Close

Synchronizing Healthcare

Großer Aufholbedarf bei Versorgung psychisch Kranker

1,2 Millionen Österreicherinnen und Öster­reicher sind von einer psychischen Erkrankung betroffen. Bei der Versor­gung dieser Menschen besteht jedoch großer Aufhol­bedarf, kriti­sierte der Berufs­verband Österrei­chischer Psycho­logInnen (BÖP) am Dienstag bei einer Presse­konferenz in Wien. Gefordert werden u.a. ausreichend Behand­lungs­plätze sowie klinisch-psycho­logische Behand­lung als Kassenleistung.

10. Oktober 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
Dieser Artkel wurde 13 mal gelesen.

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / Rob_Stark

"Psychische Erkrankungen sind leise, sie werden viel zu wenig gesehen und immer noch unter­schätzt", sagte BÖP-Präsi­dentin Beate Wimmer-Puchinger. Das Wissen in der Bevöl­kerung sei nach wie vor viel zu gering - die Scham, darüber zu sprechen aber umso größer: Schwächen zu zeigen sei nicht erlaubt in der Gesell­schaft. Zu den häufigsten Ursachen für psy­chische Erkran­kungen zählen frühe Trauma­tisie­rungen, schwere körper­liche Erkran­kungen, Lebens- und Beziehungs­krisen, körper­liche oder seelische Gewalt.

Nicht nur das Leid, auch die volks­wirt­schaft­lichen Kosten sind enorm: jährlich werden sie auf zwölf Mil­liarden Euro geschätzt. Psy­chische Erkran­kungen sind für zwei Drittel aller Früh­pen­sionen verant­wortlich (53 Prozent bei Frauen, 31 Prozent bei Männern), besonders häufig sind Depres­sionen und Angststörungen.

Der Bedarf nach besserer Versor­gung bestehe, ist Wimmer-Puchinger über­zeugt. Eine entspre­chende Petition habe bereits mehr als 8.000 Unter­zeichner. Menschen mit geringem Einkommen sind von den Versor­gungs­lücken besonders betroffen. "Es gibt viele gut ausge­bildete Psycho­logen und Psycho­loginnen, doch die Bevöl­kerung kann sie sich nicht leisten, weil es keine Kassen­leistung ist", so Andrea Birbaumer von der Gesell­schaft kriti­scher Psycho­logInnen. "Psy­chische Erkran­kungen sind die neue Armutsfalle."

"Das ist eine soziale Frage: Wer es sich leisten kann, für den findet sich ein Platz", meinte auch Johannes Wancata, Präsi­dent der Öster­rei­chischen Gesell­schaft für Psychia­trie, Psycho­therapie und Psycho­somatik. Die anderen müssen warten: Auf einen psychia­trischen Kassen­platz heut­zutage rund drei bis vier Monate. Zudem drohe ein Mangel an psychia­trischen Fach­ärzten, da der Verlust durch Pensio­nierungen nicht durch jüngere Kollegen ausge­glichen werde, so Wancata.

Auch die Weltgesundheits­organisation WHO warnte bereits vor einem Anstieg psy­chischer Erkran­kungen. Alleine bedingt durch die Arbeits­welt mit ständiger Erreich­barkeit und immer größeren Verant­wort­lich­keiten, steige das Risiko, sagte Birbaumer. Doch auch beispiels­weise Burn-out sei nur in einem ganz bestimmten Spektrum legiti­miert. "Da gibt es in Öster­reich noch viel Aufklärungsbedarf."

Diese Website verwendet Cookies.
Mehr erfahrenOK