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Lungenkrebs-Screening: Österreichische Experten arbeiten an Umsetzung

In Österreich soll ein Lungenkrebs-Screeningprogramm etabliert werden. Eine Task Force der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG) analysiert derzeit die wissenschaftlichen Grundlagen dafür. Pilotprojekte sollen aufgesetzt werden. Dies stellten die beiden Gesellschaften am Montag fest.

06. Februar 2020
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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"Die Daten der jetzt publizierten europäischen NELSON-Studie belegen nun, nach US-amerikanischen Studienergebnissen (NLST-Studie; 2011), ebenfalls eindeutig die Sinnhaftigkeit eines Lungenkrebs-Screenings. Somit ist auch in Österreich ein Früherkennungsprogramm zu planen, denn damit könnten hierzulande jährlich 500 bis 1.000 Menschenleben gerettet werden", stellten die Fachleute fest.

Otto Burghuber, einer der Initiatoren der Task Force Lungenkrebs-Screening: "Bereits die Daten der 2011 in den USA durchgeführten NLST-Studie zeigten: Die Lungenkrebssterblichkeit kann bei starken Rauchern mithilfe eines Low-Dose-Computertomografie-Screenings um 20 Prozent gesenkt werden. In den USA wurde daraufhin 2014 ein dementsprechendes Lungenkrebs-Screeningprogramm eingeführt. In Europa wartete man noch auf die Ergebnisse einer europäischen Studie, die jetzt vorliegen. Die Ergebnisse dieser Studie, die mehr als 22.600 CT-Scans bei 6.583 Personen umfasst, bestätigen die Ergebnisse der amerikanischen Studie."

Mittels CT-Screening wird Lungenkrebs demnach wesentlich häufiger in frühen Stadien (Stadium I und II), entdeckt, in denen eine Heilung noch möglich ist (58,6 Prozent in der Screening Gruppe; 13,5 Prozent in der Kontrollgruppe). Burghuber: "Umgekehrt war die Zahl jener, die in einem weit fortgeschrittenen Stadium (Stadium III und IV) diagnostiziert wurden, in dem eine Heilung nicht mehr möglich ist, in der Screening-Gruppe wesentlich geringer (9,4 Prozent in der Screening Gruppe; 51,8 Prozent in der Kontrollgruppe). Dadurch konnte die Lungenkrebs-Sterblichkeit mittels Low-Dose CT-Screening um 24 Prozent gesenkt werden. Nun gilt es also zu handeln."

Der Sekretär der Österreichischen Radiologengesellschaft (ÖRG), Helmut Prosch, verwies auch auf bereits in Nachbarländern Österreichs etablierte Programme zur Lungenkrebs-Früherkennung. In verschiedenen europäischen Staaten seien schon Screening-Projekte (Schweiz und Italien) oder bereits Screening-Programme (Polen und Kroatien) gestartet worden. Der Experte: "Wir in der Task Force Lungenkrebs-Screening vernetzen uns auch mit anderen Ländern, um aus deren Erfahrungen zu lernen. Auch in Österreich sollen Pilotprojekte gestartet und mit Implementationsstudien begleitet werden, um zu untersuchen, wie ein Lungenkarzinom-Screening in Österreich am besten umgesetzt werden kann."

Die Experten betonten, dass Lungenkrebs die WHO-Kriterien für ein erfolgreiches Screening-Programm eindeutig erfülle. Diese wären: Es muss sich um eine häufige Erkrankung handeln, die Erkrankung muss ein signifikantes gesundheitliches Problem darstellen, die Risikogruppe muss bekannt sein, der Test muss hoch sensitiv und darf nicht invasiv sein, und die Krankheit muss behandelbar sein. All dies treffe auf Lungenkrebs zu.

"Die EU-Kommission hat, basierend auf den vorliegenden Daten, bereits eine Empfehlung für die Implementierung nationaler Lungenkrebs-Screenings gegeben. Sie empfiehlt die Einführung flächendeckender Früherkennungsprogramme mittels regelmäßiger CT-Untersuchungen bereits für 2020", hieß es in der Aussendung. Allerdings werde es sicher noch einige Zeit bis zu einer flächendeckenden Umsetzung in Österreich benötigen.

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