Close

Synchronizing Healthcare

Alle sprechen über Pflege

Die neue Regierung nimmt sich des Themas Pflege an. Zur Weiterentwicklung und Bewältigung der Herausforderungen braucht es multidimensionale Anstrengungen.

15. Mai 2020
Tamara Archan
SCHAFFLER VERLAG, ÖKZ: 61. JG (2020) 03-04
Dieser Artkel wurde 30 mal gelesen.
ClipDealer / bialasiewicz

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / bialasiewicz

Seit diesem Jahr ist das Thema „Pflege“ politisch wie auch medial stark vertreten. Gut so! Pflege ist und wird in Zukunft gesellschaftlich immer relevanter. Besonders die demografische Entwicklung mit einer Zunahme der älteren Bevölkerungsgruppe wie auch die Zunahme an chronisch Erkrankten stellt das Gesundheitssystem vor massive Herausforderungen.

Die neue Regierung scheint sich des Themas Pflege endlich anzunehmen und hat mit dem Regierungsprogramm 2020 – 2024 den Grundstein für Verhandlungen in diesem Bereich gelegt. Im Regierungsprogramm werden Umsetzungsmöglichkeiten definiert, wie z.B. die Community-Nurse, eine Personaloffensive, eine Pflegeausbildungsreform und eine Umstrukturierung der Finanzierungsströme. Zudem wurde von Gesundheitsminister Rudolf Anschober eine Dialog-Tour durch Österreich gestartet, um die Probleme und deren mögliche Lösungen im Pflegebereich zu eruieren. Dieses Vorgehen kann nur unterstützt werden, da den Angehörigen des Pflegeberufs in der Vergangenheit nur unzureichend Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Die ARGE Junge Pflege des ÖGKV-Landesverbands Steiermark hat es sich zur Aufgabe gemacht, Probleme und Herausforderungen im Bereich Pflegeausbildung und Berufseinstieg zu bearbeiten und die Professionalisierung des Berufsstandes zu fördern. Die neue Regierung und deren Vorhaben wurden auch bei der ARGE Junge Pflege zum Anlass genommen, eine Stellungnahme zu verfassen und wichtige Eckpunkte in der Entwicklung der Pflege zu definieren. Diese wurden im Positionspapier der ARGE zusammengefasst und Gesundheitsminister Anschober während seiner Dialog-Tour persönlich übergeben.

Was braucht es nun?

So muss es gelingen, dass die Pflegepersonen länger im Beruf bleiben und dass neue Pflegepersonen, auch auf zweitem Bildungsweg, die Möglichkeit erhalten, in den Beruf einzusteigen. Dies kann nur geschehen, wenn die Strukturen des Gesundheitssystems neu gestaltet werden. Dazu zählen die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege, die Attraktivierung des Berufsbildes, die Verbesserung der Ausbildung oder auch die Förderung der Freiberuflichkeit mit eigenem Abrechnungssystem.

Eine Neustrukturierung der Pflege darf nicht auf Kosten der Qualität in der Versorgung stattfinden. Pflegepersonen wollen qualitativ hochwertig und gemäß ihres Berufsrechtes arbeiten. Das heißt, sie müssen entsprechend ihrer Kompetenzen eingesetzt werden und dürfen nicht mit berufsfremden Tätigkeiten wie beispielsweise Administration beschäftigt werden. Leider wurde besonders der gehobene Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege im Regierungsprogramm unterrepräsentiert dargestellt. Dieser trägt Verantwortung, eigenständig eine Pflege(-therapeutische)-Intervention zu definieren, anzuordnen, durchzuführen, zu delegieren und zu evaluieren. Die gesetzlichen Kompetenzbereiche werden seit der GuKG-Reform 2016 noch immer nicht adäquat in der Gesundheitsversorgung umgesetzt, auch im derzeitigen Regierungsprogramm wurde nur kursorisch darauf eingegangen.

Wesentlicher Beitrag

Die Pflege wirkt als Bindeglied im Gesundheitssystem. Sie ist der wichtigste Bestandteil der Gesundheitsversorgung und hat somit eine Schlüsselfunktion als Informationsgenerator und -weitergeber für andere Gesundheitsberufe. Um dies auch weiterhin leisten zu können, ist die Ausbildung auf allen drei Ebenen (Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege) von grundlegender Bedeutung für die zukünftigen Versorgungsstrukturen des Gesundheitswesens. Ohne hochwertige Ausbildung kann keine qualitativ hochwertige Versorgung stattfinden. Die Pflegelehre stellt keine Alternative für die Ausbildung junger Pflegepersonen, unabhängig von der betreffenden Ausbildungsebene, dar. Die Gesundheits- und Krankenpflege hat einen zentralen gesellschaftspolitischen Auftrag, der nur mit fachpflegerischer Kompetenz und persönlicher Reife erfüllt werden kann. Die Akademisierung muss daher weiter forciert werden.

In der extramuralen Versorgung und im Hinblick auf die Zunahme von chronischen Erkrankungen muss ein Umdenken geschehen. Dabei können neue Strukturen wie eine Community Nurse einen wesentlichen Beitrag leisten und eine Versorgungsdurchgängigkeit im Gesundheitssystem schaffen. Jedoch gilt auch hier anzumerken, dass eine Rahmenstruktur geschaffen werden muss, um dies effektiv und bundesländerübergreifend anbieten zu können.

Zusammengefasst kann angemerkt werden, dass die kommenden Herausforderungen im Pflegebereich nur mit starken und kompetenten Gesundheitsberufen bewältigt werden können. Die Regierung muss sich dieser Tatsache bewusst werden und einen multidimensionalen Ansatz zur Weiterentwicklung schaffen.

Zeitschrift
ÖKZ

Ausgabe
03-04/2020 (Jahrgang 61)

Verlag
Schaffler Verlag

Diese Website verwendet Cookies.
Mehr erfahrenOK