medianet ÖAZ Philips QUALITAS ÖKZ MedAustron

Datum: Dienstag, 24. Mai 2016

Artikel: CGM / Walter Zifferer

Bildinhalt: Symbolbild

Bildrechte: Clipdealer / SeanPrior

Dieser Artikel wurde 1027 mal gelesen.

Aktive Patientenbeteiligung bei der Entwicklung neuer Therapien

Fehlende Aufklärung, rätselhafte Fachbegriffe, unklare Risiken: Nicht selten liegen die Hintergründe und Entscheidungsgrundlagen bei medizinischen Behandlungen in der Arzneimittelentwicklung für Patienten gänzlich im Dunkeln. Um Patienten aufzuklären und sie besser in medizinische Entscheidungsprozesse einzubinden, bietet eine neue Kooperation des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) und der Europäischen Patientenakademie zu Therapeutischen Innovationen (EUPATI) in einem ersten Zyklus drei kostenlose Veranstaltungen an, um Patienten und Patientenvertretern einen besseren Einblick in die Medikamentenentwicklung zu ermöglichen.

Dialog statt Monolog

Die Zeit der unmündigen Patienten ist längst vorbei. Der Patient von heute ist nicht mehr Objekt der Medizin, sondern aktiver Partner. Patienten bringen sich bei medizinischen Behandlungen stärker ein und wollen mitunter sogar eine Rolle in der Entwicklung von neuen Therapien übernehmen. Ein reger Austausch findet bislang im Internet statt, wo in zahlreichen Blogs und Foren über aktuelle Forschungsergebnisse debattiert und Kontakte zu Ärzten und Selbsthilfegruppen ausgetauscht werden. Zurzeit erfolgt auch ein Umdenken bei Ärzten sowie in Forschung und Entwicklung: Um die Ergebnisse von neuen Behandlungen, Therapien und Medikamenten zu optimieren, soll hier Patienten künftig eine Schlüsselrolle zukommen.

Genau diese Ziele verfolgt die neue Initiative vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) und der Europäischen Patientenakademie zu Therapeutischen Innovationen (EUPATI). Um mehr Gelegenheiten zur Einbindung von Patienten zu schaffen, gibt es nun ein neues Angebot: In drei speziell auf Patienten ausgerichteten Schulungen bekommen die Vertreter von Patienten­organisationen und Selbsthilfegruppen das nötige Rüstzeug, um eine aktive Rolle übernehmen zu können. Thematisiert wird unter anderem die Lesbarkeit von Gebrauchsinformationen auf Arzneimitteln. Denn nur wer alles versteht, wendet sein Arzneimittel richtig an. Interessierte werden auch darüber aufgeklärt, wie sie Nebenwirkungen von Medikamenten melden können und was infolge­dessen mit den Meldungen geschieht.

Die erste Veranstaltung, die sich insbesondere an Patientenvertreter, Patienten und deren Angehörige richtet, findet am Donnerstag, den 9. Juni 2016, zum Thema "Woher bekomme ich welche Informationen?" in den Räumlichkeiten der AGES statt. Zwei weitere Veranstaltungen finden in weiterer Folge in Wien und Salzburg statt für eine limitierte Anzahl an Patientenvertretern.

Einblicke in Forschung und Entwicklung

Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer der Informationsveranstaltung Einblicke in die Arbeitsweise der akademischen Forschung, in die Tätigkeitsbereiche der Pharmaindustrie sowie in die Aufgaben der Medizinmarktaufsicht, die für die Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln und Medizinprodukten verantwortlich ist.

Wir wollen Patienten an das Thema Forschung und Entwicklung heranführen und sie dabei unterstützen, als Experten eine aktive Rolle in der Entwicklung von neuen Therapien einzunehmen.

Claas Röhl
Patientenvertreter und Vorsitzender von EUPATI Österreich

Mehr Einbindung und Mitbestimmung von Patienten

Ermöglicht wird dies durch eine Partnerschaft zwischen dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) und der europäischen Patientenakademie zu therapeutischen Innovationen (EUPATI). Für Dr. DI Christa Wirthumer-Hoche, Geschäftsfeldleiterin der AGES Medizinmarktaufsicht, stehen die Patienten und ihre Bedürfnisse ganz klar im Mittelpunkt:

Patienten sind die wichtigsten Partner im pharmazeutisch-regulatorischen Netzwerk, denn für sie prüfen wir die Marktzulassung von qualitativ hochwertigen, sicheren und wirksamen Arzneimitteln. Wir wollen Patienten und Patientenvertreter informieren, ihre Anliegen hören und sie zukünftig aktiver in die Entscheidungsprozesse der Regulationsbehörde einbinden.

Auch Dr. Ingrid Klingmann, Vorsitzende der Non-Profit-Organisation European Forum for Good Clinical Practice (EFGCP) und Leiterin eines EUPATI Arbeitspaketes, ist von diesem neuen Angebot für Patienten überzeugt:

Diese Kooperation wird eine entscheidende Rolle bei der Etablierung einer neutralen, objektiven und hochqualitativen Fortbildungsmöglichkeit für Patientenvertreter in Österreich spielen. Alle Aspekte der medizinischen Forschung und Entwicklung werden abgedeckt.

Informationen sowie Anmeldungen zum AGES-Patientengespräch (bis 2. Juni 2016) finden Sie auf www.ages.at

Über die AGES Medizinmarktaufsicht

Die Medizinmarktaufsicht ist für die Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln und Medizinprodukten in Österreich verant­wortlich. Auftraggeber und Eigentümer ist die Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Die Medizinmarktaufsicht beschäftigt rund 280 Mitarbeiter. Mit dem Vollzug der hoheitlichen Aufgaben, die mit der Arbeit der Medizinmarktaufsicht zusammenfallen, ist das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) betraut, eine nachgeordnete Behörde des BMG. Mehr unter www.ages.at

Über EUPATI

Die Europäische Patientenakademie zu Therapeutischen Interventionen hat es sich zum Ziel gemacht, Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Interessensgruppen wissenschaftlich fundierte und objektive Informationen zum Forschungs- und Entwick­lungs­prozess von Arzneimitteln verständlich zur Verfügung zu stellen. EUPATI ist ein Verbund von 33 Organisationen, bestehend aus Patientenorganisationen, Universitäten und gemeinnützigen Organisationen sowie in der Forschung tätigen europäischen Pharma­unternehmen und wird vom Europäischen Patientenforum geleitet. EUPATI berät Medikamenten­zulassungs­behörden und Ethikkommissionen und bietet Schulungen an, die die Einbeziehung von Patienten und Patientenvertretern in den Prozess der Arzneimittelforschung und -entwicklung unterstützen. EUPATI hat sich zum Ziel gesetzt, einen erkennbaren Beitrag für alle Interessensgruppen, die an der Arzneimittelforschung und -entwicklung beteiligt sind, zu leisten (v. a. in den Bereichen Medika­menten­forschung, Planung und Durchführung von klinischen Studien, Beurteilung der Sicherheit von Arzneimitteln, Nutzen-Risiko-Verhältnis und Gesundheitsökonomie). Mehr über die Europäische Patientenakademie sowie unsere Ethik- und Transparenzrichtlinien erfahren Sie unter www.eupati.eu


Bildinhalt: Dr. DI Christa Wirthumer-Hoche,
  Leiterin der AGES Medizinmarktaufsicht
Bildrechte: AGES

Bildinhalt: Dr. Ingrid Klingmann, Vorsitzende
  des European Forum for Good
  Clinical Practice (EFGCP)
Bildrechte: Dr. Ingrid Klingmann

Bildinhalt: Claas Röhl, Patientenvertreter
  und Vorsitzender von EUPATI
  Österreich, Vorstandsmitglied Pro
  RARE Austria, Obmann NF Kinder
Bildrechte: NF Kinder - Verein zur
  Förderung der Neurofibro-
  matoseforschung Österreich