Close

Synchronizing Healthcare

Digitalisierung und das Spital der Zukunft

Es zählen ausschließlich die Bedürfnisse der Patienten

23. August 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
Dieser Artkel wurde 59 mal gelesen.

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / hasloo

Internationale Experten sind sich einig: Die Digitali­sierung wird das Gesund­heits­wesen völlig umkrempeln. Das Zwischen­mensch­liche wird aber weiter­hin der zentrale Faktor im System bleiben und der Mensch wird noch stärker in den Mittel­punkt rücken. Die Chancen der Digi­tali­sierung über­wiegen somit ein­deutig die Risiken. So lautete der Grund­tenor bei der Diskussion über die Aus­wir­kungen der Digitali­sierung auf das heimische Gesund­heits­wesen im Rahmen der Gesund­heits­gespräche des Euro­päischen Forum Alpbach.

Der rasante technologische Fort­schritt fordert einen sensiblen Umgang mit den Menschen – insbe­sondere im Gesund­heits­system. Über den heraus­for­dernden Spagat zwischen analoger und digi­taler Patienten­ver­sorgung im "Spital der Zukunft" dis­kutierte Dr. Michael Heinisch, Geschäfts­führer der Vinzenz Gruppe, gemeinsam mit der Inno­vations­for­scherin Dr. Eva Maria Kirchberger, Imperial Dyson School of Design Engi­neering in London, und Medizin­ethikerin Univ.-Prof. Dr. med. Alena Buyx, Direk­torin des Insti­tuts für Geschichte und Ethik der Medizin, TU München.

Die Digitalisierung wird den Patienten noch mehr Selbst­bestimmung ermög­lichen als bisher, ist Michael Heinisch über­zeugt. "Patienten erhalten mehr Freiheit – sie werden den Ort und die Zeit bestimmen, an der sie ihre Gesund­heits­dienst­leistung konsu­mieren." Durch die Digitali­sierung werde es nur einen "best Point of service" geben und zwar unmittel­bar beim Patienten. "Wer diese Poten­ziale des digi­talen Wandels im Gesund­heits­bereich erkennt und richtig nützt, tut viel für ein Gesund­heits­system, das in Zukunft mehr denn je Maß am Menschen nehmen kann", erläutert Heinisch.

Damit die Patienten von der Digitali­sierung profi­tieren können, muss man jedoch auch die Risken erkennen. "Es geht um den Kampf der Daten und daher auch um den Kampf der Benutzer­ober­fläche, der Inter­faces", sagt Kirchberger. "Wir haben heute neue Akteure am Medizin­markt. Früher waren da der Arzt und das Spital. Heute spielen zunehmend große Tech­firmen und viele andere mit. Und alle diese Akteure rittern im End­effekt darum, dass sie ganz nahe am Patienten sind. Der Grund ist: Je mehr ich über den Patienten weiß, desto mehr kann ich in Data Science vorher­sagen, desto mehr kann ich auch Angebote perso­nali­sieren." Viele Daten ermög­lichen auch Prognosen über Aus­breitung von Krank­heiten und Viren. Kirchberger: "Die großen Chancen liegen daher besonders in der Prä­vention und in der Therapie."

Eine Folge der Digitalisierung und der vielen Daten wird weites sein, dass neue Berufs­bilder ent­stehen werden, bei­spiels­weise ein Gesund­heits­coach, der sich die Daten eines Klienten anschaut, und ihm hilft, sich gesund zu erhalten. Kirchberger beschreibt, dass die "holis­tische" Medizin an Bedeutung gewinnen werde. "Menschen werden einen Heil­praktiker konsul­tieren, der sie wirklich anschaut, anfasst und eine ganz­heit­liche Betrach­tungs­weise hat. Algo­rithmen sind gut in der Speziali­sierung, aber nicht so gut im ganz­heitlichen Bild."

Für das Gesundheitswesen eröffnet diese Ent­wicklung ein Spektrum völlig neuer Möglich­keiten und birgt zugleich Risiken. Medizin­ethikerin Alena Buyx hält es für es für wahr­schein­lich, dass es in 20, 30 Jahren digi­tale Chief Consul­tants für Ärz­tinnen und Ärzte gibt. "Diese Spezia­listen müssen so ent­wickelt werden, dass sie Ärz­tinnen und Ärzte für den Arzt-Patienten-Kontakt frei machen und viele Routine­tätig­keiten über­nehmen. Das kann besonders im diagnos­tischen Bereich gut gelingen." Und: "Wir müssen ganz sorg­fältig darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir könnten damit die medi­zinisch professio­nellen Tätig­keiten ersetzen."

In der "Selfcare" sieht Alena Buyx eines der größten Poten­ziale für die Zukunft. "Die Patienten werden es genießen, viel in ihre eigene Hand zu nehmen. Wir haben hier echte Poten­ziale für Selbst­bestimmung, die wir heben können." So gebe es auf der einen Seite die junge Millenial-Generation, die digital superfit ist. "Auf der anderen Seite haben wir aber auch Patien­tinnen und Patienten, denen das Internet noch immer fremd ist, die nicht gut sehen, die nicht mehr gut tippen können, weil sie etwa Arthritis haben. Sie können an der neuen Art der Selbst­ver­sorgung nicht teil­nehmen. Wir müssen auf­passen, dass sie nicht aus dem System fallen."

In diesem Bereich sieht auch Michael Heinisch großen Hand­lungs­bedarf: "Wir müssen an der Gesund­heits­kom­petenz der Menschen arbeiten. Man braucht hier wirklich Aus­bil­dungen, wie man mit seiner Gesund­heit und mit den vielen Ange­boten umgeht. Es ist ein wichtiger Bildungs­auftrag, dass Menschen so früh wie möglich lernen, wie sie diese neuen Möglich­keiten nutzen."

Wie Kirchberger und Buyx ist auch Heinisch davon überzeugt, dass selbst im Zeit­alter der Digi­tali­sierung der zwischen­mensch­liche Kontakt der wesent­liche Faktor ist. "Es wird weiter­hin Menschen brauchen", sagt Heinisch, denn immer noch kann der Mensch in der Medizin das größte Ver­trauen geben, vor allem, wenn er kompetent ist und ethisch handelt." In einer zunehmend digi­tali­sierten Welt könne es daher eine Renais­sance der Empathie geben. "Gesund­heit hat immer etwas mit Empathie und Emotion zu tun und da braucht es Zuwendung, die ein Roboter nie wie ein mensch­liches Gegen­über spenden wird können", so Heinisch abschließend.

Diese Website verwendet Cookies.
Mehr erfahrenOK