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Dauerhaft Arme sterben zehn Jahre früher

Dauerhaft arme Menschen sterben zehn Jahre früher als der Rest der Bevöl­kerung. Das hat eine von der Statis­tik Austria durch­geführte Sonder­aus­wertung der EU-Sozial­studie SILC ergeben. Noch größer ist der Unter­schied bei Obdach­losen. Die Armuts­kon­ferenz, ein Netz­werk sozialer Hilfs­organi­sationen, warnt daher davor, die Situa­tion von Mindest­sicherungs­beziehern weiter zu verschlechtern.

21. Januar 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Obdachloser sucht nach Essen

Bildrechte: ClipDealer / ilze79

Laut Statistik Austria sind 1,5 Millionen Menschen in Öster­reich von Armut oder sozialer Aus­grenzung gefährdet. Sie haben also ein niedriges Ein­kommen (unter 1.238 Euro bei Einzel­personen) oder Schwierig­keiten bei der Erfüllung not­wendiger Grund­bedürf­nisse. Und das bringt auch eine sinkende Lebens­erwar­tung mit sich, wie die Statis­tik Austria für das Sozial­minis­terium errechnet hat.

Der Sonderauswertung zufolge sterben armuts­gefähr­dete Männer um vier Jahre früher, bei Frauen sinkt die Lebens­erwar­tung um einein­halb Jahre. Wer nicht nur armuts­gefährdet ist, sondern in mani­fester Armut lebt - also etwa Probleme hat, die Wohnung warm zu halten und sich keine uner­war­teten Repara­turen leisten kann - stirbt um vier Jahre (Frauen) bis elf Jahre (Männer) früher.

Die Armutskonferenz verweist nun darauf, dass es sich bei Mindest­sicherungs­beziehern durch­wegs um manifest arme Menschen handelt. Dauert diese Armut mehrere Jahre an, sinkt die Lebens­erwar­tung noch weiter: um zwölf Jahre bei Männern und um neun Jahre bei Frauen. Hier spricht man von "dauer­haft mani­fester Armut".

"Diese enorme Einschränkung der Lebens­erwar­tung betrifft in Öster­reich fast 270.000 Menschen, das ent­spricht in etwa der Bevöl­kerung von Graz, der zweit­größten Stadt Öster­reichs", sagt Martin Schenk von der Armuts­kon­ferenz. Hier gehe der Stress durch finan­ziellen Druck Hand in Hand mit geschwäch­tem Krisen­manage­ment und einem unge­sunden Lebens­stil. "Man kann einen Menschen mit einer feuchten Wohnung genauso töten wie mit einer Axt."

Die Armutskonferenz warnt daher davor, die Situation von Mindest­sicherungs­beziehern weiter zu ver­schlechtern. Statt­dessen brauche es effektive Maß­nahmen für leist­bares Wohnen, Hilfe für ältere Arbeits­lose und bei prekären Jobs und chro­nischen Erkrankungen.

Noch einmal deutlich geringer ist die Lebens­erwartung bei Obdach­losen. Sie sterben laut Statis­tik Austria um 20 Jahre früher als die rest­liche Bevölkerung.

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