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Datum: Sonntag, 28. August 2016

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Von schlechtem Cholesterin zum Wirkstoff gegen Entzündungen

Schlechtes Cholesterin (LDL) gilt als besonders gefährlich, wenn die Fettsäuren darin oxidiert sind. Als Forschende an der ETH Zürich untersuchten, wie oxidierte Fettsäuren im Körper wirken, stellte sich aber überraschenderweise heraus, dass sie Entzündungen hemmen. Davon inspiriert haben die Forschenden eine Substanz entwickelt, die sich dereinst gegen entzündliche Krankheiten einsetzen ließe.

Die Wissenschafter haben die Substanz mit der Bezeichnung cyclo-EC und den Herstellungsprozess patentieren lassen. In ersten Versuchen mit Mäusen konnten sie zudem zeigen, dass cyclo-EC die Folgen einer bakteriellen Lungenentzündung mildern konnte. Hinter dem Wirkstoffkandidaten steckt intensive Forschungsarbeit. Bereits vor einigen Jahren fand Prof. Dr. Manfred Kopf mit seiner Forschungsgruppe heraus, das bestimmte oxidierte Fette Entzündungen hemmen. Vorher gingen Wissenschafter davon aus, dass oxidierte Fettsäuren Entzündungen hervorrufen und fördern.

Prominentes Beispiel ist das "schlechte Cholesterin" LDL (Low-Density-Lipoprotein). LDL ist ein Transportvehikel für Cholesterin und Fettsäuren, das jede Zelle benötigt und aus dem Blut aufnimmt. Zu hohe LDL-Mengen verursachen allerdings Atherosklerose: Bestimmte Fresszellen (Makrophagen) verleiben sich viel LDL ein und lagern sich an Blutgefäßwänden ab. So entsteht ein verkalkter Plaque. Lösen sich solche Plaques und verstopfen kleine Gefäße, kann das zu Hirnschlag oder Herzinfarkt führen. LDL gilt zudem als besonders gefährlich, wenn Fettsäuren darin oxidiert sind - was lange als entzündungsfördernd galt.

Kopf und sein Team fanden in Versuchen mit Zellen und Mäusen jedoch heraus, dass oxidiertes LDL entgegen der Erwartungen Entzündungen hemmte. Oxidiertes LDL brachte die Fresszellen in Laborversuchen dazu, weniger entzündungsfördernde Signalstoffe abzusondern.

Bei der Verbrennung von Fettsäuren müssen unterschiedliche Oxidationsprodukte entstehen, wovon einige Entzündungen hemmen.

Prof. Dr. Manfred Kopf
Institute for Molecular Health Sciences, ETH Zürich

Einige dieser oxidierten Fette baute der ETH-Chemiker Prof. Dr.Erick M. Carreira mit seiner Forschungsgruppe künstlich nach und optimierte verschiedene Varianten sowie den Syntheseweg. Schließlich erhielten sie die Substanz cyclo-EC, die sich als 50 mal wirksamerer Entzündungshemmer als ein ähnliches, körpereigenes Lipid herausstellte.

Die Forschenden hoffen, die Substanz mit industriellen Partnern zum Wirkstoff weiterentwickeln zu können.

Dieser Stoff birgt ein sehr hohes Potenzial für den Einsatz gegen verschiedene entzündliche Erkrankungen, wie zum Beispiel die Schuppenflechte, die Colitis im Darm oder auch Autoimmun-Erkrankungen wie die Multiple Sklerose.


Bildinhalt: Prof. Dr. Manfred Kopf,
  Institute for Molecular
  Health Sciences, ETH Zürich
Bildrechte: Eidgenössische Technische
  Hochschule (ETH) Zürich

Bildinhalt: Prof. Dr. Erick M. Carreira,
  Leiter Laboratorium für
  Organische Chemie, ETH Zürich
Bildrechte: Eidgenössische Technische
  Hochschule (ETH) Zürich