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Synchronizing Healthcare

Gut vorbereitet

Notfälle im Kreißzimmer eines kleineren Spitals sind eher selten. Tritt doch einer auf, müssen alle innerhalb von Minuten das Richtige tun – dies wird im Landesklinikum Scheibbs durch einen breiten Mix an Maßnahmen sichergestellt.

24. Juni 2020
Christian F. Freisleben
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 61. JG (2020) 03-04
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ClipDealer / zlikovec

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / zlikovec

Im Jahr 2014 wurde am Landesklinikum Scheibbs ein externes Risikoassessment durchgeführt, wo auf einige mögliche Risikofaktoren hingewiesen wurde. „Außerdem wurde 2014 und 2015 der Kreißzimmerbereich, wo im Jahr etwa 500 Babys zur Welt kommen, umgebaut“, blickt Alfred Kaltenbrunner zurück, der im LK Scheibbs als Risikomanager tätig ist. Beides Anlass genug, Regelungen auch im Management von Notfällen im Kreißzimmer zu treffen – in enger Zusammenarbeit mit Peter Diridl, dem ärztlichen Leiter der Abteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Im LK Scheibbs besteht schon seit mehreren Jahren ein internes, interdisziplinäres Risikoteam, das sich regelmäßig trifft. Zusätzlich zu den dort tätigen Medizinern und Pflegefachkräften wurden für das Projekt der Erhöhung der Patientinnen- und Mitarbeitersicherheit im Kreißzimmer auch Medizintechniker und weitere Experten des Hauses eingebunden.­

Auf einen Griff

Eine Maßnahme war die Inbetriebnahme eines neuen Notrufsystems: „Mit der Betätigung einer Taste werden z.B. alle für eine Notsectio nötigen Personen gleichzeitig alarmiert“, berichtet Kaltenbrunner. Weiters entwickelt wurde ein Übersichtsschema, das Dringlichkeitsstufen für Notfälle während einer Geburt definiert und festlegt, was wann konkret notwendig wird. Differenziert wurden dabei die Tätigkeiten der einzelnen Berufsgruppen immer auch mit Augenmerk darauf, wie diese zusammenspielen müssen, um den Notfall optimal bewältigen zu können – also etwa auch die Kooperation mit Anästhesie, OP-Pflegepersonen und Hebammen. So entstanden gleichzeitig standardisierte Checklisten, ein Benutzungskonzept für den Noteingriffsraum sowie ein Anordnungskonzept, welche medizinischen Geräte und andere Hilfsmittel wo zu finden sind. Etabliert wurden ebenso Medikamentenboxen, in denen bestimmte Präparate für Notfälle inklusive Handlungsanleitungen auf einen Griff verfügbar sind.

„Die Reaktionen waren insgesamt positiv“, so Kaltenbrunner. Wenngleich es nicht nur pure Begeisterung gibt, wenn eine neue Leitlinie in vielleicht lang tradierte Vorgangsweisen eingreift – manche Kollegen seien zunächst etwas zurückhaltend gewesen. „Wichtig war, dass Primarius Diridl voll hinter diesem Projekt gestanden ist und dies entsprechend kommuniziert hat.“ Gleichzeitig sei, wie Kaltenbrunner betont, sehr schnell für alle Beteiligten wahrnehmbar geworden, welche Vorteile die neuen Vorgehensweisen mit sich bringen. Besonders positiv sei etwa die Option aufgenommen worden, Simulationen von Notfällen vor Ort durchführen, evaluieren und daraus Konsequenzen ableiten zu können. „Denn letztlich sind ja Notfälle bei Geburten nicht so häufig, umso wichtiger ist es, darauf gut vorbereitet zu sein.“ So würde auch immer wieder das Benutzungskonzept für den Noteingriffsraum auf dem Prüfstand stehen und dabei laufend weiterentwickelt. „Die positiven Effekte lassen sich auch in Zahlen gießen, also etwa wieviel Zeit es bisher brauchte, auf bestimmte Notfälle zu reagieren und damit umzugehen, sowie um wie viel schneller dies nach den umgesetzten Simulationen und daraus gewonnenen Erkenntnissen möglich war“, freut sich Kaltenbrunner. Zudem gibt es regelmäßige Schulungen für interdisziplinäre Teams, ebenso direkt vor Ort, mit externen Experten etwa zum Thema Reanimation bei Neugeborenen – bei diesen werden auch gezielt Mediziner aus anderen Bereichen des Hauses miteingebunden, um im Notfall bestmögliche Unterstützung geben zu können.

Und es gibt auch erfreuliche Rückmeldungen von Patientinnen und deren Angehörigen, die meinten, sie hätten einen Notfall gar nicht als solchen erkannt, da alles so geordnet und ohne Hektik abgelaufen sei. Besonders stolz ist man im Landesklinikum Scheibbs, dass die erfolgreiche Maßnahmenumsetzung mit dem österreichweit ausgeschriebenen Austrian Patient Safety Award 2019 ausgezeichnet wurde.

Das Projekt zur Erhöhung der Patientinnen- und Mitarbeitersicherheitbei Notfällen im Kreißzimmer am LK Scheibbs …

… wurden initiiert von: Alfred Kaltenbrunner (Risikomanager) in Zusammenarbeit mit Peter Diridl (ärztlicher Leiter Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe)
… kostet: vor allem die Aufwendungen für die regelmäßigen Schulungen mit externen Fachkräften
… bringt Patienten: Sicherheit, dass Notfälle rasch und kompetent bewältigbar sind
… bringt Mitarbeitern: ein hohes Maß an Routine und standardisierten Abläufen in Notfallsituationen
… wird evaluiert: unter anderem durch Messung der bei der Alarmierung zu/im Umgang mit Notfällen notwendigen Zeiten, weiters durch Befragung von Mitarbeitern, Patienten und Angehörigen.

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
03-04/2020 (Jahrgang 61)

Verlag
Schaffler Verlag

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