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Synchronizing Healthcare

„Change“ als Chance in der Pflege?

Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0 sind für die einen gleich­bedeutend mit Arbeits­losig­keit, sozialer Ungleich­heit und dem Ende der Menschlich­keit. Andere sehen darin die einzige Chance, den demo­grafischen Heraus­for­derungen zu begegnen.

30. März 2019
ÖKZ-Lehrredaktion
Schaffler Verlag, ÖKZ: 60. JG (2019) 01-02
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Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / manae

Die Digitalisierung hat auch die Pflege längst erfasst, vor allem in vier Anwendungs­bereichen: Assistenz­systeme, Robotik, Telecare sowie elektro­nische Patien­ten­doku­mentation. Assistenz­systeme unter­stützen Pflegende bei ihren Tätig­keiten und schaffen die Rahmen­bedin­gungen für ein sicheres Lebens­umfeld der zu Pflegenden. Dazu gehören Auto­mati­sierung von Heizung, Strom­zufuhr zu Küchen­geräten oder Sturz­sen­soren in Fuß­böden. Auch Roboter können zu einem selbst­stän­digeren Leben von Pflege­bedürf­tigen bei­tragen. Sie können Medi­kamente trans­por­tieren und Lasten heben. Telecare hingegen ermög­licht die inter­dis­zi­plinäre Zusam­men­arbeit bei der Dia­gnos­tik und Behand­lung. Die best­mög­liche Ver­sor­gung soll dadurch auch über weite Dis­tanzen hinweg sicher­gestellt werden. Elek­tro­nische Pflege­doku­men­tation umfasst schließ­lich die Ver­wal­tung aller per­sonen­bezogenen Daten, die Abrech­nung im Pflege­heim und das Naht­stellen­manage­ment zur Krankenversorgung.1

Nutzbringender Einsatz

Petra Wagner betreibt seit 2002 ein Senioren­heim mit 18 Bewohnern in Ruders­dorf (Burgen­land). Sie verweist auf das aktuelle Regie­rungs­programm, das einige Punkte bein­haltet, um die Digi­tali­sierung voran­zu­treiben. Die Grund­lage für alles, was in Öster­reich umge­setzt werden soll, ist laut Wagner der Ausbau des 5G-Netzes. Dieses stellt die neueste Gene­ration draht­loser Breit­band­techno­logie, die höhere Daten­geschwin­dig­keit und bessere Abdeckung gewähr­leistet, dar. Ein weiterer Schwer­punkt liegt bei E-Health und dem weiteren Rollout von ELGA auf Pflege­heime. Petra Wagner sieht darin einen not­wendigen Schritt in Richtung Zukunft und Flexi­bili­sierung der Patien­ten­ver­sorgung. Ein nutz­brin­gender Einsatz der Techno­logien sei für die diplo­mierten Pflege­kräfte nur mit moti­viertem und quali­fi­ziertem Personal möglich. Heraus­for­derungen sieht Wagner in der Bediener­freund­lich­keit der Systeme und in den Kosten, die besonders für kleine Häuser belastend sind.

Fehlende Strukturen

Diese Problematik bestätigt auch Christian Kappel, Geschäfts­führer eines Soft­ware­herstellers für GINA- und ELGA-Services in Graz. Kappel bemerkt, dass fehlende Struk­turen und mangel­ndes Quali­täts­manage­ment ein Sicher­heits­risiko vor allem in kleinen Häusern dar­stellen. Aber auch die IT-Unter­nehmen müssten mit ihren Produkten keine umfassenden Quali­täts­standards erfüllen. Soft­ware­firmen im Umfeld des Gesund­heits­manage­ments „können Soft­ware ent­wickeln und auf den Markt bringen, und müssen dabei ledig­lich im Bereich der Ver­rechnung eine Ver­trags­partner-Soft­ware-Zerti­fi­zierung beim Haupt­ver­band der öster­rei­chischen Sozial­ver­sicherungs­träger durchlaufen“.2

Im Hinblick auf den Datenschutz stellt Christian Kappel fest, dass die Ein­führung der Daten­schutz­grund­ver­ordnung (DSGVO) viele Betreiber dazu gezwungen habe, sich mit dem Daten­manage­ment ihres Hauses zu beschäf­tigen. „Das hat viel Bewusst­sein geschaffen und zu Schritten in die richtige Richtung geführt“, sagt er. Als Techniker ist er jeden­falls über­zeugt, „dass die Menschen ins­gesamt von der Digi­tali­sierung profitieren“.

Derzeit werden in ELGA Befunde gespeichert. Die E-Medi­kation ist bereits in Vorarl­berg, Kärnten, Tirol, Salz­burg und der Steier­mark einge­führt. Für Christian Kappel würde es für die Menschen jedoch einen echten Mehrwert schaffen, wenn auch Arzt­briefe, Ent­lassungs­papiere, Leis­tungs­über­sichten und Abrech­nungen elek­tronisch zugäng­lich wären. Für das Pflege­personal wäre eine elek­tro­nische Patien­ten­ver­waltung in Kombi­nation mit Sprach­steuerung extrem hilf­reich. Künst­liche Intelli­genz könnte dafür ein­ge­setzt werden, dass sich Pro­gramme selbst warten und Updates vor­nehmen. Dadurch würden zeit­liche Ressour­cen bei den Softwareentwicklern frei.

Im Gespräch erklärte der Experte auch, dass er sich von der Politik bessere Rahmen­bedin­gungen wünscht. Dazu zählt er eine all­gemeine Defi­nition, wie Soft­ware für den Gesund­heits­bereich aussehen muss, und ver­pflich­tende Sicher­heits­standards für diese Produkte.

Literatur:

1

Rösler U et al (2018): Digitalisierung in der Pflege. Wie intelligente Technologien die Arbeit professionell Pflegender verändern. Geschäftsstelle der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin, 5/24-27.

2

VSZ (2006): VSZ-Handbuch zur Vertragspartner-SoftwareZertifizierung. Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Zugang: https://www. sozialversicherung.at/cdscontent/load?contentid=10008.5 55270&version=1391176465, Zugriff: 23.11.2018.

Die Autoren

Die Autorinnen sind Studentinnen des Fach­hoch­schul-Bachelor­studien­gangs Gesund­heits­management und Gesund­heits­förderung am Standort Pinkafeld (Isabella Kranacher, Anna-Maria Grosinger, Marina Binder, Elisabeth Konrad, Anna Jungel).

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
01/2019 (Jahrgang 60)

Verlag
Schaffler Verlag

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