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Synchronizing Healthcare

Den Mangel beheben

Ein interdisziplinäres Team nimmt sich im LKH Feldkirch um das wichtige Thema Mangelernährung an. Die Patienten profitieren dabei von einem Screening und individueller Ernährungstherapie.

23. Januar 2020
Christian F. Freisleben
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 60. JG (2019) 11
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ClipDealer / dfuentesphotostock

Bildinhalt: Tablett mit Essen im Krankenhaus

Bildrechte: ClipDealer / dfuentesphotostock

Das Thema Mangelernährung beschäftig Patrick Clemens schon länger. Im Vorjahr hat der Oberarzt an der Radioonkologie des LKH Feldkirch eine Weiterbildung mit dem Diplom für Ernährungsmedizin abgeschlossen. Zudem organisierte er im Frühjahr einen Ernährungskongress in Bregenz.

Bis zu 80 Prozent der stationär betreuten onkologischen Patienten sind mangelernährt, auf chirurgischen Abteilungen sind es bis zu 60 Prozent. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie untergewichtig sind. Auch bei einem BMI von 30 kann eine Mangelernährung vorliegen. „Patienten leiden unter Appetitlosigkeit oder verlieren Muskelmasse – es ist nicht so einfach zu erkennen“, erklärt Clemens. Der damit einhergehende schleichende Gewichtsverlust wirkt sich negativ auf eine Gesundung aus und reduziert die Lebensqualität, gleichzeitig entstehen höhere Kosten durch aufwendigere Behandlung und längere Krankenhausaufenthalte. „Es gibt schon lange wissenschaftlich fundierte Hinweise, dass ein individuelles Ernährungsmanagement positiven Einfluss auf den Gesundungsprozess hat. Es sinkt die Zahl der Komplikationen und die Lebensqualität steigt“, unterstreicht Clemens. Die Patienten seien für das Thema Mangelernährung jedenfalls sehr offen und dankbar für Unterstützung beim Umgang damit.

Ebenso belastbare Daten gibt es zum Benefit von interdisziplinären Ernährungsteams. Ein solches Team sollte Clemens im Auftrag der Krankenhausleitung auf eine neue, noch besser strukturierte Basis stellen; Vorarbeiten dazu hatte es bereits gegeben. In dem Team arbeiten neben Pflegekräften und Medizinern Diätologen, Logopäden, Physiotherapeuten, Psychologen und Psychotherapeuten – insgesamt sind es über 20 Personen. „Wir werden uns mindestens drei Mal jährlich in dieser Großgruppe treffen, dazwischen werden kleinere Gruppen an einzelnen Arbeitsschritten werken“, erklärt Clemens. Die Verantwortung für die Betreuung der Patienten bliebe in der jeweiligen Abteilung, das Team hätte als wesentliche Aufgabe, verschiedene hilfreiche Impulse zu geben.

Engere Zusammenarbeit

Als gesundheitspolitisches Problem nimmt er wahr, dass das Thema Mangelernährung nur unzureichend in den LKF-Abrechnungsposten vorkommt. „Es kann eine Mangelernährung zwar kodiert werden, um eine optimale Behandlung langfristig sicherzustellen, sollte diese sich jedoch in der Anzahl der Punkte widerspiegeln.“ Der positive Kosten-Nutzen-Effekt der Tätigkeit eines Ernährungsteams sei ja nachgewiesen.

Ziel des Teams ist vor allem, die Erkenntnisse aus der Ernährungstherapie stärker in die täglichen Routinen einfließen zu lassen. Die Entwicklung von Leitlinien soll dabei unterstützen, Mangelernährung so früh wie möglich zu erkennen und adäquat zu behandeln. Dazu gehören auch Maßnahmen der Mobilisierung oder die Behandlung von Schluckbeschwerden. Geplant ist, ein letztlich sehr einfaches und daher schnell umsetzbares Screening in den Prozess der Spitalsaufnahme zu integrieren, wozu es schon positive Vorerfahrungen aus der Onkologie gibt.

„Ein wichtiges Thema sind auch Kooperationen mit dem niedergelassenen Bereich, denn die Patienten kommen ja schon mangelernährt zu uns ins Haus“, so Clemens. Diese engere Zusammenarbeit beinhaltet auch Arztbriefe mit entsprechenden Hinweisen, um eine gute Weiterbetreuung sicherzustellen, sowie Fortbildungen für Hausärzte und schließlich „mehr präventive Maßnahmen, etwa durch einen leichteren Zugang zu Ernährungsberatung durch Diätologen“, analysiert Clemens.

Das interdisziplinäre Ernährungsteam am LKH Feldkirch …

… wurde initiiert von: Patrick Clemens im Auftrag der kollegialen Führung
… kostet: Arbeitszeit der Mitarbeiter des interdisziplinären Teams
… bringt Patienten: höhere Wahrscheinlichkeit für Genesung sowie bessere Lebensqualität
… bringt Mitarbeitern: mehr Fachwissen und Routine zu Ernährungstherapie im Allgemeinen und Mangelerkrankungen im Speziellen
… wird evaluiert: Die Umsetzung der bei der Neuetablierung des Teams gesetzten Ziele wird in Protokollen erfasst und von der kollegialen Führung geprüft.

Schaffler Verlag

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
11/2019 (Jahrgang 60)

Verlag
Schaffler Verlag

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