Hobbys und anderes angesprochen wurde, habe ihr gefallen.

Für Kim hat gerade das vierte Studienjahr begonnen. Schon bisher konnte sie im Zuge des Studiums Erfahrungen in verschiedenen Ordinationen – Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Urologie, Dermatologie – sammeln. „Aber ich habe das Gefühl gehabt, dass mir die Bandbreite an verschiedenen Erkrankungen fehlt. In Facharztordinationen hat man zwar den Vorteil, dass man gewisse Fälle antizipieren kann und immer vertrauter wird mit dem spezifischen Fach, jedoch gehen andere Erkrankungen aus anderen Disziplinen dadurch aus dem Blickfeld“, sagt Kim. „Darüber hinaus kann ich mir vorstellen, vielleicht bedingt durch mein vorangegangenes Psychologie-Studium, dass ich das Bio-Psycho-Sozial-Modell in einer Allgemeinarztpraxis besser anwenden kann als in anderen Facharztrichtungen.“ Besonders attraktiv finde sie auch die Vorstellung, als Hausärztin „die Patienten in ihrem Leben mit ihren Familienmitgliedern zu betreuen, die mit diversen Problemen zu mir kommen, und dabei junge bis ältere Patienten zu haben“. Auch aus dem theoretischen Unterricht habe sie sehr viel mitnehmen können, zum Beispiel zu den Themen Manuelle Therapie, Notfallmedizin und Hypertonie-Einstellung. Beide Studentinnen würden sich auch innerhalb des Studiums mehr derartige Möglichkeiten wünschen.

Noch mehr Praxis

Ähnlich sieht dies Maria Flamm, Leiterin des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der PMU. Bei der Summer School gehe es sowohl um theoretische als auch praktische Kenntnisse, die im Studium eher zu kurz kämen. „Neben fachlichen Inhalten sind gerade die frühzeitige und longitudinale Praxiserfahrung in der allgemeinmedizinischen Lehrordination (also während der Famulaturen und Pflichtpraktika an der jeweiligen Universität, Anm.) wesentlich für das Fachverständnis und die Wissensvermittlung“, sagt Flamm. Die Universitätsprofessorin ist zusammen mit Sebastian Huter (Junge Allgemeinmedizin Österreich, Institut für Allgemeinmedizin der PMU), Christoph Dachs (Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Lehrarzt der PMU) und Magdalena Margreiter (Koordination Turnusärzte der SALK) für den Programminhalt der Salzburger Summer School Allgemeinmedizin verantwortlich. An der PMU werde bereits im ersten Studienjahr mit Praktikumstagen begonnen, sagt Flamm. Im fünften Studienjahr absolvierten alle Studierenden ein vierwöchiges Pflichtpraktikum im Rahmen des Klinisch-Praktischen Jahres. Dennoch könne das Medizinstudium aber auch an der PMU noch mehr Praxis vertragen. „Praxistrainings und beispielsweise vertiefende Landarzttracks für interessierte Studierende haben sich bereits bewährt.“

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