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Synchronizing Healthcare

Hoffnungsimpulse

Im Landesklinikum Zwettl wurde kürzlich ein besonderer Spazierweg eröffnet – eine Serie von Bildern und Texten an bestimmten Stellen des Krankenhauses, die bei Patienten, Angehörigen und Personal die Auseinandersetzung mit dem Lebensthema Hoffnung anregen.

08. November 2019
Christian F. Freisleben
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 08-09
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ClipDealer / mouseonmars

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / mouseonmars

Die diplomierte Krankenschwester Stefanie Bruckmüller ist Teil einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, die das Projekt Hoffnung.Zuversicht.Vertrauen am Landesklinikum Zwettl begleitet. Sie erzählt: „Andreas Lausch, pflegerischer Standortleiter bei uns im Haus, war 2018 bei einem Pflegekongress, bei dem auch die deutsche Pflegewissenschaftlerin Angelika Zegelin ihr Konzept rund um das Thema Hoffnung vorstellte. Er war sofort Feuer und Flamme.“ In deutschen Krankenhäusern gibt es einige Beispiele von Hoffnungsinterventionen, z.B. Karten mit Sprüchen und Gesprächsimpulsen sowie Leitfäden für Gespräche mit Patienten und Angehörigen. In Zwettl umgesetzt wurde ein Hoffnungsspaziergang, eine elfteilige Reihe großformatiger Bilder – Fotografien und Malereien – mit dazugehörigen Texten. Davor wurden teils abgeschirmte Sitzgelegenheiten geschaffen, um ein längeres Verweilen zu ermöglichen, so z.B. in der Wartezone vor dem Intensivbereich.

Positive Stimmung

Nach hausinterner Abklärung mit der Klinikleitung des Landesklinikums Zwettl erfolgte der Projektauftrag zur Umsetzung des Konzepts Hoffnung. Pflegeexperten, Psychotherapeutinnen und eine Sozialarbeiterin bildeten eine Projektgruppe und implementierten den Hoffnungsspaziergang als erstes Klinikum in Österreich. Der Spaziergang sei in mehrfacher Hinsicht wirksam, sagt Bruckmüller: „Er ist eine Art Mobilitätsförderung und bringt außerdem sowohl Patienten als auch unsere Kollegen für eine gewisse Zeit auf andere Gedanken.“ Um dies zu unterstützen, wurde auch ein Informationsfolder gestaltet, der die Bilder kurz erklärt und eine gewisse Reihenfolge für den Spaziergang vorschlägt. Zudem markiert eine Informationstafel den Start des Spaziergangs.

„Unsere Psychologinnen und Krankenhausseelsorger, mit denen wir bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Projekts zusammenarbeiten, nehmen in Gesprächen auf die Bilder Bezug oder führen Patienten gezielt zu einem hin, um eben einen Hoffnungsimpuls zu setzen“, beschreibt Bruckmüller. Gleichzeitig würden die Bild- und Textimpulse sich sehr positiv auf die eigene Stimmung der Mitarbeitenden auswirken.

„Schon vor der Eröffnung, als wir die ersten Bilder aufhängten, sagten uns Kollegen aus Medizin, Pflege und anderen Gesundheitsberufen, wie schön sie sie finden. Es ist für jede und jeden etwas dabei, das ansprechend wirkt“, so Bruckmüller. Die Bilder wurden von Angelika Zegelin ausgewählt, die Platzierungen von der Projektgruppe: So hängt vor dem Raum, in dem sich Angehörige von verstorbenen Patienten verabschieden können, das Foto eines kleinen Lichts.

Ein wichtiger Teil des Projekts war eine Fortbildung durch Zegelin für Pflegekräfte des Hauses: „Auch dabei wurde eine intensive Auseinandersetzung mit Hoffnung auf einer sehr persönlichen Ebene angeregt und erarbeitet, wie die Bilder Ausgangspunkte für Begegnungen und Gespräche mit Patienten sowie Angehörigen sein können – also etwa, wie mit Hoffnungslosigkeit umgegangen, wie Zuversicht gestärkt werden kann, was persönliche Hoffnungsquellen sind“, beschreibt Bruckmüller. Diese Vorbereitung sei sehr wichtig, um ein solches Projekt erfolgreich und vor allem nachhaltig umzusetzen – wichtig sei dabei, möglichst verschiedene Berufsgruppen anzusprechen, damit ein interdisziplinärer Austausch in Gang kommt.

Auf den Stationen wurden Hoffnungskontaktpersonen auf freiwilliger Basis gewonnen, diese werden sich in einem halben Jahr zu den Reaktionen von Patienten, Angehörigen, Kolleginnen austauschen, zur Art und Weise, wie der Hoffnungsspaziergang genutzt wurde und wie sich dieser weiterentwickeln sollte.

Das Projekt Hoffnung.Zuversicht.Vertrauen

  • … wurde initiiert von: Andreas Lausch
  • … kostet: Bilder und Montage, Folder, Vortragende Angelika Zegelin, Arbeitszeit Projektteam
  • … bringt Patienten: Verbesserung im Umgang mit Krankheit und Leid, Anregung zur Bewegung sowie zu einer intensiven, stärkenden Auseinandersetzung mit dem Thema Hoffnung
  • … bringt Mitarbeitern: positive Impulse für den Arbeitsalltag auch in Hinblick auf Gesprächsanlässe mit Patienten und Angehörigen …
  • wird evaluiert: Anfang 2020 durch das Projektteam, unterstützt durch Hoffnungskontaktpersonen

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
08-09/2019 (Jahrgang 60)

Verlag
Schaffler Verlag

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