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Synchronizing Healthcare

Klinische Pharmazie

Optimaler Behandlungserfolg – Steigerung der Patientensicherheit – Entlastung der Ärzteschaft: Die Klinische Pharmazie als Teilbereich der Krankenhauspharmazie gewährleistet eine wirksame, sichere und effiziente Arzneimitteltherapie. Zum Wohle der Patientinnen und Patienten muss der Ausbau der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen angestrebt werden.

12. Januar 2020
Österreichische Apothekerkammer & Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 11
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ClipDealer / carmakoma

Bildinhalt: Vorbereitung von Medikamenten

Bildrechte: ClipDealer / carmakoma

Das Hauptaugenmerk der Klinischen Pharmazie liegt darauf, unangemessene Polymedikation und andere arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und zu vermeiden – wie z.B. Überverschreibungen, Dosierungsfehler und ähnliches. Die multiprofessionelle Zusammenarbeit der Klinischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten mit Ärztinnen und Ärzten und der Pflege reduziert maßgeblich arzneimittelbezogene Probleme im Alltag und erhöht letztendlich die Patientensicherheit.

Prävention arzneimittelbezogener Probleme

Anlässlich des alljährlichen Patientensicherheitstages am 17. September veröffentlichte die WHO alarmierende Zahlen1 , wonach bei 4 von 10 Patientinnen und Patienten während der Behandlung im Krankenhaus oder im niedergelassenen Bereich ein Fehler passiert. Fehler in der Verschreibung und/oder bei der Anwendung von Medikamenten gelten als die folgenschwersten. Die wichtige Nachricht hierzu ist allerdings, dass bis zu 80% dieser Fehler vermeidbar sind. „Die Klinischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten tragen mit ihrer umfassenden fachlichen Expertise und ihrer Kenntnis zu Wechsel- und Nebenwirkungen ganz entscheidend zur Prävention dieser medikamenten-assoziierten Probleme bei“, erklärt Mag. pharm. Karin Kirchdorfer, aHPh, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker.

Optimierte Arzneimitteltherapie

Das Angebot an klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen in Österreichs Krankenhäusern ist breit und wird im Großteil der österreichischen Krankenhäuser angeboten. „Klinische Pharmazeutinnen und Pharmazeuten unterstützen entlang des gesamten Medikationsprozesses in einem Krankenhaus: von der Aufnahme, während des Aufenthaltes bis hin zur Entlassung“, so Kirchdorfer. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Sicherstellung einer vollständigen Arzneimittelanamnese, die für eine umfassende Beurteilung der Medikation eines Patienten unerlässlich ist. „Eine von einer Klinischen Pharmazeutin, einem Klinischen Pharmazeuten durchgeführte Medikationsanalyse hilft, etwaige Probleme in der Arzneimitteltherapie zu erkennen und in weiterer Folge zu korrigieren. Jedes Arzneimittel wird auf seine Notwendigkeit, die korrekte Dosierung und die Verträglichkeit überprüft“, führt die Klinische Pharmazeutin aus. „Dabei ist häufig eine ungewollte Verstärkung von Neben-/Wechselwirkungen durch Kombination mindestens zweier Medikamente zu beobachten. Hier unterbreiten Klinische Pharmazeutinnen und Pharmazeuten dem behandelnden Arzt, der behandelnden Ärztin Vorschläge zur Optimierung einer bestehenden Medikation.“ Erfahrungen aus Krankenhäusern mit bereits gut etablierten klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen belegen eine hohe Akzeptanz dieser Empfehlungen. Vorliegende Zahlen aus österreichischen Krankenhausapotheken dokumentieren das hohe Vertrauen, denn rund 8 von 10 Empfehlungen münden tatsächlich in eine Veränderung der Arzneimitteltherapie. Darüber hinaus sind Klinische Pharmazeutinnen und Pharmazeuten Teil von interdisziplinären Beratungs-Boards, nehmen an multiprofessionellen Stationsvisiten teil und bringen dort ihre Expertise zum Wohle der Patientinnen und Patienten ein. Im direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten können offen gebliebene Fragen zu ihrer Medikation geklärt und so letztlich die Adhärenz gesichert werden. Pflegekräfte werden von Klinischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten unterstützt, indem z.B. Informationen zur korrekten Verabreichung von – teils hochkomplexen und risikoreichen – Arzneimitteln bereitgestellt werden. Entlassungsgespräche, ambulante Konsultationen und Konsiliartätigkeiten runden das vielfältige klinisch-pharmazeutische Angebot in österreichischen Krankenhäusern ab.

Klinische Pharmazie gesetzlich verankern

In der multiprofessionellen Zusammenarbeit der Klinischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten mit dem gesamten Betreuungsteam können rund um den Patienten wichtige Synergieeffekte genutzt werden. Klinischpharmazeutisches Service durch Krankenhausapothekerinnen und -apotheker sollte zur Therapieoptimierung daher in allen Krankenhäusern und Pflegeheimen Österreichs angeboten werden.

„Um einen substanziellen Beitrag zur Vermeidung von arzneimittelbezogenen Fehlern leisten und die Patientensicherheit erhöhen zu können, sollten die vorhin genannten klinischpharmazeutischen Dienstleistungen auf jeden Fall ausgebaut und im besten Fall gesetzlich verankert werden“, fordert Kirchdorfer.

Eine gesetzliche Verankerung dieser Leistungen würde folgende Vorteile bieten:

  • Erhöhung der Patientensicherheit
  • Steigerung der Behandlungsqualität
  • Ressourcenschonender Einsatz der Medikation
  • Entlastung der Ärztinnen und Ärzte sowie des Pflegepersonals durch pharmazeutisch fundierte Unterstützung

1  www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/patient-safety

Erwartungen an die neue Bundesregierung

Die zunehmende Vielfalt und Komplexität moderner medikamentöser Therapien sowie Polymedikation ist ohne umfassende pharmazeutische Expertise nicht beherrschbar. Kommen mehrere Arzneimittel gleichzeitig zum Einsatz, steigt das Risiko unerwünschter Wirkungen.

Manchmal ist aber gerade die Kombination mehrerer Präparate für den größtmöglichen Behandlungserfolg unverzichtbar. Das setzt gezielte Beratung und Monitoring der Therapie ebenso voraus wie die intensive Zusammenarbeit mit Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegepersonen. Krankenhausapothekerinnen und -apotheker leisten im Rahmen des klinisch-pharmazeutischen Services hierbei einen unverzichtbaren Beitrag. Sie steigern Behandlungserfolg und -qualität, tragen zur Patientensicherheit bei und garantieren einen effizienten Einsatz der Arzneimittel – wodurch sich Einsparungseffekte im Gesundheitssystem erzielen lassen. Zudem können sie zur Unterstützung und Entlastung von Spitalsärztinnen und -ärzten beitragen, wenn die Ärzteschaft die Möglichkeit bekommt, einzelne Leistungen (z.B. Medikationsanamnese, Führen der Fieberkurve) an die Krankenhausapothekerinnen und -apotheker zu delegieren.

Damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft wird, sind eine gesetzliche Verankerung der Klinischen Pharmazie und eine ausreichende personelle Ausstattung notwendig.

Schaffler Verlag

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
11/2019 (Jahrgang 60)

Verlag
Schaffler Verlag

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