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Coronavirus - Erste Fälle in Wien, Rudolfstiftung teilweise gesperrt

Ein 72 Jahre alter Mann ist der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Wien. Er lag bereits seit zehn Tagen mit klassischen Grippe-Symptomen in der Rudolfstiftung in der Landstraße. Spitalsmitarbeiter wurden nun in häusliche Quarantäne geschickt, Besucher des Mannes auf das Coronavirus getestet und drei klinische Stationen des Spitals gesperrt.

28. Februar 2020
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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Nachdem das Testergebnis am Donnerstag positiv auf SARS-CoV-2 ausgefallen war, wurden drei Krankenhausabteilungen geschlossen, eine klinische Abteilung einer internen Station, eine Intermediate-Care- sowie eine Intensivstation. Die Mitarbeiter, die in der direkten Betreuung des Patienten tätig waren, wurden nach Hause gebracht, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bei einer Pressekonferenz. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) sei nunmehr beschäftigt, alle Kontakte des Mannes zu quantifizieren. "Wir haben in der uns überschaubaren Gruppe keinen einzigen weiteren Krankheitsfall feststellen können", sagte Michael Binder, medizinischer Direktor des KAV. Wo sich der 72-Jährige selbst angesteckt hat, konnte bisher noch nicht eruiert werden. Sein aktueller Zustand wurde von Binder als schwer erkrankt eingestuft.

Bei der Pressekonferenz im Rathaus wurde auch über einen zweiten Patienten berichtet. Bei ihm war ein erster Coronavirus-Test positiv ausgefallen. Sein klinischer Zustand sei so gut, dass er keine stationäre Betreuung im Spital braucht, sondern zu Hause in Quarantäne ist. Der Mann dürfte sich in Italien angesteckt haben. Er hatte sich selbst zur Untersuchung angemeldet.

"Es war nur eine Frage der Zeit, dass es erste Fälle in Österreich gibt", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Es war klar, dass Österreich keine Ausnahme bleibe, man könne das Land nicht "unter einen Glassturz" stellen.

In Tirol wird unterdessen das infizierte Paar aus Italien über das Wochenende in der Innsbrucker Klinik bleiben müssen. Von den beiden 24-Jährigen, die sich nach wie vor in einem guten Zustand befinden, würden laufend Abstriche genommen bzw. Tests durchgeführt, so Kliniksprecherin Cornelia Seiwald. Solange nicht ein negatives Ergebnis vorliege, wolle man "kein Risiko eingehen".

Insgesamt wurden laut Gesundheitsministerium bis Donnerstagvormittag österreichweit 447 Testungen auf SARS-CoV-2 durchgeführt, vier Fälle gelten als bestätigt. In mindestens 15 europäischen Ländern gibt es inzwischen Fälle, 14 Tote wurden gezählt bei etwa 500 Infizierten, wie es vom europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hieß. Die Behörden wollen ab sofort noch stärker über Eigenschutz aufklären sowie über die Vorgangsweise bei Verdachtsfällen informieren, kündigten der stellvertretende Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Lang, und Brigitte Zarfl, Ex-Gesundheitsministerin und Spitzenbeamtin des Gesundheitsressorts, an.

Allein in Deutschland stehen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen Hunderte Menschen unter Quarantäne. Unterdessen wird in mehreren deutschen Bundesländern intensiv nach möglichen SARS-CoV-2-Infizierten gesucht. Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neue Virus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate sei, sehe man erst nach dem Ende der Epidemie, sagte Institutspräsident Lothar Wieler.

SARS-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Infizierten, was höher als bei der Grippe ist. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Eine Ansteckung über Oberflächen gilt weiter als unwahrscheinlich. Das gilt für Lebensmittel ebenso wie für andere Waren. Regelmäßig gründliches Händewaschen gilt als der beste Schutz.

Die Folgen, die ein Übergreifen von SARS-CoV-2 auf große Teile der Bevölkerung hätte, sind schwer abzuschätzen. Zudem gibt es anders als bei der Grippe weder einen Impfstoff noch speziell zugeschnittene Medikamente.

In Nordrhein-Westfalen, wo bisher fünf Fälle bekannt waren, suchen die Behörden nach möglichen weiteren Infizierten. Mehrere Hundert Menschen stehen dort unter häuslicher Quarantäne. Betroffen seien vor allem Besucher einer Karnevalssitzung in Gangelt, die ein infiziertes Paar besucht hatte. Die Maßnahme gelte auch für das Personal und Kinder des Kindergartens, in dem die Frau als Erzieherin beschäftigt ist. Die Leute dürften 14 Tage lang ihre Wohnungen nicht verlassen und müssten sich von Freunden, Verwandten oder Nachbarn mit Lebensmitteln versorgen lassen, die dann die Einkäufe vor der Haustür abstellten.

Aus weiteren Ländern wurden erste Fälle gemeldet, etwa aus Israel, Dänemark, Norwegen, Estland und Rumänien. In Italien gibt es mit mehr als 500 Infizierten und bis dato 14 Toten den größten Ausbruch Europas. Saudi-Arabien hat aus Sorge vor einer Verbreitung seine Grenzen für Pilgerreisen von Ausländern in die beiden Städte Mekka und Medina geschlossen. Vorerst ausgesetzt würden auch Einreisen mit Touristenvisa aus Ländern, in denen die Verbreitung des Virus eine Gefahr darstelle, teilte das Außenministerium in Riad mit. Für welche Länder dies gelte, blieb zunächst unklar.

In Südkorea verschieben die Streitkräfte des asiatischen Landes und der USA ihr Frühjahrsmanöver auf unbestimmte Zeit. Die Gesundheitsbehörden des Landes meldeten im Verlauf des Donnerstags 505 neue Fälle und damit mehr als China. Die Zahl der Menschen, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, kletterte auf 1.766. Bisher wurden 13 Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht. Die Mehrzahl der neuen Infektionen konzentriert sich auf die südöstliche Millionen-Stadt Daegu und die Region. Etwa die Hälfte aller Fälle im Land entfällt auf Anhänger der in Daegu stark vertretenen christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die auch Verbindungen nach China hat.

Japan will im Kampf gegen das neuartige Virus alle Schulen schließen. Die Maßnahme trete Montag in Kraft, sagte Premierminister Shinzo Abe. Die Schließung soll demnach bis zum Beginn der zehntägigen Frühlingsferien Ende März gelten. In China stieg die Zahl erfasster Infektionen auf rund 78.500, die Zahl der Toten lag in der offiziellen Statistik für Festlandchina bei 2.744. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise vergangene Woche hat sich der täglich berichtete Anstieg der neuen Infektionen mit dem Virus und der Todesfälle in der Statistik Chinas deutlich reduziert. Beides wird von amtlichen Stellen gerne zitiert, wenn dazu aufgerufen wird, an anderen Orten des Landes zur Normalität zurückzukehren und die Produktion wieder aufzunehmen. Experten gehen aber von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

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