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Synchronizing Healthcare

Impfungen - viele Verbesserungs­möglichkeiten in Österreich

In Österreich gibt es viele Verbes­serungs­möglich­­keiten im Impf­wesen. So fehlen verläss­liche Daten zu den Durch­impfungs­raten. Schul­ärzte verweigern das Durch­führen von Impfungen. Auch ein besseres Bestell­manage­ment für Vakzine wäre wichtig, erklärten gestern Experten bei einer Presse­konferenz in Wien.

17. Januar 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildrechte: ClipDealer / Copit

"Da haben wir uns ein bisschen ein Luxus­problem ange­züchtet", sagte Philipp Saiko, Wiener Apo­theker­kammer­präsident zur immer wieder beklagten Impf­müdig­keit der Öster­reicher. Wenn man neue Wege gehen wolle, sollte man eventuell - wie zum Bei­spiel in Portugal, Irland oder in mehr als der Hälfte der Schweizer Kantone - zumin­dest die saiso­nalen Impfungen (z.B. Influenza) auch durch speziell ausge­bildete Apo­theker verab­reichen lassen. In Frank­reich hätte ein Viertel der Befrag­ten bei einem Pilot­versuch erklärt, sie hätten sich sonst nie immu­nisieren lassen.

An der Basis mangelt es in Öster­reich offen­bar an fun­dierten Infor­mationen über die Durch­impfungs­raten in der gesamten Bevöl­kerung. "Es gibt keine 'Real-World-Daten'. Das sind Daten aus Simula­tions­modellen, Erhe­bungen der Indus­trie oder Markt­for­schungen", betonte Renee Gallo-Daniel vom Öster­rei­chischen Verband der Impf­stoff­hersteller.

Ohne sichere Informa­tionen über Stand und Bedarf an Impfungen sei aber auch das Bestell­manage­ment für die Vakzine bei den inter­national agie­renden Impf­stoff­her­stellern, von denen es nur eine Hand­voll gibt, schwierig, betonte Gallo-Daniel: "Für die Impf­stoffe, die wir 2021/2022 in Öster­reich haben werden, beginnt jetzt die Produk­tion." Für die Impfungen vom Jugend­alter bis zu den Senioren gebe es weder defi­nierte Ziele noch für die Pharma­indus­trie sichere Rahmen­bedin­gungen.

Europa ist in dieser Hinsicht ein sprich­wört­licher Fleckerl­teppich. "Es sollte einen digi­talen Impf­pass für alle EU-Bürger geben", sagte Heike Galbraith vom euro­päischen Impf­stoff­hersteller­verband "Vaccines Europe". Sowohl die Zulas­sung als auch Verpackung und Fach- und Gebrauchs­infor­mationen seien von Land zu Land unter­schiedlich. Das führe dazu, dass man im Bedarfs­fall nicht einfach Vakzine von einem EU-Mitglieds­staat in den nächsten bringen könne. In der EU existiere zwar eine "Joint Action of Vaccination"-Initia­tive, Öster­reich sei ihr aber nicht beigetreten.

Auch im vergan­genen Herbst gab es öster­rei­chische Schulen, an denen sich Schul­ärzte weigerten, Impfungen durch­zuführen. Ins Treffen geführt werden in diesem Zusam­men­hang vor allem haftungs­recht­liche Fragen. Das Gesund­heits­minis­terium hat dazu schrift­lich hin­gewiesen, dass die Haftungs­fragen eindeutig geklärt seien und die Schul­ärzte kein Risiko tragen würden.

"Das muss doch möglich sein, dass das geklärt ist. Ich finde es nicht richtig, wenn Schul­ärzte die Impfungen nicht machen. Das ist auch eine Sache des Dienst­gebers. Es gibt Dienst­verträge. Das Impfen muss (in der Schule; Anm.) Routine sein", sagte Susanne Schmid, Präsi­dentin des Bundes­eltern­verbandes und von Beruf Fach­ärztin für Interne Medizin.

Die Situation bei den Schul­impfungen stelle sich je nach Schul­typ und Bundes­land sehr unter­schied­lich dar, erklärte die Expertin: So würden zum Beispiel in den Wiener Landes­schulen die Impfungen ganz normal durch­geführt, bei den Bundes­schulen schon weniger. "In meinem Bundes­land, im Burgen­land ist es genau umgekehrt", schilderte die Inter­nistin für den Gesund­heits­schutz für ganz Öster­reich schwer erklär­bare Phänomene.

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