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Maßnahmenpaket steht laut Kanzler Kurz für diese Woche

Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung gegen die Corona-Krise steht laut Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) weitgehend für diese Woche. Es werde täglich noch kleinere notwendige Adaptierungen geben, etwa beim Flugverkehr, sagte Kurz Montagfrüh in "Ö3". Eine Stunde lang beantwortete der Bundeskanzler Fragen der Bevölkerung.

16. März 2020
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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BKA / Andy Wenzel

Bildinhalt: Sebastian Kurz

Bildrechte: BKA / Andy Wenzel

"Das Maßnahmenpaket steht in Summe", so Kurz. "Wir sind richtig aufgestellt für diese Woche." Es sei gut vorbereitet und implementiert worden.

Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg in Österreich bis Montagvormittag auf mehr als 1.000 Fälle an. Aktuell gebe es 1.018 Covid-19-Erkrankungen, sagte Detlef Polay, Sprecher des Einsatzstabs im Innenministerium.

Einen Zuwachs gab es aber auch bei der Zahl der genesenenPatienten. Sie stieg von bisher sechs auf nunmehr acht - zwei in Tirol, fünf in Wien und eine Person in Niederösterreich. Rund 8.500 Tests wurden laut Polay bisher landesweit durchgeführt.

Die meisten bestätigten Fälle von Ansteckungen mit SARS-CoV-2 wurden dem Ministerium aus Tirol gemeldet: Hier stieg die Zahl der beim Gesundheitsministerium eingemeldeten Fälle von 254 (Stand Montag 8.00 Uhr) auf 294. Aus Niederösterreich wurden 155 Fälle berichtet, in Wien waren es weiterhin 122, in der Steiermark 115, in Oberösterreich 196, in Salzburg 56, im Burgenland 10, in Vorarlberg 60 und in Kärnten zehn.

Das Gesundheitsministerium führt auf seiner Homepage weiterhin einen bestätigten Todesfall an - ein 69-Jähriger war Mitte vergangener Woche in Wien verstorben. Bestätigt wurde mittlerweile, dass am Wochenende in der Bundeshauptstadt ein zweiter Patient an Covid-19 gestorben ist. Bei ihm handelt es sich um 72-jährigen Schwerkranken und nicht wie zunächst berichtetet um einen 65-Jährigen, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien. Am Montag meldete zudem das Land Steiermark einen weiteren Todesfall: eine mit dem Coronavirus infizierte Steirerin, Jahrgang 1944, die sich in stationärer Behandlung befunden hatte. Die Frau hatte an Vorerkrankungen - Niereninsuffizienz und Diabetes - gelitten, hieß es seitens der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes). Die Patientin war am Freitag aus einem Altersheim ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Die nächsten vier Wochen werden über die Bewältigung der Corona-Krise entscheiden, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) heute. Schon bis Ende der Woche sollte sich zeigen, wie stark die gesetzten Maßnahmen zur Absenkung des deutlich steigenden Trends bei den Erkrankungen führen. Derzeit werden zwölf Erkrankte intensivmedizinisch behandelt, 107 sind in stationärer Behandlung.

In den vergangenen sieben Tagen nahmen die Fallzahlen täglich im Durchschnitt um 36 Prozent zu. Von Sonntag auf Montag (jeweils immer Stand 8.00 Uhr) wurde hingegen ein Anstieg um 20 Prozent von 800 auf 959 registriert. Die Altersverteilung der bisher bestätigten Fälle zeigt: Die Erkrankten sind im Durchschnitt relativ jung. Nur 130 Betroffene sind laut Gesundheitsministerium älter als 64, weitere 134 zwischen 55 und 64 Jahre, alle anderen jünger.

Die bisherigen Krankheitsverläufe seien relativ ermutigend: Bei weit über 85 Prozent verläuft die Krankheit bisher milde, sie befinden sich in Heimquarantäne.

"Die Zahl der Coronavirus-Fälle steigt weiterhin von Tag für Tag viel zu stark an", warnte Anschober. "Wenn wir unsere Sozialkontakte um ein Viertel reduzieren, dann können wir das Ansteckungsrisiko beinahe halbieren." Jeder einzelne sei in der Verantwortung, appellierte der Minister abermals.

Die effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz vor der Ansteckung mit dem Coronavirus seien eine gute Händehygiene, korrekte Hustenetikette und das Einhalten eines Mindestabstandes von einem bis zwei Metern, erinnerte das Ministerium. Die beiden Hotlines verzeichnen derzeit etwa 50.000 Anrufe täglich.

"Wir stehen ganz am Anfang", sagte Bundeskanzler Kurz. Die Ausbreitung der Infektionen werde sich nächste Woche "mit massivem Tempo fortsetzen. Jeden, der die Hoffnung hat, dass die Maßnahmen von heute auf morgen wirken, muss ich enttäuschen", betonte Kurz. Die strengen Regelungen inklusive Ausgangsbeschränkungen gelten "zumindest für eine Woche, dann gibt es Chance auf Besserung, dann können wir das Schlimmste verhindern".

"Halten wir zusammen, es geht um viel, um unsere Gesundheit, und für viele ältere Menschen geht's ums Überleben", appellierte der Bundeskanzler an die Vernunft und das Gewissen der Bevölkerung. Die Krise werde "umso schneller überstanden sein, je disziplinierter wir Österreicher sind", betonte er. Die Erfahrungen aus anderen Ländern seien jedenfalls "nicht sehr beruhigend".

Er gehe davon aus, "dass die Herausforderung einige Monate andauert", sagte Kurz. Der Kanzler hat jedoch "große Hoffnung, dass die Maßnahmen, die wir setzen, nach einer Woche ungefähr Wirkung zeigen und sich die Kurve abflacht und wir feststellen können, wir haben das Schlimmste verhindert, Leben gerettet und den Totalzusammenbruch des Gesundheitssystems verhindert". Dann sei man zwar noch nicht überm Berg, habe aber das Gröbste geschafft, sagte der Bundeskanzler.

Kurz betonte die in Österreich geltenden Ausgangsbeschränkungen. Die Polizei werde "nicht als Gegner" der Bevölkerung auftreten, sondern vor allem auf größere Gruppen zugehen, die unvorsichtig agieren, und entsprechende Hinweise geben. Bei den angeführten begründeten Ausnahmen dürfe man das Haus verlassen. Es sei notwendig, dass Menschen auch zur Arbeit gingen, "denn sonst würde unser System zusammenbrechen". Er stellte auch klar, dass Lebenspartner, die nicht zusammen leben, sich weiterhin sehen können. "Das muss jeder für sich selbst beantworten", sagte er, "und die Frage abschätzen, ob eine der Personen eine Risikoperson ist." In diesen Fällen sei Vorsicht geboten, je nach Vorerkrankung und Aufenthalt in einem Risikogebiet könnte Kontakt nämlich "zu Tod oder massivem Leid führen oder einem glimpflichen Krankheitsverlauf".

Das Kuratorium der Wiener Pensionistenwohnhäuser ("Häuser zum Leben") hat verhängte unterdessen ein Besuchsverbot in seinen Einrichtungen. Und es gibt auch einen Corona-Fall: In einem Haus in Döbling wurde eine Covid-19-Infektion gemeldet. Eine Heimhilfe war positiv getestet worden. Bewohner sind vorerst nicht infiziert.

Es sei ein "striktes Besuchsverbot für alle", die nicht zur Versorgung und Betreuung der Bewohner und zur Aufrechterhaltung des Betriebes beitragen, stellten die Pensionistenwohnhäuser auf ihrer Homepage (www.kwp.at) klar. Die Einhaltung wird durch eine Zutrittskontrolle beim Eingang sichergestellt, wo auch Temperaturkontrollen durchgeführt werden. Lediglich für Menschen, die Personen besuchen, die im Sterben liegen, gibt es Ausnahmen.

Hilfe kündigte Bundeskanzler Kurz indes für im Ausland gestrandete Österreicher an. "Bitte durchhalten und genau an das halten, was auch im jeweiligen Land vorgegeben wird", appellierte Kurz. Mit der AUA und dem Flughafen Wien werde auf Hochtouren zusammengearbeitet, um Staatsbürger zurückzuholen. "Das wird da und dort noch einige Tage dauern, viele Flüge finden nicht mehr so statt, viele Grenzen sind geschlossen."

Der Handel wurde mit Montag mit Ausnahme der Geschäfte für lebenswichtige Versorgung komplett geschlossen. Eine Änderung der Öffnungszeiten etwa beim Lebensmittelhandel schloss der Bundeskanzler auf Nachfrage aus und bat dafür um Verständnis. In der Baubranche werde von Projekt zu Projekt zu entscheiden sein, ob dieses systemrelevant sei. "Es geht darum, Notwendiges und Unnotwendiges zu unterscheiden." Es gebe aber auch ein sehr komplexes und verzahntes Wirtschaftssystem. Hier gelte es, Probleme zu vermeiden. Jeder in Österreich könne sich aber verlassen, dass die Versorgungssicherheit funktioniere. "Die Versorgungssicherheit ist gegeben. Es ist nicht notwendig Hamsterkäufe zu machen."

Am Ende betonte der Bundeskanzler einmal mehr, dass diese schwierige Phase zeitlich begrenzt und "gemeinsam schaffbar" ist. "Seien Sie großzügig miteinander, helfen Sie sich da, wo es geht", so der Rat des Regierungschefs.

Das zum Schutz von Patienten und des ärztlichen und pflegerischen Personals in Wien in Kraft gesetzte Besuchsverbot an Spitälern wird indes in der Bundeshauptstadt nicht von jedermann respektiert. Immer wieder versuchen Personen, sich über die Maßnahme hinwegzusetzen und ins Innere von Krankenhäusern zu gelangen.

Der medizinische Krisenstab der Stadt Wien appellierte daher am Montag an die Bevölkerung, die getroffene Regelung zu akzeptieren. Darüber hinaus wurde auch ersucht, nur mehr in dringenden medizinischen Notfällen die Ambulanzen aufzusuchen.

Justizministerin Alma Zadic (Grüne) verkündete unterdessen am Montag weitere Einschränkungen im Strafvollzug. So dürfen Häftlinge bis auf Weiteres keine Besuche von Angehörigen mehr empfangen. Aus- und Freigänge werden gestrichen.

Ausgenommen vom Besuchsverbot sind - jeweils in dringenden Fällen - Anwälte, Bewährungshelfer und Erwachsenenvertreter, wobei weitreichende Schutzvorkehrungen zu beachten sind. Schon seit längerem werden Besuche ausnahmslos hinter Glasscheiben abgewickelt.

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