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Synchronizing Healthcare

Forderung nach Onkologie beim niedergelassenen Arzt

Rund 5.500 Patientinnen erhalten pro Jahr in Öster­reich eine Brustkrebs-Diagnose. Nach der Operation sind oft viele zeitlich und organisa­torisch belastende Spitals­besuche für die medikamen­töse Therapie notwendig. Die Selbst­hilfe­organisation Europa Donna will das geändert sehen - für mehr Lebens­qualität bei gleich­zeitiger Kostenersparnis.

24. September 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildrechte: ClipDealer / CandyBoxImages

"Die Einrichtung von onkolo­gischen Ambulanzen oder Ordina­tionen außer­halb der Kranken­häuser würde einen Gewinn an Lebens­qualität für die Patien­tinnen bringen und wäre auch ein ökono­mischer Faktor mit Einspa­rungen", sagte Marianne Wenzl, Geschäfts­führerin von Europa Donna Österreich. Die europa­weite Initia­tive mit bereits 47 Landes­organi­sationen will als Selbst­hilfe­organi­sation best­mögliche Infor­mationen und optimalen Zugang zu Früh­erkennung, Diagnose und Therapie für Frauen mit einem Mamma­karzinom durchsetzen.

Im Gegensatz zu Ländern wie Deutsch­land oder der Schweiz als im Gesund­heits­wesen wohl vergleich­barste Nachbar­staaten ist die onko­logische Ver­sorgung in Öster­reich auf die Kranken­häuser mit ihren Spezial­abtei­lungen konzen­triert. Onkolo­gische Therapie - egal in welchem medizi­nischen Fach­gebiet - im nieder­gelassenen Bereich mit Kassen­verträgen existiert de facto nicht.

Gerade medikamentöse Behand­lungen in Form von Infu­sionen etc. könnten aber auch sehr gut im nieder­gelassenen Bereich von dafür ausge­bildeten Ärzten verab­reicht werden. "Viele Patien­tinnen bekommen eine Chemo­therapie oder eine Therapie mit ziel­gerich­teten Medika­menten. Sie sind damit jeweils einen ganzen Tag beschäf­tigt", sagte Christian Singer, Leiter des Brust­gesund­heits­zentrums an der Universi­täts­klinik für Frauen­heilkunde in Wien (AKH).

Im niedergelassenen Bereich könnten diese Therapien wohnort­nah und unter Vermei­dung des büro­kratischen und zeit­lichen Mehr­aufwands von Kliniken erfolgen, betonte Singer: "Es ist doch bizarr, dass man Anti­körper-Therapien wie jene mit Herceptin (Trastuzumab - mono­klonaler Anti­körper; Anm.) subkutan (unter die Haut ohne Infusion; Anm.) verab­reichen kann, die Patien­tinnen dafür aber eine Spitals­aufnahme brauchen." Das gelte auch für tages­klinisch verab­reichte Therapien. Für den Gynäko­logen stehen bei dem Miss­stand eher verrech­nungs­tech­nische als sachliche Umstände im Hinter­grund. In den Kranken­häusern zahlt die Medika­mente bzw. die Therapie der Spitals­erhalter, im nieder­gelassenen Bereich die Krankenkasse.

Europa Donna hat in den vergan­genen 25 Jahren auf euro­päischer Ebene bedeu­tenden Druck für eine bessere Ver­sorgung der Mamma­karzinom­patien­tinnen gemacht. 2003 und 2006 kam es auf Initia­tive der Organi­sation zu Ent­schließungen des Euro­päischen Parla­ments für die Etablie­rung von flächen­deckenden Screening­programmen zur Früh­ent­deckung der Erkran­kung sowie zur Instal­lierung von zerti­fizierten Brust­gesund­heits­zentren, führte Mona Elzayat, Präsi­dentin von Europa Donna, aus.

2012 starben in der EU noch immer rund 91.000 Frauen an Brust­krebs. Das bedeutet, dass bei ihnen die Krankheit zuvor in ein metas­tasiertes Stadium über­gegangen war. Hier gibt es offenbar noch wesent­lichen Bedarf an Unter­stützung für die Betroffenen.

"Ich habe 2013 die Diagnose von fort­geschrittenem Brust­krebs mit Knochen- und Leber­metastasen bekommen. Mittler­weile sind auch Bauch­fell­metastasen dazu­gekommen. Wir werden oft vergessen. Darüber breitet sich oft ein Schleier. Metas­tasierte Patien­tinnen haben eine unheil­bare chronische Krankheit, brauchen eine Dauer­therapie und sind sehr früh mit der Endlich­keit des Lebens konfrontiert", sagte Claudia Altmann-Pospischek als Betroffene, mittler­weile Autorin und Bloggerin.

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