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Synchronizing Healthcare

Armut kann krank machen

Armut führt zu einem ganzen Bündel an Benach­teili­gungen bis hin zur Krankheit. Was aber oft noch hinzu­kommt und die Betroffenen doppelt schädigt, ist die Scham. Die österrei­chische Armuts­konferenz stellte am Freitag in dem von ihr organi­sierten "Parlament der Ausge­grenzten" in Wien das Motto "Beschämung und Gesundheit" in den Mittelpunkt.

13. Oktober 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / pixachi

Präsentiert wurden auch zwei Leit­fäden für Betroffene und Mitar­beiter von Gesund­heits­ein­richtungen. "Viele Menschen, die in schwierigen Lebens­lagen sind oder Armuts­erfah­rungen gemacht haben, kennen Situa­tionen, in denen sie abwertend und schlecht behandelt werden. Oftmals geschieht das auf Ämtern oder auch in Gesund­heits­ein­richtungen, etwa beim Arzt, in Kranken­häusern oder bei der Erstellung von Gut­achten. Diese Erfah­rungen von Beschämung gehen meist nicht spurlos an ihnen vorüber - Krän­kungen machen eben auch krank", stellte die Armuts­kon­ferenz in einem der Leitfäden dar.

Soziale Scham sei nicht bloß ein "harmloses persön­liches Gefühl". "Beschämung ist eine soziale Waffe der jeweils Mächtigen", stellten die Experten fest. Stress sei die Folge, Stress, der erst recht krank machen könne. Das wirke sich auf höhere Raten bei psy­chischen Erkran­kungen, Herz-Kreis­lauf­erkran­kungen und andere Leiden aus. Empfundene Verachtung sei damit ein echter Risikofaktor.

Maßnahmen auf vielen Ebenen könnten Ausge­grenzten und oft aufgrund ihrer sozialen Situation Diskri­minierten helfen. Darunter: Begleit­dienste ("Mitgehen") für Armuts­betroffene auf Ämter und Behörden, bei Gutachten und Gesund­heits­diensten. "Behörden und soziale Einrich­tungen müssen in ihrem Leit­bild zu Diskri­minierung und Beschämung Stellung beziehen und klare Beschwerde­struk­turen aus­weisen", lautet eine weitere For­derung. "Spar­pakete" und Austeritäts­politik dürften nicht auf soziale Dienste oder Gesund­heits­einrich­tungen durch­schlagen. Mit­bestim­mungs­gremien von Nutzern auf Ämtern und Behörden (AMS, Sozial­ämter, PVA etc.) wären einzu­richten. Niemand sollte gezwungen werden, krank machende Erwerbs­arbeit anzu­nehmen. Auch zum Beispiel eine bessere Rechts­hilfe und Anwalt­schaft gegen­über Ämtern, Behörden und Sozial- und Gesund­heits­einrich­tungen müsse gewähr­leistet werden.

Es gehe aber auch um generelle Einstel­lungen in Gesell­schaft und Politik, wie die Armuts­konferenz dar­stellt: "In der poli­tischen Kultur, im öffent­lichen Diskurs und in Medien braucht es mehr Wert­schätzung und Respekt. Jeder Mensch ist gleich viel wert - auch wenn er weniger Geld hat. Verun­glimpfungen, Diffa­mierungen und Pauschali­sierungen müssen stärker bekämpft und aktiv geahndet werden."

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