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Synchronizing Healthcare

Organisationsentwicklung 2019

Intensivverbund am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried (Vinzenz Gruppe)

23. November 2019
Roland Schaffler
SCHAFFLER VERLAG, QUALITAS: 03/2019
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ClipDealer / Frl.Krause

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Bildrechte: ClipDealer / Frl.Krause

Das letzte Mal so beeindruckt war der abgebrühte Krankenhausberichterstatter, als er nach hundert Krankenhäusern zufällig das eine besucht hat, wo ihn alle dreizehn Mitarbeiter, die ihm am Gang begegneten, grüßten. Das ist dreizehn Jahre her. Es ist seitdem nicht wieder geschehen.

Im September 2019 sitzen vor ihm ein stolzer Qualitätsmanager der ersten Stunde, ein Primararzt, die PR-Chefin und der ärztliche Leiter des Hauses. Später wird noch ein Paprikahendl aus der Spitalsküche dazukommen. Aber das beeinflusst einen unabhängigen Qualitätsreporter nicht. Es war nicht das – zugegeben – sehr feine Hendl (Paprikahuhn). Es waren die Idee, die Konzeption und ihre Umsetzung, die ihn diesmal bewegten: einen Intensivverbund aus drei Versorgungseinheiten – Anästhesie, Innere Intensiv und Stroke Unit – zu schaffen. Im August 2019 wurde er bezogen, nein, achtsam mit Leben erfüllt.

Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried fällt QM-Insidern ja schon jahrzehntelang auf: strukturiertes QM als Stabsstelle der Geschäftsführung seit 1998, 2001 erste externe Risikoaudits, 2005 als erstes Spital in Österreich nach KTQ-proCum Cert zertifiziert, zugleich als bestes von insgesamt 131 bis dahin qualitäts- und wertezertifizierten Krankenhäusern in Deutschland und Österreich ausgezeichnet, die 3-tägige „Quality Street“ – eine Art interne Projektmesse für Mitarbeiter und Kooperationspartner, die „Qualitäts-Millionenshow“ zur Vorbereitung auf die Visitation und 2009 die ersten Aktionstage zur Patientensicherheit unter Einbindung von Experten und Bevölkerung. Das alles ist der gut vorbereitete Boden für seinen jüngsten Streich in der Organisationsentwicklung.

Dass drei Abteilungen eines Schwerpunktspitals einen Intensivverbund der drei Versorgungseinheiten Anästhesie, Innere Intensiv und Stroke Unit schaffen, ist mehr als die Bündelung der Expertise aus drei Fachbereichen. Es ist auch mehr als ein komplexes Bauprojekt bei laufendem Betrieb. Die gemeinsam erarbeitete Geschäftsordnung für den Intensivverbund bringt Innovationen und Klarheit in den Prozessen und Behandlungsabläufen mit über alle drei Bereiche nahtlos abgestimmter Patientenbehandlung, die auch durch den unmittelbar räumlichen Verbund ermöglicht werden.

Die ruhige, helle, runde und moderne Anlage der anästhesiologischen Intensiveinheit mit 7 Betten, der inneren Intensiveinheit ebenfalls mit 7 Betten und der Stroke Unit mit 6 Betten erleichtert interdisziplinären Austausch durch kurze Wege, optimierte Prozesse für Mitarbeiter und Patienten und schafft eine besondere Atmosphäre der Ruhe, da Lärm als ein wesentlicher Stressfaktor minimiert werden konnte. Die Intensivräume genießen die Anbindung nach draußen durch Fenster in den Park.

Im Hinblick auf die Ausbildung von Fachärztinnen und Fachärzten bringt die enge Zusammenarbeit der medizinischen Disziplinen eine Qualitätssteigerung, was auch die Attraktivität des Krankenhauses als Arbeitgeber erhöht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Medizin und Pflege finden eine angenehme Arbeitsumgebung mit modernen Strukturen und Ressourcen vor. Die Kooperation von drei Abteilungen und die gemeinsame Pflegeorganisation sind heute noch alles andere als selbstverständlich und konnten nur in einem achtsamen Vorgehen in der Vorbereitung erreicht werden.

„Unser Intensivverbund ist ein Novum in der österreichischen Spitalslandschaft“, fasst Andreas Kampfl, Leiter der Neurologie mit Stroke Unit, zusammen. „Der Grund dafür, dass sich unsere drei Abteilungen dazu entschlossen haben, fächerübergreifend so eng zusammenzuarbeiten, liegt in den komplexen Krankheitsbildern der Patientinnen und Patienten, die wir behandeln. Lebensbedrohlich erkrankte Menschen haben oft mehr als eine Krankheit und benötigen deshalb die Expertise verschiedener medizinischer Fächer.“

„Wir haben in unserer Arbeitsgruppe, die aus den Führungskräften der Pflege und Medizin unter Moderation unseres Qualitätsmanagers bestand, die Organisation im Sinne eines gemeinsamen Verbundes neu aufgestellt“, erklärt Thomas Winter, Leiter der Abteilung für Innere Medizin II (Kardiologie). „Stroke Unit, anästhesiologische Intensivmedizin und internistische Intensivmedizin liegen nun auf einer Ebene und sind eng vernetzt.“

„Wenn ich jetzt in den Intensivverbund gehe, nehme ich eine beeindruckende neue Atmosphäre wahr. Die Ruhe und das Farbkonzept sowie das ausreichende Platzangebot wirken sich positiv auf unsere Patienten und ihre Angehörigen aus“, beschreibt Peter Hohenauer, Leiter der Anästhesie, Intensiv- und Palliativmedizin, seine ersten Erfahrungen. „Die Prozesse, die wir geplant haben, funktionieren sehr gut. Nach knapp einem Monat im Intensivverbund sind unsere ärztlichen und pflegerischen Teams schon gut zusammengewachsen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es uns, den intensivmedizinisch betreuten Patienten eine bestmögliche Versorgung zu bieten.“

Zahlen, Daten und Fakten zum Intensivverbund

(Zahlen aus 2018)

<b>Fachliche Einheit</b>
Anästhesie Intensiv
Aufnahmen
580
Verweildauer
3,2
jüngster Patient
17
ältester Patient
96
Ärzte
25
Pflege
<b>Fachliche Einheit</b>
Innere Intensiv
Aufnahmen
603
Verweildauer
2,5
jüngster Patient
13
ältester Patient
95
Ärzte
12
Pflege
<b>Fachliche Einheit</b>
Stroke Unit
Aufnahmen
893
Verweildauer
2,0
jüngster Patient
18
ältester Patient
98
Ärzte
13
Pflege
<b>Fachliche Einheit</b>
Ergebnis
Aufnahmen
2.076
Verweildauer
2,5
jüngster Patient
-
ältester Patient
-
Ärzte
50
Pflege
59
Schaffler Verlag

Zeitschrift
Qualitas

Ausgabe
03/2019

Verlag
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