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Alltagsdoping: Konsumieren, um zu funktionieren

Viele Österreicherinnen und Österreicher schaffen ihren Alltag nicht ohne legale und illegale Suchtmittel. Eine Studie erhebt nun erstmals das Ausmaß von Alltagsdoping in Österreich. Sie wird durchgeführt vom Institut für Sozialästhetik und Psychische Gesundheit der Sigmund Freud Universität Wien im Auftrag der Stiftung Anton Proksch-Institut Wien.

17. Dezember 2019
Philipp Streinz
APAMED
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Spricht man über das Thema Doping, dann tauchen im Kopf vor allem Bilder von Spitzensportlerinnen und -sportlern auf – etwa beim Langlaufen oder Radfahren. Dabei ist Doping längst nicht mehr nur diesen Kreisen "vorbehalten". Das so genannte Alltagsdoping ist ein Thema, das sich quer durch alle sozio-ökonomischen Schichten zieht, zumal die Betroffenen oft so agieren, dass ihr Suchtverhalten für Außenstehende völlig unbemerkt bleibt – sie konsumieren, um zu funktionieren.

"Es ist absurd, dass wir bei Doping zwar mit dem Finger auf den Spitzensport zeigen, dabei aber die Frage vernachlässigen, wie oft jede und jeder in Österreich zu Suchtmitteln greift, um ganz alltägliche Aufgaben zu bewältigen", sagt Univ.-Prof. Prim. Dr. Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts und Vorstand des Instituts für Sozialästhetik und Psychische Gesundheit der Sigmund Freud Privatuniversität Wien (SFU).

Valide Zahlen fehlen

Die Diskussion über dieses Thema ist umso schwieriger, als bisher valides Zahlenmaterial für Österreich gänzlich fehlt. "Wir schätzen, dass etwa 150.000 Menschen in Österreich medikamentenabhängig sind", so Musalek. Leistungssteigernde Präparate kommen dabei im (beruflichen) Alltag ebenso zum Einsatz wie "Downer", also Schlaf- und Beruhigungsmittel, die Phasen der Regeneration ermöglichen.

Medikamentensucht ist aber nur ein Teilbereich des Alltagsdopings. Illegale Substanzen wie Kokain, die aufputschend wirken, werden da missbraucht, ebenso wie Alkohol. "Alkohol baut Spannung ab – das kann vor einer wichtigen Besprechung ebenso als notwendig empfunden werden wie beim fast schon obligatorischen ,After-Work-Drink"", erklärt Musalek, und ergänzt gleichzeitig: "Natürlich ist nicht jedes Glas Alkohol Alltagsdoping. Wir sprechen dabei ausdrücklich nicht von einem Achtel Wein, das gemütlich bei einem Fest im Freundeskreis genossen wird, sondern von Konsum, der als notwendig und im weitesten Sinne leistungssteigernd empfunden wird."

Quantitative und qualitative Erhebung

Die Grenze kann freilich fließend sein – umso wichtiger ist daher die Sensibilisierung für das Thema. "Wir erhoffen uns von der Studie sowohl quantitative als auch qualitative Erkenntnisse, also nicht nur eine Antwort auf die Frage, wie viele Menschen in Österreich auf Alltagsdoping zurückgreifen, sondern auch: Welche beruflichen und sozialen Rahmenbedingungen fördern den Missbrauch von legalen und illegalen Substanzen?", so Musalek.

Für die Studie, die von der Stiftung Anton Proksch-Institut Wien finanziert und gemeinsam mit der SFU durchgeführt wird, werden 1000 Österreicherinnen und Österreicher von einem Meinungsforschungsinstitut befragt. Hinzu kommen qualitative Interviews, die von Suchtexpertinnen und -experten geführt werden. Erste Ergebnisse sind um den Jahreswechsel 2020/21 zu erwarten.

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