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Synchronizing Healthcare

Eine Million Beschäftigte in „systemrelevanten“ Berufen

Eine Million Menschen in Österreich haben "systemrelevante" Berufe. Dies ergibt eine Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (AK). Berufe, in denen Frauen und Migranten überrepräsentiert sind, sind besonders schlecht bezahlt. Sicherheits- und Pflegekräfte klagen über eine hohe Arbeitsbelastung. Die AK fordert bessere Entlohnung, Arbeitszeitreduktion und einen leichteren Zugang zu Sozialleistungen.

30. Mai 2020
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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"Systemrelevant" seien jene Tätigkeiten, auf die in der Corona-Krise nicht verzichtet werden kann, erklärte Studienautor Daniel Schönherr vom Meinungsforschungsinstitut SORA. Dazu zählen etwa Reinigungskräfte, Lebensmittelverkäuferinnen, Lehrer, Polizistinnen oder Ärzte. Das Gemeinsame dieser Arbeit sei, dass die Tätigkeiten nicht oder schwer von zu Hause ausgeführt werden könnten. Die Beschäftigten sind viel mit Menschen in Kontakt und haben dadurch ein größeres Ansteckungsrisiko. 65 Prozent der systemrelevanten Arbeitskräfte sind Frauen.

Besonders hoch ist der Frauenanteil unter den Kindergartenpädagogen (88 Prozent), Kassierern und Regalbetreuern (86 Prozent), Reinigungs- (83 Prozent) und Pflegekräften (82 Prozent). Diese sind gleichzeitig die am niedrigsten bezahlten Tätigkeiten. Die Präsidentin der Arbeiterkammer, Renate Anderl, fordert daher einen Mindestlohn von 1.700 Euro brutto in den Kollektivverträgen sowie eine Anhebung des Mehrarbeitszuschlags von 25 auf 50 Prozent.

Über 1.700 Euro ist das durchschnittliche Nettoeinkommen in den stark männlich dominierten Berufsfeldern wie Berufsfahrern und Sicherheitskräften. Arbeitnehmer in diesen Branchen sind der Studie zufolge besonders hohen psychischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt. Die hohe Belastung trübt die Zukunftsaussichten der Betroffenen. Über 60 Prozent der über-45-jährigen Beschäftigten in der Pflege, in der medizinischen Betreuung und der Reinigung glauben nicht, dass sie bis zum Pensionsantrittsalter durcharbeiten können. In der Altenpflege und der Behindertenbetreuung glauben über sieben von zehn Personen nicht, dass sie bis zur Pension durchhalten. Um die Belastungen zu reduzieren, fordert die Arbeiterkammer kürzere und planbare Arbeitszeiten. Ziel sei eine 35-Stunden-Woche sowie die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche.

Der Anteil an Beschäftigten mit Migrationshintergrund in den systemrelevanten Berufen ist unter den Reinigungskräften (56 Prozent) und im Handel (22 Prozent) besonders hoch. 13 Prozent der Arbeitskräfte in der Altenpflege- und Behindertenbetreuung haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. In diesem Zusammenhang forderte AK-Präsidentin Anderl erneut die Rücknahme der von der ÖVP-FPÖ-Regierung beschlossenen Indexierung der Familienbeihilfe. Durch diese Maßnahme wurde zum Beispiel die Familienbeihilfe für 24-Stunden-Betreuerinnen, deren Kinder im osteuropäischen Ausland leben, an das dortige Lebenshaltungskostenniveau angepasst und damit gekürzt.

"Die Krise hat soziale Ungleichheiten noch einmal stark hervorgehoben. Einig sind sich alle, dass so genannte Systemerhalter unverzichtbar sind", sagte Anderl. Es reiche nicht aus, für die Betroffenen zu klatschen. Diese benötigten "eine dauerhafte Anerkennung, die ihnen wirklich zusteht."

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