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Synchronizing Healthcare

Angststörungen-Behandlung nur bei Hälfte der Patienten wirkungsvoll

Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung von Patienten mit Angststörungen lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Nur 50 Prozent der Patienten in Europa - und damit auch in Österreich - zeigen derzeit ein gutes Ansprechen auf aktuelle Therapien, sagte der Direktor des Instituts für Pharmakologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, Francesco Ferraguti.

10. Dezember 2019
Philipp Streinz (CGM)
APAMED
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Und von diesen 50 Prozent an Patienten könne derzeit nur ein kleiner Teil komplett geheilt werden, so der Experte. Insgesamt 60 Millionen Menschen in Europa werden mindestens einmal pro Jahr wegen Angststörungen behandelt. Zu Angststörungen gehören etwa Phobien, generalisierte Angststörungen und Panikstörungen - aber auch Zwangsstörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen werden mit Angststörungen in Verbindung gebracht.

"Die medizinische Notwendigkeit, Angststörungen effektiv zu behandeln, ist sehr groß", erklärte Ferraguti, doch der Mediziner räumte ein: "Das Gehirn ist ein sehr komplexes Organ. Wir wissen derzeit sehr wenig darüber".

Die Entwicklung neuer Medikamente für die Behandlung psychischer Krankheiten sowie die Erforschung grundlegender Mechanismen, wie das Gehirn funktioniert, würden bis heute nicht ausreichend gefördert. Ein Teil des Problems sei, dass psychische Störungen auch heutzutage noch oft mit einem gewissen "Stigma" verbunden sind, was zu einer falschen Einschätzung des benötigten medizinischen Bedarfs führe - "obwohl diese Krankheiten ein großes Leiden für die Patienten und ihre Familien darstellen und für die Gesellschaft viele Kosten verursachen", sagte der Mediziner.

Andererseits hätten viele Pharmafirmen die Förderung der Entwicklung neuer Medikamente für die Behandlung psychischer Krankheiten vor Kurzem gestoppt. Hier sei die öffentliche Hand gefordert, wesentlich mehr an finanziellen Mitteln zur Verfügung zu stellen - schließlich habe diese in erster Linie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen, forderte Ferraguti.

Klinische Studien über psychiatrische Erkrankungen wie Angststörungen seien jedenfalls sehr teuer, und: "Sie dauern auch länger im Vergleich zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Infektions- oder Krebskrankheiten". Zudem würden solche Klinischen Studien derzeit zum überwiegenden Teil nicht zum gewünschten Erfolg führen. Ein Mehr an Geld würde keine Garantie für mehr Erfolg bedeuten, meinte der Klinikdirektor, aber zumindest die Chancen dafür würden deutlich erhöht.

Neue Einblicke in die Informationsverarbeitung im Gehirn gibt laut Ferraguti indes eine Arbeit, die an seinem Institut in Kooperation mit einer Forschungsgruppe des Friedrich-Miescher-Instituts für Biomedizinische Forschung in Basel entstanden ist. Das Gehirn verarbeite am Tag eine sehr große Menge an Informationen. "Allerdings können wir uns nur an einen Bruchteil davon erinnern. Ein Ereignis wird aber dann abgespeichert, wenn es mit einer starken Emotion - positiv oder negativ - verbunden ist", erläuterte Ferraguti. Unerwartete, negative Ereignisse, wie beispielsweise ein Hundebiss in der Kindheit, würden eine besonders starke Erinnerung zur Folge haben. Die aktuelle Forschungsarbeit, an der seitens des Innsbrucker Instituts die Wissenschafterin Enrica Paradiso beteiligt war, würde jedenfalls neue Einblicke geben, welche molekularen Prozesse im Gehirn dafür verantwortlich sind.

"Die Erkenntnisse dieser Forschungsarbeit sind für das Verständnis der Mechanismen, wie ein Angstgedächtnis entsteht, sehr wichtig", betonte Ferraguti. Die neuen Erkenntnisse könnten eines Tages dazu beitragen, fehlgeleitete Lernprozesse, wie sie etwa bei einer generalisierten Angststörung vorliegen, zu verhindern. Bei einer generalisierten Angststörung fühlen sich Betroffene die meiste Zeit ängstlich und besorgt, nicht nur in außergewöhnlichen Belastungsmomenten.

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