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Coronavirus - Absagen, Kontrollen, mehr Fälle und weitere Maßnahmen

Das Coronavirus hat am Mittwoch Österreich weiter in Atem gehalten und zu Absagen und Schließungen geführt. Bis Mittwochfrüh wurden bundesweit 206 Infektionen mit SARS-CoV-2 registriert, und die Zahl stieg weiter. Allein in der Steiermark nahmen die Fälle im Laufe des Tages von 18 auf 25 zu. In Wien - 50 Infektionen - gibt es mittlerweile vier an Covid-19 erkrankte Intensivpatienten.

12. März 2020
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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Unterdessen haben an den Grenzen zu Italien die über das Fiebermessen bei Einreisenden hinausgehenden Kontrollen begonnen. Erwartet wurde darüber hinaus, dass die Bundesregierung am Nachmittag nach einem Treffen mit den Sozialpartnern weitere Maßnahmen im Hinblick auf Schulschließungen bekannt gibt. Bereits in der Früh verkündeten die Bundesmuseen, dass ihre Häuser bis auf weiteres geschlossen bleiben. Das betrifft unter anderem in Wien das Kunsthistorische Museum, das Belvedere, das Museumsquartier oder die Albertina. Die Museen der Stadt Wien schlossen sich der Maßnahme an.

Die 206 Infektionsfälle verteilten sich auf 50 in Wien, 45 in Niederösterreich, in der Steiermark 18 (später auf 25 gestiegen), in Tirol 37, in Oberösterreich 28, in Salzburg elf, im Burgenland vier, in Vorarlberg zwölf und in Kärnten einen Fall. Laut Johns Hopkins Universität wurden weltweit bis Nachmittag (MEZ) 121.206 Infektionen und 4.369 Todesfälle registriert.

Neben der Schließung der Bundesmuseen zählte die Absage des Wiener Stadtmarathons am 19. April zu den spektakulärsten Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Auch das GTI-Treffen am Wörthersee findet heuer nicht statt.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beriet sich am Nachmittag mit den Landeshauptleuten via Video-Konferenz. Dabei sollte es um bisher gesetzte Maßnahmen, aber auch um weitere gehen. Eine Stunde später folgte der Sozialpartnergipfel im Bundeskanzleramt. Erwartet wurde, dass es dabei u.a. um die Handhabung der Auswirkung möglicher Schulschließungen geht, etwa den Umgang mit Betreuungspflichten.

Kurz kündigte bereits nach dem Ministerrat an, dass auch in den Bildungseinrichtungen des Landes auf die Corona-Krise reagiert werden muss: "Es wird auch in der Schule Maßnahmen geben müssen." Es sei auch hier notwendig, soziale Kontakte für einige Wochen zu reduzieren. Genaueres werde nach dem Gipfel mit den Sozialpartnern kundgetan. Kurz appellierte an die Bevölkerung, die gesetzten Maßnahmen mitzutragen. Seine große Bitte sei: "Verharmlosen wir die Situation nicht."

"Wir werden eine ausgewogene Lösung präsentieren", versprach der Bundeskanzler. So müsse man u.a. sicherstellen, dass Eltern, die in unersetzbaren Jobs arbeiten (etwa Polizei oder Medizin) trotz Schulschließungen weiterhin arbeiten können. Es gehe um die Reduktion der sozialen Kontakte, die Schulen seien dabei "ein ganz wesentlicher Schritt", so der Kanzler.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) rief die Bevölkerung dazu auf, Sozialkontakte möglichst zu reduzieren. Ein "großer Teil" der Lösung sei die Bevölkerung selbst, sagte er nach dem Ministerrat. Angesichts der Fallzahlen sagte er, man sehe "eine schrittweise signifikante Steigerung in den letzten Tagen". Die am Vortag präsentierten teils einschneidenden Maßnahmen seien "nur Teil der Lösung", betonte der Minister. Alle würden mit ihren Sozialkontakten entscheiden, "ob wir diese Ansteckungskette reduzieren können". Denn: "Ein Viertel weniger Sozialkontakte bedeutet nahezu eine Halbierung des Ansteckungsrisikos."

In Wien gibt es derzeit vier Intensivpatienten, die an Covid-19 erkrankt sind, teilte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) mit. Das sind um drei mehr als bisher bekannt. Insgesamt befinden sich aktuell zwölf Patienten in diversen Krankenhäusern. Rund 40 Erkrankte sind in häuslicher Behandlung, ergänzte Hacker. Rund 400 Personen seien isoliert.

Hacker zeigte sich auch skeptisch, was die Schließung von Schulen anbelangt. "Da wird es eine intensive Diskussion geben müssen", befand er. Schulen und Kindergärten zu schließen, würde bedeuten, das Land "wirklich lahmzulegen". Denn Eltern müssten dann ihre Kinder betreuen. Und dies seien genau jene Menschen, die man bei der Aufrechthaltung der Systeme - also in den Spitälern oder Supermärkten - brauche. "Eine solche Maßnahme will sehr, sehr gut überlegt sein, bevor man sie trifft. Man legt damit die ganze Wirtschaft lahm." Hacker warnte auch davor, dass in der Folge sich viele Großeltern um die Kinder kümmern würden. Dies wäre jedoch ein "Schuss ins eigene Knie", da ältere Menschen besonders gefährdet seien, sich anzustecken.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) betonte, dass Wien eine Verordnung erlassen hat, in dem die Vorgaben des Bundes zum Umgang mit dem Coronavirus umgesetzt werden. Dies betrifft in erster Linie die Einschränkungen bei den Veranstaltungen. Der öffentliche Verkehr wird nicht reduziert, auch die Bäder bleiben in Betrieb. Auch Nahversorger oder Einkaufszentren bleiben geöffnet. Entsprechend den Bundesvorgaben sind Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen im Freien oder mit 100 Besuchern in geschlossenen Räumen bis vorerst 3. April untersagt.

Unterdessen haben die Grenzkontrollen an den österreichisch-italienischen Grenzen in Tirol begonnen. Am Brenner wurde hierfür die Infrastruktur des einst in der Migrationskrise errichteten Grenzmanagements hochgefahren. Der Verkehr am sonst sehr stark befahrenen Brenner hielt sich am Mittwoch jedoch in Grenzen. "Es werden alle Fahrzeuge angehalten und kontrolliert", sagte Tirols Landespolizeidirektor Edelbert Kohler am Brenner. Auf der Autobahn wurde der gesamte Verkehr nach dem Grenztunnel ausgeleitet und auf den Parkplatz der dortigen Raststätte umgeleitet, wo dann die Kontrollen stattfanden.

Kärnten kündigte inzwischen an, zwei Grenzübergänge nach Italien komplett zu schließen. Wie Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz sagte, habe man ein Ansuchen gestellt, dass die Grenzübergänge Nassfeld und Plöckenpass, beide im Bezirk Hermagor, geschlossen werden. Die Sperre soll in den kommenden Tagen in Kraft treten. Neben den beiden Grenzübergängen im Bezirk Hermagor gibt es in Kärnten zwei weitere nach Italien: Bei Thörl-Maglern im Bezirk Villach-Land, über die Südautobahn (A2), beziehungsweise über die Bundesstraße. Kaiser kündigte an, dass auch diese Bundesstraße im Grenzbereich in der Zeit von 21.00 Uhr bis 6.00 Uhr gesperrt wird, um den Verkehrsstrom ausschließlich über den Autobahn-Kontrollplatz zu führen. "Wir übernehmen für ganz Österreich eine sehr hohe Verantwortung", betonte Kaiser.

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