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Die zwei Seiten des Open Access

Wie ein sinnvoller Ansatz die Wissenschaft ins Wanken bringt.

03. Februar 2020
Michaela Endemann
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 12
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Wissenschaftlich Tätige wissen, wie lange es dauern kann, bis ein Paper den Prozess des Peer-Reviews durchlaufen hat und schlussendlich veröffentlich wird; und dass, in wissenschaftlichen Journalen publizierte Aufsätze zu lesen, nur gegen Gebühr möglich ist.

Der Bedarf nach offen zugänglichen Informationen stieg, nicht zuletzt auch durch geringere Etats in den Bibliotheken diverser Institutionen, und so wurden dank der immer weiteren Verbreitung des Internets neue Zugangswege für wissenschaftliche Fachliteratur gefunden. 2002 verabschiedete die Budapest Open-Access-Initiative (BOAI) eine Erklärung dazu: „Frei zugänglich im Internet soll all jene Literatur sein, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen.“

Erste Open-Access-Verlage waren Biomed Central (BMC)1 und die Public Library of Science (PLoS)2 . In der Budapester Erklärung heißt es weiter: „Open-Access-Zeitschriften unterscheiden sich von kostenpflichtigen Zeitschriften eben nicht darin, dass sie dem Verfahren des Peer-Reviews weniger Bedeutung beimessen …, sondern lediglich in dem Modell, das sie für die Deckung ihrer Kosten wählen.“3 Eben durch finanzielle Beiträge der Autoren, nicht der Leser.

Findige Geschäftsmodelle – Predatory Journals

Schon bald wurden daraus allerdings auch lukrative Geschäftsmodelle, die so gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Ansatz von Open Access und wenig bis gar nichts mit Wissenschaft zu tun haben. Jeder kann in den Journalen dieser Verlage, die wie Pilze aus dem Boden schießen, jede Art von Aufsatz, Studie oder eigener Erkenntnis publizieren. Schnell und vor allem ohne Peer-Review-Prozess. Aus Wissenschaftskreisen ist zu hören, dass die E-Mail-Postfächer vor Angeboten, in diesen sogenannten „Predatory Journals“ mit klingenden Namen wie Academic Research Review zu veröffentlichen, nur so übergehen.

Journalisten der ARD haben recherchiert, dass in Deutschland Forscher mehr als 5000 wissenschaftliche Studien in derartigen Raubjournalen publiziert haben. Weltweit sollen es sogar mehr als 400.000 sein.4 Mit ein Grund dafür: Wer sich in der Wissenschaftswelt behaupten und seinen Job behalten will, muss publizieren. Besonders fatal ist dies in der Medizin, weil möglicherweise auch zum Schaden von Patienten, sagt Gerd Antes, ehemaliger Leiter von Cochrane Deutschland und nimmt sowohl Wissenschaftler als auch Fördergeber und Ethikkommissionen in die Pflicht, sich mit dieser Thematik eingehend zu beschäftigen.5

Wie kann man vermeiden, in die Falle zu tappen? Jeffrey Beall, ein US-amerikanischer Bibliothekar, der 2017 eine Überblicksarbeit zum Thema Raubjournale schrieb, veröffentlichte bereits 2008 die erste Liste solcher vermeintlicher Fachzeitschriften.6 In Graz bietet z.B. die Universitätsbibliothek Workshops und Informationen an, wie Wissenschaftler und Mediziner diese Fake Journals erkennen können7 , und auf www.predatoryjournals.com sind ebenfalls Informationen zu finden.

GEEKSPEAK

Peer-Review: Wissenschaftler bewerten die Arbeit anderer Wissenschaftler derselben Fachrichtung, um eine eingereichte Forschungsarbeit als valide und publikationswürdig einzustufen. Kriterien sind: neue Erkenntnisse, Forschungsaufgabe und verständliche und passende Methodik, reproduzierbare Ergebnisse.

Literatur:

1

Zugang: Internet: https://www.biomedcentral.com Zugriff: 19.11.19

2

Zugang: Internet: https://www.plos.org Zugriff: 19.11.19

3

Mruck K et al (2004): Budapest Open Access Initiative: Frequently Asked Questions. Zugang: Internet: https://web.archive.org/web/20080317194157/http://www.qualitativeresearch.net/fqs/boaifaq.htm Zugriff: 19.11.19

4

#Fake Science – Fragen und Antworten. Zugang: Internet: https://www.ndr.de/nachrichten/info/FakeScience-Fragen-undAntworten,fakescience198.html Zugriff: 19.11.19

5

Rytina S (2018): Räuber-Journale: „Große Täuschung von Ärzten und Patienten“ – wie es dazu kam und wie man sich vor Fake-Science schützt. Zugang: Internet: https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4907147 Zugriff: 19.11.19

6

Beall J (2017): What I learned from predatory publishers, Biochemia Medica 27(2):273–8, Zugang: Internet: https://doi.org/10.11613/BM.2017.029 Zugriff: 19.11.19

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
12/2019 (Jahrgang 60)

Verlag
Schaffler Verlag

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