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Synchronizing Healthcare

Corona-Gegenmaßnahmen nicht Feind der Wirtschaft?

Die strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben zwar der Wirtschaft massiv geschadet, trotzdem sind der Schutz der Gesundheit und wirtschaftliche Lockerungen kein Widerspruch. Zu diesem Ergebnis kommt eine fachübergreifende Studie von Wirtschaftsforschern und Infektiologen in Deutschland. Sie zeigen in einer Szenarienrechnung einen goldenen Mittelweg auf.

17. Mai 2020
Walter Zifferer (CGM)
APAMED
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Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / richterfoto

Die gemeinsame Studie des ifo Instituts und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) unter Leitung von Clemens Fuest und Michael Meyer-Hermann kommt darin zum Ergebnis, dass es bei einer starken Lockerung keinen Konflikt zwischen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Kosten gibt. "Die Kosten würden in beiden Dimensionen höher ausfallen", heißt es in den Schlussfolgerungen. Eine starke Lockerung "würde kurzfristig zwar mehr Wirtschaftsleistung erlauben, die Phase der leichten Beschränkungen aber nach unseren Simulationsanalysen so sehr verlängert, dass die Gesamtkosten in den Jahren 2020 und 2021 zusammen betrachtet steigen."

Die Autoren errechneten, dass bei einer Basisreproduktionszahl (Rt) von rund 0,75 die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gesamtkosten am geringsten sind. Das hängt vor allem auch mit der Zahl der Toten zusammen. Grundsätzlich sei die Zahl der zusätzlichen Covid19-Toten umso kleiner, je kleiner die angenommene Reproduktionszahl ist. Allerdings seien die Unterschiede bis Rt = 0,75 relativ klein. "Erst bei höheren Reproduktionszahlen von 0,9 und 1,0 steigt die projizierte Zahl der zusätzlichen Toten deutlich an."

Das ifo Institut und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sprechen sich deshalb für einen "umsichtigen, schrittweisen Öffnungsprozess" in Deutschland aus. Sie empfehlen der Politik, mehr zu testen, um ein Anwachsen der Infektionen bei zunehmenden Lockerungen zu begrenzen. "Die Strategie umsichtiger, schrittweiser Lockerungen ist nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch wirtschaftlich vorzuziehen", so Fuest und Michael Meyer-Hermann. "

Zitat

Nicht zutreffend ist hingegen, dass eine sehr schnelle Lockerung wirtschaftlichen Nutzen stiftet und deshalb ein Konflikt zu gesundheitspolitischen Zielen entsteht. Vor diesem Hintergrund ist es ein gemeinsames Interesse von Gesundheit und Wirtschaft, die Lockerung vorsichtig vorzunehmen und sehr intensiv zu beobachten, wie sich die Infektionszahlen entwickeln.

Anna Laclaque

Bildinhalt: Michael Meyer-Hermann,Physiker und Modellierer

Bildrechte: Anna Laclaque

ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.

Bildinhalt: Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest,Vorstand ifo-Institut

Bildrechte: ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.

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