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Synchronizing Healthcare

Hohes Engagement

Seit zwei Jahren gibt es am Klinikum Klagenfurt ein mobiles Kinderpalliativteam, das auch für die Arbeit innerhalb des Spitals viele Akzente setzt.

18. November 2019
Christian F. Freisleben
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 10
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ClipDealer / danr13

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Bildrechte: ClipDealer / danr13

Doris Kuchernig hat sich schon immer für die Möglichkeiten interessiert, die die Palliativmedizin bringt. Der Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendneurologie und Palliativmedizin für Kinder und Jugendliche gelang es, die Krankenhausleitung des Klinikums Klagenfurt davon zu überzeugen, als Träger eines mobilen Kinderpalliativteams zu fungieren. „Schon vor der Einrichtung des mobilen Teams gab es erste Schritte, Palliativmedizin in der Abteilung zu leben, „aber nun können wir Familien auch eine Unterstützung und Betreuung zu Hause anbieten“, freut sich Kuchernig. Es zeigte sich sehr schnell, dass den Kindern, Jugendlichen und deren Familien viele, oft sehr belastende Fahrten ins Krankenhaus erspart bleiben, dass die Lebensqualität der Erkrankten steigt. Nach wie vor gibt es die Option einer stationären Aufnahme, etwa um die Familie zu entlasten oder spezielle Therapien durchzuführen – dazu wurden Palliativbetten speziell für Kinder und Jugendliche etabliert –, die Betreuung zu Hause sei aber oft viel wichtiger.

Außerhalb der Dienstzeiten

Diese neu geschaffene Einrichtung ist zugleich ein Beispiel für die nach wie vor oft schwierige und in einigen Aspekten dringend reformbedürftige Palliativversorgung in Österreich: Kuchernig und ihr multidisziplinäres Team führen ihre mobilen Einsätze großteils außerhalb der Dienstzeiten durch. Die Überstunden werden zwar abgegolten, trotzdem sind die Anforderungen an alle Beteiligten hoch und die zeitliche Flexibilität des Teams eingeschränkt. „Ich stimme meinen Ambulanzplan auf die Ausfahrten des Teams ab. Und es ist sicher ein großes Ausmaß an Eigenengagement der beteiligten Kollegen dabei, wir betreuen an die 25 Familien“, so Kuchernig. Die Regelmäßigkeit der Besuche orientiert sich an den Bedürfnissen der Familien.

Vor und während des Aufbaus des mobilen Palliativteams organisierte Kuchernig interdisziplinäre Weiterbildungen im Haus. „Wichtig ist, dass alle wissen, dass es unser Angebot gibt und bei welchen Diagnosen wir einbezogen werden sollten.“ Gleichzeitig ist das Ziel, im ganzen Haus dazu beizutragen, dass bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen die Haltung sowie das Know-how aus der aktiven, ganzheitlichen Behandlung unheilbar Kranker von allen agierenden Berufsgruppen zum Tragen kommt. „Palliativmedizin für Kinder und Jugendliche soll auf keinen Fall nur in den beiden Betten oder durch unser Team geschehen“, erhofft sich Kuchernig. Nach wie vor gibt es mindestens zwei Mal im Jahr auch Weiterbildungen, die für alle Gesundheitsberufe des Klinikums offen sind. Themen sind dabei interkulturelle Zugänge, die Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen, die intensive Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen sowie die Begleitung der gesamten Familie. Jährlich gibt es in St. Veit Notfalltage, die von Kuchernig und ihrem Team organisiert werden, wo ebenso palliative Themen einen wichtigen Stellenwert haben, etwa wie Notärzte mit besorgten Familien umgehen können.

Intensive Beziehungen

Im mobilen Kinderpalliativteam arbeiten Mediziner, Pflegekräfte, eine Psychologin und Sozialarbeiter mit, einbezogen werden können auch Physio- oder Ergotherapeuten des Klinikums. „Palliativmedizin ist ein nicht wegzudenkender Teil der Kinder- und Jugendheilkunde“, unterstreicht Kuchernig – Familien mit schwerkranken Kindern werden oft über Jahre hinweg begleitet. „Es entstehen sehr intensive Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen sowie ein sehr inniges Vertrauensverhältnis.“

Kuchernigs Vorgesetzter steht vor der Pensionierung. Auch mit seiner Unterstützung will sie den Weg dazu ebnen, dass es am Klinikum Klagenfurt so viel Stammpersonal gibt, dass das mobile Team jederzeit ausfahren kann, sich die Mitwirkenden so stark wie möglich auf diese Tätigkeit fokussieren können. Damit soll sich die Verantwortung für diese lohnende und herausfordernde Tätigkeit auf deutlich mehr Schultern verteilen sowie noch strukturierter vorgegangen werden können.

Das Kinderpalliativteam

  • wurde initiiert von: Doris Kuchernig, die sich dafür einsetzte, dass das Klinikum der Träger ist
  • kostet: Arbeitszeit und Überstunden des beteiligten multidisziplinären Teams, diese Kosten werden vom Gesundheitsfonds übernommen
  • bringt Patienten: die Möglichkeit, weitgehend im eigenen Lebensumfeld betreut werden zu können und mehr Lebensqualität
  • bringt Mitarbeitern: mehr Fachwissen und Routine in der Palliativmedizin für Kinder und Jugendliche nicht nur der beteiligten Berufsgruppen
  • wird evaluiert: Dokumentation der Ausfahrten des Teams, regelmäßiger Rechenschaftsbericht

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