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Hinweis auf Nebenwirkung durch Magensäureblocker

Protonenpumpenhemmer (PPI) gehören zu den meist­verschrie­benen Arznei­mitteln hier­zulande. Sie bremsen die Bildung von Magensäure und werden oft auch als "Magen­schutz" bei säure­bedingten Erkran­kungen des Verdau­ungs­traktes verschrieben. Bei Patienten mit Leber­zirrhose haben Grazer Forscher jüngst jedoch Hinweise auf negative Auswir­kungen auf das Mikrobiom dieser Patienten gefunden.

01. Oktober 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Frau nimmt Tablette

Bildrechte: ClipDealer / Pulwey

Die Protonenpumpenhemmer werden einge­setzt, wenn die Säure-Produktion im Magen gehemmt werden soll. Das ist etwa bei starkem Sod­brennen, Entzün­dungen der Magen­schleim­haut oder Magen­geschwüren der Fall - oder wenn mehrere andere Medika­mente in möglicher­weise magen­schädi­gender Kombi­nation einge­nommen werden sollen, erklärte Vanessa Stadlbauer-Köllener von der Kli­nischen Abtei­lung für Gastro­entero­logie und Hepato­logie der Med-Uni Graz gegen­über der APA. Ihre Arbeits­gruppe erforscht Verän­derungen der Darm­flora bei chro­nischen Leber­erkran­kungen und hat einen Zusammen­hang zwischen der Einnahme der Magen­säure­blocker und den nützlichen Bakterien im Verdauungs­trakt entdeckt.

"Wir haben uns in einer ersten Quer­schnitt­studie das Mikrobiom von rund 100 Patien­ten mit Leber­zirrhose angesehen. Die Hälfte hatte einen Protonen­pumpen­hemmer verordnet bekommen", schilderte die Grazer Expertin. Hier sind die Forscher auf eine deutlich veränderte Zusammen­setzung des Darm­mikro­bioms gestoßen. In der klini­schen Beob­achtung seien aus dieser Gruppe im Verlauf von drei Jahren mehr Patienten von Komplika­tionen der Zirrhose betroffen gewesen. Die Details haben die Forscher in ihrer jüngsten Publi­kation im Journal "Scientific Reports" zusammengefasst.

Die Grazer Forscher haben für die Verän­derungen eine erste Erklärung parat: "Im bereits durch die Zirrhose vor­geschä­digten Mikro­biom kommt es zu einer weiteren Reduk­tion der Diver­sität und zu einem Verlust der Koloni­sations­resistenz - das bedeutet, dass schädliche Bakterien bessere Bedin­gungen vor­finden, um sich zu vermehren", schilderte Angela Horvath aus der Arbeits­gruppe. So seien dann auch vermehrt Bakterien aus dem Mund (Veillo­nella Parvula, Strepto­coccus salivarius) im Darm zu finden.

"Diese Veränderung in der Zusammen­setzung des Mikro­bioms führt zu einer Ent­zündungs­reaktion im Darm und einer Darm­barriere­störung. Dadurch treten bakte­rielle Produkte vermehrt über den Darm in den Kreis­lauf ein", lautet ihre Theorie von Horvath. Nun will man das Ganze mit einer pros­pektiven Studie über­prüfen. "Wir sind auf Zusammen­hänge auf­merksam geworden, aber es war keine rando­misierte Studie", schränkte Stadlbauer-Köllner ein.

Vor allem weil PPI teilweise nicht mehr rezept­pflichtig sind und viele Menschen zur Selbst­medika­tion greifen würden, rät die Grazer Forscherin, das Medikament nicht als "Life­style-Produkt" zu ver­wenden: Nur wenn ein PPI medizi­nisch verordnet werde, sollte es auch verwendet werden. Für Patienten, die auf eine Dauer­therapie ange­wiesen sind, wollen die Forscher Therapie­konzepte in Richtung Probio­tika entwickeln, die das Mikro­biom bei Einnahme von PPI schützen sollen.

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