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Synchronizing Healthcare

Coronavirus - Warum sind die Maßnahmen wichtig?

Die von der österreichischen Regierung verkündeten Maßnahmen werden enorme Auswirkungen auf das öffentliche Leben haben. Hier einige Fragen und Antworten, warum diese dennoch wichtig für eine Eindämmung des Coronavirus sind.

11. März 2020
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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ClipDealer / macgyverhh

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Bildrechte: ClipDealer / macgyverhh

Alle Outdoor-Veranstaltungen über 500 Teilnehmer werden bis Anfang April abgesagt, ebenso alle Indoor-Veranstaltungen über 100 Teilnehmer. Ab nächster Woche wird es an Universitäten und Fachhochschulen keine Lehrveranstaltungen mehr geben, auch eine Schließung der Schulen ist angedacht.

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt in der Regel nach derzeitigem Stand bis zu 14 Tage. Das bedeutet, dass man während diesen Zeitraums zahlreiche andere Menschen anstecken kann - und je mehr Sozialkontakte, desto größer das Risiko für andere. Laut dem Berliner Virologen Christian Drosten vermehrt sich das Virus im Rachen und verbreitet sich vor allem durch Tröpfchen etwa beim Husten und Sprechen. Diese fliegen etwa eineinhalb Meter weit und fallen relativ schnell zu Boden. "Es ist das Einatmen einer solchen Wolke, die einen infiziert in den meisten Fällen." Nur in Kontaktsituationen gibt es demnach ein reales Risiko - etwa, wenn man mit einem Infizierten ungefähr eine Viertelstunde oder länger gesprochen habe. Und diese Gefahr versucht man durch die Maßnahmen zu minimieren.

Durch die Reduktion sozialer Kontakte sollen auch junge Menschen dafür sorgen, dass Ältere geschützt werden. Wer soziale Kontakte in den kommenden Wochen reduziert, könne jetzt einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, so die Regierung.

In etwa einem von fünf Fällen kommt es zu einem schwereren Verlauf. Patienten bekommen unter anderem Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Betroffen sind zumeist Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auf Diabetes zurückgehenden Organschäden. Hauptüberträgergruppe seien Menschen zwischen 14 und 30 Jahren. Wer also ältere oder sogar kranke Familienmitglieder und Bekannte ohne dringenden Grund besucht, kann diese unter Umständen in große Gefahr bringen.

Unternehmen sollen Mitarbeitern so weit wie möglich Teleworking genehmigen. Auch dies kann eine Ausbreitung der Krankheit eindämmen, weil nicht persönlich mit Kollegen interagiert wird und zudem das Risiko wegfällt, sich etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln anzustecken.

Die Grenzen nach Italien, jenem Land mit den zweitmeisten Krankheitsfällen, werden bis zu einem gewissen Grad "dicht" gemacht. Das Virus lässt sich dadurch natürlich nicht aufhalten, zumal es in Österreich bereits 183 Erkrankungen gibt. Doch Infektionen folgen einem exponentiellen Wachstum. Je besser es gelingt, die Geschwindigkeit der Ausbreitung zu verringern, desto geringer dürfte der Druck auf das Gesundheitssystem und die Gesellschaft sein. Problematisch wird das Infektionsgeschehen vor allem dann, wenn es komprimiert in kurzer Zeit auftritt. Dann drohen volle Spitäler und Arztpraxen, knapp werdende Intensivbetten und ein vollkommen überlastetes Gesundheitssystem.

Einschränkungen beziehen sich auf Epidemiegesetz

Die Einschränkungen das Coronavirus betreffend basieren auf zwei Paragrafen des Epidemiegesetzes. Einer davon bezieht sich auf Veranstaltungen, der andere auf Betriebsbeschränkungen oder Schließungen. Mittels eines Erlasses soll den Bezirksverwaltungsbehörden dargestellt werden, welche Aktivitäten zu untersagen sind.

In Paragraf 15 heißt es: "Die Bezirksverwaltungsbehörde hat Veranstaltungen, die ein Zusammenströmen größerer Menschenmengen mit sich bringen, zu untersagen, sofern und solange dies im Hinblick auf Art und Umfang des Auftretens einer meldepflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt erforderlich ist." Im konkreten Fall hat die Regierung schon klar gestellt, dass damit Freiluftveranstaltungen mit mehr als 500 und Indoor-Events mit über 100 Teilnehmern gemeint sind. Betroffen sein davon werden neben Sportveranstaltungen auch kulturelle sowie Demonstrationen. Ob es z.B. bei Gottesdiensten zu Einschränkungen kommt, war vorerst noch unklar.

Paragraf 20 wiederum bezieht sich auf ganz bestimmte Krankheiten wie Diphterie, Typhusarten, Cholera, Pest und diverse andere. In diesen Fällen können Betriebstätigkeiten eingeschränkt werden, bei "ganz außerordentlichen Gefahren" auch eine Schließung verfügt werden. Da die Krankheiten aufgezählt sind, muss hier per Verordnung das Coronavirus ergänzt werden. Welche Einrichtungen exakt betroffen sind, soll noch im Laufe des heutigen Tages konkretisiert werden. Naheliegend sind Universitäten und Fachhochschulen, da diese nach Anordnung der Regierung bis spätestens Montag ihre Lehrtätigkeit an Ort und Stelle eingestellt haben müssen.

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