medianet ÖAZ Philips QUALITAS ÖKZ MedAustron

Datum: Dienstag, 23. Januar 2018

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: ClipDealer / fotoman

Dieser Artikel wurde 63 mal gelesen.

Gesundheitskompetenz hilft bei Bewältigung von chronischem Schmerz

Rund 25 Prozent der Österreicher leiden unter chronischem Schmerz. Eine Studie des Zentrums für Public Health an der MedUni Wien zeigte nun wirksame Gegenstrategien auf: Wer sich Selbstmanagement-Fähigkeiten aneignet, soziale Kontakte pflegt und sich psychische Bewältigungsressourcen erschließt, kann mit dem Schmerz besser umgehen und auch im Arbeitsalltag besser zurecht kommen.

Gesundheitskompetenz (Health Literacy) bezeichnet die Fähigkeit einer Person, gesundheitsbezogene Informationen und Angebote selbst zu finden, zu verarbeiten und zu nützen. Das geschehe mit medizinischer Unterstützung - aber auch im persönlichen Bereich, hieß es am Montag in einer Aussendung der MedUni.

Die Studie unter der Leitung des Sozialmediziners Thomas Dorner vom Zentrum für Public Health an der MedUni Wien, die in der "Wiener klinischen Wochenschrift" veröffentlicht wurde, kam zum Ergebnis, dass ein höheres Maß an eigener Gesundheitskompetenz bei Patienten mit chronischen Schmerzen mit einer geringeren Schmerzintensität und damit auch mit einer geringeren Belastung durch die Schmerzen verbunden ist.

"Die Erhöhung der Gesundheitskompetenz in der Gesamtbevölkerung ist ein starkes Instrument, das in der Lage ist, chronischen Schmerzen vorzubeugen, die Schmerzintensität und die Einschränkungen der Lebensqualität zu reduzieren und unnötige medizinische Maßnahmen aufgrund von Schmerzen zu vermeiden", fasste Thomas Dorner die zentralen Ergebnisse der Studie zusammen. Zwar leiden 25 Prozent der Österreicher unter chronischen Schmerzen , es sei aber "umso erstaunlicher, dass es vielen von ihnen gelungen ist, sich individuelle Bewältigungsstrategien zu schaffen, sodass sie auf eigenen Füßen stehen können, in der Arbeit produktiv sind, nicht ständig in ärztlicher Behandlung sein müssen und somit das Gesundheits- und Sozialsystem belasten".

Chronischer Schmerz ist komplex und umfasst biologische, psychologische und soziale Aspekte, die häufig von Störungen wie Depressionen, Schlafstörungen, Beeinträchtigungen im Sexualleben, aber auch mit schwerwiegenden Konsequenzen im Alltag einhergehen, hieß es von der MedUni. In der Gesundheitsversorgung gehe die Behandlung des Problems chronischer Schmerzen daher über die eigentliche Schmerzbehandlung hinaus und sei interdisziplinär.

"Viele Menschen mit chronischen Schmerzen suchen keine professionelle Hilfe und verfügen auch nicht über nötige Kompetenzen im Selbstmanagement. Damit beginnt eine sich nach unten drehende dramatische Spirale: Der Betroffene geht ohne Therapie mit Schmerzen in die Arbeit, macht Fehler, kann nicht mehr richtig arbeiten, verliert den Job und damit zumeist auch soziale Kontakte und das Selbstwertgefühl und landet in der totalen Isolation. Und alle diese Probleme verstärken die Schmerzen noch zusätzlich."

Viele der genannten Faktoren müssten eher "gemanagt" als geheilt werden, betonte der Sozialmediziner: "Chronische Schmerzen erfordern daher oft eine patientenzentrierte, personalisierte, integrierte Versorgung mit multiprofessionellen Teams, in denen der Patient und nicht die Krankheit im Fokus der Behandlung steht und auch die Patienten selbst dank perfektem Selbstmanagement auf Augenhöhe Teil dieses Teams sind."

Quelle: APAMED