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Synchronizing Healthcare

Österreichische Wachkomagesellschaft

Vor 19 Jahren wurde die Österreichische Wachkomagesellschaft (ÖWG) mit dem Zweck gegründet, einer vernachlässigten Patientengruppe eine Stimme zu geben. WachkomapatientInnen wurden früher als „Pflegefall“ in Heimen untergebracht, in denen sie meist ohne gezielte Therapiemaßnahmen ihr restliches Leben verbrachten.

27. Juni 2020
Jörg Hohensinner MBA MSc & Prim. Dr. Gerald Pichler MSc
SCHAFFLER VERLAG, QUALITAS: 01/20
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Österreichische Wachkoma Gesellschaft

Bildinhalt: Logo Österreichische Wachkoma Gesellschaft

Bildrechte: Österreichische Wachkoma Gesellschaft

Menschen im Wachkoma (auch Apallisches Syndrom genannt) haben eine komplexe Schädigung des Gehirns erlitten, die in den meisten Fällen durch einen ausgeprägten Sauerstoffmangel (z.B. nach Reanimation), durch schwere Gehirnblutungen oder Traumata (z.B. durch Verkehrsunfälle) hervorgerufen wurde. Nach dem Koma beginnen die Betroffenen die Augen zu öffnen, zeigen aber keine adäquaten Reaktionen auf äußere Reize. Die Wahrnehmung der Umwelt und der eigenen Person ist massiv beeinträchtigt oder fehlt völlig. Sie leiden unter hochgradigen Lähmungen, können nicht verbal kommunizieren und sind inkontinent. In den allermeisten Fällen funktionieren aber Atmung und Herzschlag ohne externe Unterstützung.

Das Leben von Wachkomapatienten hängt somit nicht von Maschinen ab. Sie sind nicht sterbend und auch nicht hirntot. Sie sind Menschen mit einer ausgeprägten Hirnschädigung, die unsere vollkommene Aufmerksamkeit und Hilfe benötigen. Was viele nicht wissen: Es gibt durch gezielte Therapie, vor allem bei traumatischer Hirnschädigung, die Möglichkeit zur Remission, d.h. zur langsamen Rückerlangung kognitiver Fähigkeiten. Nicht alle Patienten zeigen das Vollbild des Apallischen Syndroms und sind dadurch auch unterschiedlich schnell in der Lage, sich zu erholen.

Die ursprünglich in Wien gegründete Gesellschaft verlegte ihren Sitz im Jahr 2017 in die Steiermark in die Albert Schweitzer Klinik der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz. Damals wie heute verfolgt die ÖWG die Ziele, Öffentlichkeitsarbeit, Lehre und Forschung zu betreiben, umfassende Informationen für alle sich im Umfeld der Patienten befindenden Personen zur Verfügung zu stellen und die Betreuungsstrukturen in Österreich zu verbessern. Die ÖWG steht dabei für Beratung an der Seite der Angehörigen. Durch Teilnahme an und Veranstaltung von Tagungen rund um das Thema Wachkoma im In- und Ausland wird Raum für den wissenschaftlichen und politischen Austausch geschaffen, um das Versorgungsniveau der Betroffenen stetig auf dem höchstmöglichen Stand zu halten.

Bei der Jahrestagung der ÖWG zum Thema „Herausforderung Ernährung und Verdauung“ im Oktober 2019 wurden neue Erkenntnisse vorgestellt, die die Ernährung von Wachkomapatienten betreffen. Hierzu gab es ausgezeichnete Vorträge zu den Themen „Physiologie des Schluckens sowie diagnostische und therapeutische Möglichkeiten bei Schluckstörungen“, die Therapie des Facio-oralen Trakts (F.O.T.T.) und „Rechtliche Überlegungen zum Flüssigkeits- und Nahrungsentzug bei PatientInnen im Wachkoma“.

Spender können die ÖWG finanziell unterstützen, um ihre Aktivitäten und den Kauf von teuren Therapiemitteln zu ermöglichen. Ein Beispiel dafür war der 2019 getätigte Kauf eines Augensteuerungscomputers (mytobii), über den Patienten durch Fokussieren von Symbolen auf dem Bildschirm kommunizieren können. Es werden auch Angehörige unterstützt, die die Pflege von Betroffene zuhause selbst übernehmen. Hierbei hilft die ÖWG sowohl bei der Anschaffung von teuren Gerätschaften, wie Duschliften oder Rollstühlen, als auch bei der Vermittlung von Wissen zur praktischen Anwendung. Die SpenderInnen und Mitglieder der ÖWG ermöglichen so gemeinsam seit 19 Jahren die Bewältigung vielschichtiger Probleme im und um das Leben von WachkomapatientInnen.

Weitere Informationen zu Aktivitäten, Beitrittsmöglichkeiten und Spenden finden Sie unter www.wachkoma.at 

Schaffler Verlag

Zeitschrift
Qualitas

Ausgabe
01/2020 (Jahrgang 19)

Verlag
Schaffler Verlag

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