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Synchronizing Healthcare

My Way

Im Klinikum Wels-Grieskirchen werden Patienten dazu animiert, bei der Visite gezielt Fragen zu stellen und mithilfe eines Tagebuchs den Prozess von Diagnose und Therapie aktiv mitzugestalten.

12. Februar 2020
Christian F. Freisleben
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 12
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Klinikum Wels-Grieskirchen / www.robertmaybach.com

Bildinhalt: Visite

Bildrechte: Klinikum Wels-Grieskirchen / www.robertmaybach.com

Maximilian Aichinger findet, es kann gar nicht genug getan werden, um die Patienten aktiv in den Behandlungsprozess einzubeziehen und ihre Gesundheitskompetenz zu stärken. Eine konkrete Maßnahme dazu ist das Projekt my way, das Aichinger, er ist Leiter des Direktionsbüros im Klinikum Wels-Grieskirchen, initiiert und mit der Geschäftsführung abgesprochen hat. Anlass waren Überlegungen zur Frage, was ein Ordenskrankenhaus wie das Klinikum Wels-Grieskirchen von anderen Spitälern unterscheidet, „wie besondere Zuwendungsqualität im Stationsalltag aussehen kann“, so Aichinger.

Anregungen für das Projekt, bei dem Patientenkommunikation im Fokus steht, fand er in der Art und Weise der medizinischen Betreuung an der Universität Cambridge. Gestartet wurde my way 2016 zunächst in den Bereichen Kardiologie und Neurologie mit verschiedenen Berufsgruppen, unter anderen auch mit einer Psychologin. Das interdisziplinäre Team arbeitete nicht nur in der Dienstzeit daran, sondern „engagierte sich aber auch darüber hinaus, etwa bei der Recherche“, beschreibt Aichinger. Inzwischen ist das Projekt auf beide Standorte des Klinikums und alle Abteilungen ausgerollt. Gerade bei Herzpatienten gehe es sowohl um psychische Faktoren als auch die Notwendigkeit von nachhaltig wirksamen Lebensstiländerungen.

Und da habe sich immer wieder gezeigt, dass manche Patienten immer wieder ins Krankenhaus kommen, weil ihnen Letzteres nur sehr bedingt gelungen ist.

Sorgen und Wünsche äußern

Zentrale Elemente von my way sind eine Informations-Karte, eine Visite- und Diagnose-Karte und ein Tagebuch. Wie damit umzugehen ist, wird den Patienten von Stationsassistenten erklärt und es gibt ergänzende Informationsmaterialien. „Auf der Visite-Karte notieren sich Patienten Fragen, die sie behandelnden Ärzten oder auch Pflegekräften stellen wollen“, sagt Aichinger, der weiß, wie schwer sich manche Patienten damit tun, ihre Sorgen und Wünsche gegenüber dem medizinischen Personal zu formulieren. Oft sprechen sie ihre Bedürfnisse erst nach der Visite an, nicht selten mit Reinigungskräften oder Zimmernachbarn. Die Visite-Karte trägt umgekehrt mit Impulsfragen an die Patienten dazu bei, dass diese in einen intensiveren Reflexionsprozess eintreten, sich mit ihrem Genesungsprozess und damit, was sie selbst dazu beitragen könnten, auseinandersetzen. „Durchbrochen wird so auch eine immer wieder anzutreffende ‚All you can eat‘-Mentalität von Patienten, die darauf warten, dass alle Lösungen von außen kommen, sich zurücklehnen und abwarten.“

Im Feld Diagnose auf der Visite-Karte werden Patienten ermuntert, sich Notizen zu ihrer Krankheit zu machen bzw. dazu, in einem Tagebuch Informationen zu notieren.

Patienteninterviews zeigen deutlich die positiven Effekte von my way. „Patienten fühlen sich deutlich intensiver gehört und wahrgenommen. Sie sind viel stärker motiviert, Fragen zu stellen“, berichtet Aichinger. Die Visite-Karte an sich rückt dann in den Hintergrund, da Patienten beginnen, von sich aus Fragen aufzuschreiben oder sich gedanklich intensiver mit bevorstehenden Begegnungen mit Medizin, Pflege und anderen Gesundheitsgruppen auseinanderzusetzen und dort dann eine aktivere Rolle zu übernehmen. „Das bedeutet, dass viel konkretere Fragen gestellt werden, schneller ein Dialog entsteht“, freut sich Aichinger. Dies würde auch Druck vom Personal nehmen, das sonst mit Nachfragen versucht, das Schweigen von Patienten zu durchbrechen.

Ein weiterer Aspekt von my way sind zudem Kommunikationsschulungen für Medizin und Pflege sowie aktuelle Informationen im Intranet zum Projekt.

Das Projekt my way …

… wurde initiiert von: Maximilian Aichinger, Leiter des Direktionsbüros des Klinikums Wels-Grieskirchen

… kostet: minimale Druckkosten, Arbeitszeit der Mitarbeiter des interdisziplinären Teams

… bringt Patienten: Motivation, sich intensiver mit der eigenen Gesundheit und dem Genesungsprozess auseinanderzusetzen

… bringt Mitarbeitern: mehr Informationen, die von den Patienten kommen, wodurch eine individuellere Behandlung ermöglicht wird

… wird evaluiert: in Kooperation mit Joanneum Research durch Befragung von Patienten

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